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„Ist das überhaupt erlaubt?“: Obszönes Kunstwerk in City erhitzt Gemüter

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Von: Anika Zuschke

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Ist das noch Kunst oder geht das schon zu weit? Die Frage wirft eine obszöne Figur in Form des männlichen Geschlechtsteils vor der Bremerhavener Kunsthalle auf.

Bremerhaven – Ist das Kunst oder kann das weg? Dieser geläufige Spruch zu „ungewöhnlichen“ Kunstwerken trifft auf eine Skulptur in Bremerhaven mehr denn je zu. Denn vor den Türen der Kunsthalle mitten in der Innenstadt befindet sich neuerdings ein übergroßer metallener Penis, daran angekettet ist ein altes Fahrradgerüst. Welche Intention steckt hinter diesem geradezu pornösen Kunstwerk und geht eine solche Aufmachung überhaupt noch als Kunst durch?

Installationskünstlerin und Bildhauerin:Liz Craft
Geboren:1970
Bachelor of Arts:Otis Parsons im Jahr 1994
Master of Fine Art:Universität Kalifornien, Los Angeles im Jahr 1997

Kunst oder Obszönität? Phallus-Kunstwerk in Bremerhaven wirft Fragen auf

Hinter der genauso ungewöhnlich wie anzüglich erscheinenden Penis-Plastik steckt die Künstlerin Liz Craft aus Los Angeles in Kalifornien. Der obszöne Metall-Phallus gehört zu ihrer Ausstellung mit dem Titel „Do you love me now?“, die seit dem 30. Januar 2022 in der Kunsthalle von Bremerhaven besucht werden kann. Die Ausstellung fällt unter die Definition der Populärkunst und wurde bereits in Paris, London und New York City zur Schau gestellt. Auf einem Familienspielplatz in Kanada sorgte auch eine obszöne Rutsche bei viele Eltern bereits für Entsetzen – diese stellte nämlich auf sehr grafische Art und Weise den Geschlechtsakt dar.

Die eigentliche Exposition von Liz Crafts Werken befindet sich im Inneren der Bremerhavener Kunsthalle – wer an der Halle nur vorbeigeht, sieht vor der Tür also ausschließlich das silbern strahlende männliche Geschlechtsteil mit einem alten Fahrradgerüst davor stehen. Geht das denn noch als Kunst durch, für sich stehend und isoliert von den restlichen Ausstellungs-Werken? „Natürlich ist das Kunst“, äußert Kai Kähler bestimmt und ohne zu zögern gegenüber „buten un binnen“. Er fungiert als Leiter des Historischen Museums Bremerhaven und war Geschäftsführer des Kunstvereins der niedersächsischen* Stadt. Kähler erklärt die Penis-Figur mit den Worten: „Er ist nicht natürlich entstanden, sondern wurde künstlich gemacht“, und fügt gegenüber „buten un binnen“ hinzu: „Er steht ja nicht allein, da hängt ja ein Fahrrad dran.“ Außerdem habe die Künstlerin eine Intention gehabt, die man auch im Zusammenhang mit der Gesamtausstellung sehen müsse.

Männliches Geschlechtsteil als Kunstwerk: Inspiration für Phallus-Skulptur waren Verkehrspoller

Aber wie kam Liz Craft überhaupt auf den Ausstellungs-Aufmacher der Phallus-Plastik? Die amerikanische Künstlerin lässt sich für ihre Werke durch Beobachtungen aus dem Alltag inspirieren, erläutert die 51-Jährige in einem Interview mit „buten un binnen“. Auf die Idee der Penis-Figur sei sie bei der Betrachtung von Verkehrs-Pollern am Straßenrand gestoßen: „Wenn ich mit meinem Fahrrad unterwegs bin, dann sehe ich überall die Poller an der Straße und dann denke ich, das sind alles kleine Penisse. Und sowas fällt mir dann ein, so wie ein Tagtraum“, erklärt Craft.

Ehemaliger Kunstverein-Geschäftsführer verteidigt Phallus-Kunstwerk: „Kunstfreiheit geht in Deutschland traditionell sehr weit“

„Das ist ja auch wirklich keine abwegige Assoziation“, stimmt Kai Kähler laut „buten un binnen“ zu. Obwohl er Respekt vor denjenigen habe, die das Kunstwerk anstößig finden, „geht die Kunstfreiheit in Deutschland traditionell sehr weit“, erklärt der Museums-Leiter. Da ist bereits mehrmals die Frage aufgekommen: „Ist das überhaupt erlaubt?“ Rechtlich verboten sind solche pornografischen Werke tatsächlich nicht. Es gibt etliche Urteile – darunter die Kunstfreiheit – die der Kunst auch derartige Inhalte erlauben.

Eine Phallus-Figur aus Metall steht mit einem Fahrradgerüst vor den Türen der Bremerhavener Kunsthalle.
Ist diese Phallus-Figur in Bremerhaven noch Kunst oder nur obszön? © Screenshot Instagram @zilcraft

Phallus mit Fahrrad bei Bremerhavener Kunstausstellung: „Nicht ganz so ernst zu nehmen“

Abgesehen von dem Phallus mit Fahrradgerüst werden auch im Inneren der Kunsthalle ganz banale Gegenstände wie Seifenspender in Szene gesetzt. Die größte Installation stellt ein Gefüge aus überdimensionalen Halsketten mit Herz-Anhängern dar, die von der Decke und den Wänden hängen. „Vielleicht sind meine Arbeiten nicht ganz so ernst zu nehmen“, gibt Künstlerin Craft gegenüber „buten un binnen“ zu. An den Vorschlag scheinen sich die Bremerhavener zu halten, bisher hat die Penis-Figur nämlich noch keinen Protest ausgelöst. Ganz anders als bei einer obszönen Statue in dem Kurort Dangast, die vor allem Urlauber und Touristen entsetzt.

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Obszöne Figur in Bremerhaven sorgt bei den Menschen für Belustigung

Für Belustigung sorgt der Fahrrad-Phallus in Bremerhaven aber definitiv. In sozialen Netzwerken bezieht sich ein User auf das Zitat der Künstlerin „Das sind alles kleine Penisse“ und schreibt amüsiert: „Was für Größenverhältnisse hat die Dame, wenn Verkehrs-Poller ‚kleine Penisse‘ sind?“, worauf ein anderer antwortet: „Pottwale nehme ich an“. Andere gehen auf den Penis als extrem unpraktische Befestigung für ein Fahrrad ein: „Ich würde niemandem empfehlen, sein Fahrrad so – oder generell – an einen Poller auf Hüfthöhe zu ketten.“ Für Belustigung im Internet sorgte auch schon die absurde Nachfrage nach ungeimpftem Sperma, das wohl „den neuen Bitcoin“* darstelle.

Belustigte Kommentare zur Penis-Kunstfigur im Netz: „Merke: Wenn 1 Fahrrad dran ist, ist es Kunst“

Ein User ist der direkten Meinung „Das kann weg“, wobei ein anderer wohl findet: „Alle großen Hansestädte sollten 1 Pimmel haben.“ Dem scheint ein weiterer Kommentierender zuzustimmen, der schreibt: „Ich schlage vor, das Ding im Rahmen einer Wanderausstellung in Hamburg gastieren zu lassen. Als Schirmherr bietet sich doch gewiss der Innensenator an“ und bezieht sich dabei auf Innensenator Andy Grote und das virale „Pimmel-Gate“, das die Polizei über Wochen hinweg beschäftigte. Auf Twitter ist sich ein User ob der Wahrnehmung des Phallus als Kunst wohl nicht ganz sicher: „Merke: wenn 1 Fahrrad dranhängt, ist es Kunst“, schreibt der User mit einem lachenden Smiley.

Phallus-Kunstwerk in Bremerhaven ist Teil der Ausstellung „Do you love me now?“ von Liz Craft

Wer sich von der umstrittenen Kunst selbst überzeugen möchte, kann die Ausstellung „Do you love me now?“ von Liz Craft in Bremerhaven noch bis Mitte April mit eigenen Augen bestaunen. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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