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Tschechen-Millionär rast im Bugatti mit 417 km/h über A2 – Ermittlungen

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Von: Fabian Raddatz

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Dieses Video sorgt im Netz für Sprach- und Fassungslosigkeit: Ein Multimillionär rast in seinem Bugatti mit 417 km/h über die Autobahn 2. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Magdeburg – Darf er das? Und wie gefährlich ist das? Das Video eines tschechischen Multimillionärs sorgt im Netz für Aufsehen. Radim Passer hatte sich gefilmt, wie er in seinem Bugatti Chiron über die Autobahn 2 donnerte – mit satten 417 km/h. So schnell sind normalerweise Flugzeuge unterwegs.

Automobilhersteller:Bugatti
Gründer:Ettore Bugatti
Hauptsitz:Molsheim, Frankreich
Auflösung:1963

Das irre Video rief nun auch die Behörden auf den Plan. Dieses Verhalten sei nicht zu verantworten, sagte die Polizeisprecherin aus Magdeburg am Montag, 24. Januar 2022. Man habe Ermittlungen gegen den Mann wegen eines mutmaßlichen illegalen Straßenrennens eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft werde den Fall jetzt prüfen.

Radim Passer veröffentlichte die Aufnahmen vor zwei Wochen auf seinem Youtube-Kanal. Mehrere Medien hatten über die Videos des 58-Jährigen, die im Juli 2021 entstanden sein sollen, berichtet.

Multimillionär rast im Bugatti mit 417 km/h über A2 – Staatsanwaltschaft ermittelt: Radim Passer ist 270 Millionen Euro schwer

Das Bundesverkehrsministerium äußerte sich kritisch. Jegliches Verhalten im Straßenverkehr, das zu einer Gefährdung von Verkehrsteilnehmern führe oder führen könne, werde abgelehnt, teilte eine Ressortsprecherin mit. Auf dem im Video gezeigten Streckenabschnitt zwischen Berlin und Hannover gilt den Angaben zufolge keine Geschwindigkeitsbegrenzung.

Radim Passer rast mit 417km/h im Bugatti Chiron über Autobahn
Mit 417km/h donnert der tschechische Milliardär über die A2 zwischen Berlin und Hannover. © Screenshot YouTube Radim Passer / picture alliance / Uli Deck/dpa | Uli Deck (Montage)

Der Multimillionär Passer, der in vorigen Medienberichten irrtümlich als Milliardär betitelt wurde, ist in Tschechien bisher weniger als Freund schneller Autos, sondern als Immobilienmagnat in Erscheinung getreten. Sein Vorzeigeprojekt ist der Büro- und Geschäftskomplex BB Centrum, der zu den größten in Prag zählt. Die tschechische Ausgabe der Wirtschaftszeitung „Forbes“ schätzt Passers Vermögen auf umgerechnet rund 270 Millionen Euro. 

Im Bugatti mit 417 km/h über die A2: „Wollen wir das Multimillionären erlauben?“

Nach Einschätzung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer ist eine Fahrt mit mehr als 400 Kilometern pro Stunde höchst gefährlich. „Je höher die Geschwindigkeit ist, desto länger ist der Bremsweg. Und zwar nicht nur linear, sondern exponentiell, sprich bei doppelter Geschwindigkeit wird er mehr als doppelt so lang!“, sagte der emeritierte Professor der Deutschen Presse-Agentur.

Radim Passer im Profil
Mag schnelle Autos: der tschechische Immobilienmagnat Radim Passer. © Roman Vondrous/imago

„Wollen wir Multimillionären erlauben, auf öffentlichen Straßen ihre Späße zu treiben, die Menschenleben gefährden können?“, kritisierte Dudenhöffer. Das Video sollte seiner Meinung nach der Anlass sein, darüber nachzudenken, was eigentlich auf deutschen Autobahnen erlaubt sein sollte und was nicht. Der Verkehrsminister könne etwa per Gesetz nur noch Autos zulassen, die eine bestimmte Höchstgeschwindigkeit nicht erreichen.

Bugatti Chiron: 1500 PS, ab 2,4 Millionen Euro zu haben

Mehrere deutsche Autobauer wie BMW, Audi und Mercedes-Benz hatten sich bereits 1987 auf eine freiwillige Selbstbeschränkung und auf eine Tempo-Abriegelung bei 250 Kilometern pro Stunde geeinigt. Doch nicht jeder geht diesen Schritt mit. Der in dem Video gezeigte Bugatti Chiron wurde 2016 vorgestellt. Er verfügt nach den Informationen auf den Internetseiten des Herstellers über einen 16-Zylinder-Mittelmotor mit 1500 PS.

Der Bugatti Chiron auf der IAA Motorshow in Frankfurt.
Der Bugatti Chiron auf der IAA Motorshow in Frankfurt. © Michael Debets/Imago

Die Entwicklung des Supersportwagens geht Dudenhöffer zufolge auf die Zeit zurück, als Volkswagen unter dem damaligen Chef Ferdinand Karl Piëch die Luxusmarke erworben hatte. „Ingenieure wollen ja immer zeigen, dass es möglich ist, Grenzleistungsbereiche zu überschreiten. Und das hat er mit dem Chiron gemacht.“ Im Sommer verkaufte VW die Marke mehrheitlich an den kroatischen Elektrospezialisten Rimac.

Nach A2-Raserei und Ermittlungen: Deutsche Umwelt-Hilfe fordert Tempolimit für Autobahnen

In Tschechien fragen sich nun manche, wie Passers Fahrt mit seinen christlichen Überzeugungen zu vereinbaren ist. Nach dem Tod seines ersten Sohnes im Jahr 1998 wandte sich der Unternehmer nach eigenen Angaben Gott zu. Vier Jahre später gründete er die christliche Organisation „Maranatha“. Sie ist benannt nach einem aramäischen Gebetsruf, den die Urchristen benutzt haben sollen. Passer will sich zu der Autobahnfahrt einer Sprecherin zufolge über die Angaben in seinem Youtube-Kanal hinaus nicht äußern.

Für ein Umdenken sprach sich derweil die Deutsche Umwelthilfe aus. „Die Bundesregierung erlaubt mit ihrem Nein zum Tempolimit explizit diese Ultra-Raserei auf 70 Prozent der Autobahnstrecken“, sagte Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Er forderte den neuen Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) zum Handeln auf. „Wir brauchen ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen jetzt – für Klimaschutz und Sicherheit“, sagte Resch.

Gegen den tschechischen Multimillionär-Raser werden die Verkehrssünder aus Niedersachsen klein: Da gehen der Polizei nach Verfolgungsjagden auf der A2 lediglich Raser mit 240 km/h ins Netz. Auch wenn die Zahlen illegaler Autorennen in dem Bundesland alarmierend sind. (Mit dpa-Material) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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