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In der Schanze kellnern jetzt die ersten Roboter: „Bella“ statt Barfrau

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Von: Ulrike Hagen

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Die Zoë-Sofabar in der Schanze setzt Roboter als Bedienung ein – als erstes Lokal in Hamburg überhaupt. Die KI-Kellner bringen viele Hamburger in Rage.

Hamburg – Ausgehen ist in Zeiten von Corona mit den in Hamburg beschlossenen 2G-Plus-Regeln ohnehin schon ziemlich speziell. So sehr, dass Gastronomie wegen des 2G-Plus auf Hamburgs Senat losgingen, „Sterben auf Raten“ würde das für sie bedeuten. Jetzt wird es für Gäste einer Szene-Bar im Schanzenviertel auf St Pauli noch spezieller – über Corona-Regeln weit hinaus. In der Zoë-Sofabar bedienen nämlich neuerdings zwei Roboter namens „Bella“ die Gäste. Das finden einige Gäste witzig, anderen sträuben sich gewaltig die Nackenhaare.

Stadtteil:Hamburg-Sternschanze
Bezirk:Altona (seit 2008)
Größe:0,6 km²
Einwohner:7965
Sehenswürdigkeiten:Schulterblatt, Rote Flora, Wasserturm im Schanzenpark

Bar in der Schanze lässt jetzt Roboter kellnern: „Bellas“ ersetzen menschliches Personal

Der Ersatz von Lebewesen durch Maschinen scheint im Trend zu liegen. Gerade erst hat in Nordrhein-Westfalen die Polizei Hunde-Roboter für stolze 66.000 Euro angeschafft. Ein Discounter verzichtet gleich ganz auf menschliches Personal: Aldi hat die erste Filiale ohne Kasslerinnen eröffnet – Kunden finden das „beängstigend und deprimiernd“. Außer vielleicht der Frauen, die ihren Männern Aldi-Verbot wegen der heißesten Kassiererin aller Zeiten erteilt* haben.

Nun also sorgt auch an Hamburgs buntestem Ort, dem Schanzenviertel, nicht eine Bedienung aus Fleisch und Blut, sondern eine rollende „Bella“ für kühle Drinks und abgeräumte Tische – genau genommen glich zwei „Bellas“. Dabei entstand die Idee, sich die KI-Keller zu holen, eigentlich aus einem ganz anderen Grund: Pandemiebedingt fehlten – wie fast allen Gastro-Betrieben in Hamburg – auch dem Zoë die Arbeitskräfte, denn durch Corona lief Hamburgs Gastronomen massenweise das Personal weg.

Ein Service-Roboter in der Zoe-Bar, der Barbereich mit Sofas in der Innenansicht.
In der Zoë-Sofabar auf St. Pauli bringen Roboter den Gästen Getränke und räumen Gläser ein. © zoebarsanktpauli / Instagram

Service-Roboter in der Szenebar auf St. Pauli sollten ursprünglich für neue Kollegen werben

Vor allem seit dem zweiten Lockdown suchten die Betreiber „händeringend nach qualifiziertem Personal“, wie Inhaber Thomas Haack gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“ berichtet. Die Roboter sollten auf den durch die Corona-Pandemie entstandenen Servicekräfte-Mangel aufmerksam machen: „Die Idee war es, Sound- und Videofiles auf die Roboter zu laden, damit diese unsere Gäste direkt auf das Thema Personalmangel ansprechen können“, erklärt Haack.

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Personalnot macht kellnernde Roboter in Hamburg unersetzlich – auch in Zukunft

Die Personalnot blieb jedoch – und damit auch die beiden „Bellas“. Auf der Instagram-Seite der Bar heißt es „Personalmangel = kreative Lösung“, dazu ist einer der ca. 1,50 Meter großen Roboter abgebildet. Obwohl die Besitzer versichern, dass die Techno-Bedienung nur eine Ergänzung und Entlastung des „menschlichen“ Service sein soll, rechnen sie dennoch damit, dass die Roboter in Hamburg „besonders in Restaurants zukünftig häufiger zu sehen“ sein werden, zitiert das Hamburger Abendblatt Haack. Auf kreative Lösungen setzt hoch der Hamburger Start-Koch Tim Mälzer: Er hat ein eigenes Test-Zentrum vor seiner Bullerei errichtet – wegen der 2G-plus-Regel in Hamburgs Gastronomie sei ihm zuvor zu viel sponatne Laufkundshaft weggeblieben.

Bis zu 20.000 Euro teure Service-Roboter in Schanzenlokal sorgen für Entsetzen: „Wir schaffen uns selber ab!“

Die Roboter, die bis zu knackige 20.000 Euro kosten, leisteten außerdem „gute Dienste, indem sie den Gästen ein besonderes Erlebnis bescheren.“ Das sieht offensichtlich nicht jeder so: „Ja, so schnell werden Menschen ersetzt“, meckern bereits User im Netz, und: „Willkommen in der Entmenschlichung. Wir schaffen uns selber ab.“ Einige sehen vom Roboter-Einsatz gar ein regelrechtes Kultursterben eingeläutet: „Hamburg ist, wenn‘s fortschrittlicher wird! Wir sind in der Corona-Hauptstadt Deutschlands wie immer ganz vorne mit dabei. Am vornesten - und zugleich vornehmsten - sind wir, wie jetzt berichtet wird, in der Schanze... Das Personal ist bald aus Plastik, auch auf dem benachbarten Kiez übrigens! Wie alles andere auch.“ Fast schon blumig spuckt mit diesen Worten ein erboster Kommentator seinen Ärger raus.

Fakt ist: Wegen Corona gibt es diverse Hamburger Bars und Restaurants 2022 nicht mehr und auch eine Kultkneipe in der Schanze macht demnächst für immer dicht – das Statement der Betreiberinnen geht ans Herz. Vielleicht ist es am Ende dennoch netter, sehr speziell ausgehen zu können, als überhaupt nicht mehr. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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