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Ihm war langweilig: Museumswächter kritzelt Augen auf Millionenwerk

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Von: Ulrike Hagen

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Direkt am ersten Arbeitstag kritzelt ein gelangweilter Museumswärter Augen auf ein Meisterwerk und ruiniert das Gemälde. Anschließend taucht er unter.

Jekaterinburg – „Da fehlt doch was?“ – etwas in der Art dürfte dem Security-Mitarbeiter des Jelzin-Zentrums in Russland durch den Kopf gegangen sein, als er – angeödet von seinem sehr neuen, sehr ruhigen Job als Museumswärter – vor dem abstrakten Gemälde „Drei Figuren“ steht, das Köpfe von drei Menschen ohne Gesichtszüge zeigt. Wäre es doch nur bei ein paar harmlosen Gedanken geblieben.

Stadt im asiatischen Teil Russland:Jekaterinburg
Gegründet:18. November 1723
Fläche:468 km²
Einwohner:1.428.262
Föderationskreis:\tUral

Aus Langeweile: Museumswächter malt mit dem Kuli Augen auf Kunstwerk

Es ist zwar sein erster Arbeitstag. Aber irgendwann muss die Langeweile zu groß und vor allem das Jucken in seinen Fingern zu stark geworden sein: Der Security-Mann schreitet zur Tat und „verschönert“ das millionenschwere Kunstwerk, das in der Ausstellung „Die Welt als Ungegenständlichkeit. Die Geburt einer neuen Kunst“ hängt, die noch bis zum 20. Februar zu sehen ist. Er zückt den Kuli und ergänzt das Millionen-Werk „Die drei Figuren“ mit Augen, die er in die abstrakten Gesichter kritzelt. Dann passiert: erst einmal nichts. Die Tat bleibt ein Weilchen unentdeckt.

Gemälde: „Drei Figuren“ der sowjetischen Avantgarde-Künstlerin Anna Leporskaja (1900–1982).
Die „Drei Figuren“ der sowjetischen Avantgarde-Künstlerin Anna Leporskaja (1900–1982) – vorher... © Facebook / The Art Newspaper
Gemälde: „Drei Figuren“ der sowjetischen Avantgarde-Künstlerin Anna Leporskaja (1900–1982) mit hineingezeichneten Augenpaaren.
... und nachher – um zwei Augenpaare vom Museumswärter ergänzt. © Facebook / The Art Newspaper

Museumswächter malt Augen auf Kunstwerk – es fällt Besuchern erst viel später auf

Dass das Gemälde der russischen Avantgarde-Künstlerin Anna Leporskaya im Wert von 75 Millionen Rubeln (etwa 880.000 Euro) ein wenig „vollständiger“ als vorher aussieht, fällt zunächst nämlich niemandem auf. Erst Museumsbesucher bemerken die Augen-Ergänzungen, und schlagen nach Berichten der russischen „The Art Newspaper“ bei der Leitung des Museums Alarm, die daraufhin das Gemälde abhängt und den Schaden begutachtet.

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Security-Mann taucht tagelang unter, nachdem er ein Kunst-Meisterwerk mit Augen verhunzt hat

Später berichtet das Jelzin-Zentrum in einer Erklärung: „Wir teilen Ihnen mit, dass im Laufe der Ermittlungen die Person identifiziert wurde, die die Augen auf die Figuren des Gemäldes von Anna Leporskaja gemalt hat - es handelt sich um einen Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsorganisation, die für die Sicherheit des Jelzin-Zentrums zuständig ist.“ Der 60-jährige, gerade erst eingestellte Mann sei nach dem Vorfall mehrere Tage nicht am Arbeitsplatz erschienen – und auch telefonisch nicht erreichbar gewesen, ergänzt die Museums-Kuratorin Anna Reshetkina. Er wurde inzwischen entlassen. 

Das Netz feiert den gelangweilten Augen-Künstler: „An seinem zweiten Tag hätte er Schnurrbärte gemalt“

Die „Verschönerungs“-Aktion des russischen Sicherheitsmanns geht inzwischen wie die Geschichte des stinksauren Bauern, der ein Auto mit dem Trecker vom Hof wirft und vor Gericht Recht bekommt und die der Bankerin, die über 20.000 Kundendaten löschte, weil ihr gekündigt wurde, viral. Und das Netz feiert die Langeweile-Laune des Mannes: „An seinem zweiten Tag hätte er die anderen Bilder durch das Zeichnen von Schnurrbärten ergänzt“, scherzt eine Userin. „Eigentlich war er nicht ‚gelangweilt‘... Er muss gedacht haben, dass derjenige, der das Bild gemalt hat, gelangweilt oder faul war und die Arbeit nicht zu Ende bringen konnte, also bot er an, es umsonst fertig zu machen“, ergänzt der nächste.

Gelangweilter Museumswärter kommt glimpflich davon – weil er mit dem Kuli nicht so fest aufdrückte

Der entlassene Museumswärter indes kommt nun wohl doch recht glimpflich davon. Da er beim Zeichnen mit dem Kugelschreiber nicht zu fest aufgedrückt hatte, gestaltet sich die Restaurierung relativ einfach und günstig. Die Rechnung für das Entfernen der Augenpaare belief sich auf rund 3.000 Euro, und wird laut verschiedenen, übereinstimmenden Medienberichten von der privaten Sicherheitsfirma übernommen. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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