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Unternehmen führt Vier-Tage-Woche ein – „Mir sind soziale Aspekte sehr wichtig“

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Von: Theresa Novak

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Geht mit der Vier-Tage-Woche im Handwerk einen neuen Weg: Stephan Rech (links), einer von zwei Geschäftsführern der Firma Reuse Haustechnik. Mitarbeiter Patrick Schlag hatte für das neue Arbeitszeitmodell gestimmt.
Geht mit der Vier-Tage-Woche im Handwerk einen neuen Weg: Stephan Rech (links), einer von zwei Geschäftsführern der Firma Reuse Haustechnik. Mitarbeiter Patrick Schlag hatte für das neue Arbeitszeitmodell gestimmt. © Theresa Novak

Manche Arbeitnehmer wünschen sich deshalb eine Abkehr von der klassischen Fünf-Tage-Woche und würden lieber nach einem anderen Modell arbeiten. Ein Unternehmen in Hessen setzt diesen Wunsch um.

Fuldabrück/Kassel – Der Fuldabrücker Stephan Rech ist einer von zwei Geschäftsführern der Firma Reuse Haustechnik in Kassel (Hessen) und hat für seine 40 Mitarbeiter eine Vier-Tage-Woche eingeführt, wie hna.de berichtet. „Mir sind soziale Aspekte in der Unternehmenskultur sehr wichtig und deshalb auch die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter“, sagt Rech. „In der heutigen Arbeitswelt muss man sich auch um die Themen Entschleunigung und Achtsamkeit kümmern. Denn wenn es den Mitarbeitern nicht gut geht, schadet das auch der Firma.“

Im Handwerk werde immer noch körperlich und hart gearbeitet. „Ein Tag mehr Pause ist da gut“, sagt Rech. Auch jüngeren Angestellten, die mehr Zeit für die Familie haben wollen, würde man damit entgegenkommen.

Auslöser war eine Mitarbeiterversammlung im Sommer vergangenen Jahres, in der es um moderne Arbeitszeitgestaltung ging. „Eine Arbeitsgruppe sollte sich mit dem Thema auseinandersetzen“, berichtet Rech. Die Gruppe habe Wünsche und Vorschläge aus der Belegschaft eingeholt – so kristallisierte sich heraus, dass die meisten Mitarbeiter gern eine Vier-Tage-Woche hätten. „Im Handwerk ist das völlig unüblich“, sagt Rech.

Trotzdem wagte das Unternehmen an der Nürnberger Straße den Schritt und führte nach einer dreimonatigen Probezeit und einer erneuten Abstimmung unter den Mitarbeitern das neue Arbeitszeitmodell ein. 37 von 40 Angestellten hätten zugestimmt.

Weil nicht weniger Stunden gearbeitet, sondern diese nur anders verteilt würden, gehe es auch nicht an die Gehälter. „Dienst ist jetzt von Montag bis Donnerstag von 7 bis 17.15 Uhr. Das sind 9,25 Stunden am Tag und 37 in der Woche“, erklärt Rech. Damit seien nicht nur die Angestellten glücklich, sondern „hoffentlich auch die Kunden.“ Denn die Mitarbeiter seien nun an den Arbeitstagen nachmittags länger erreichbar und könnten auch länger am Stück an einer Heizung oder einem Bad arbeiten.

Trotzdem sei die Firma Reuse mit der Veränderung der Geschäftszeiten ein Risiko eingegangen. „Es gibt immer wen, dem das nicht passt und der gerne genau am Freitag sein Bad eingebaut haben möchte“, sagt Rech. „Wenn aber unbedingt etwas fertig werden muss, kommen wir auch freitags. Die Zeit wird dem Mitarbeiter dann als Überstunden aufgeschrieben.“ Auch der Notdienst sei freitags erreichbar, genau wie auch samstags und sonntags.

Auch die zukünftige Zusammenarbeit mit Lieferanten musste im Vorfeld geklärt werden. „Bisher klappt das aber alles“, sagt Rech.

Ein positiver Effekt sei es, dass nun alle Abteilungen gleichzeitig anfangen und aufhören und die Struktur gerechter sei. „Es arbeitet jetzt auch keiner mehr unbezahlt länger, was früher immer wieder vorkam. Das ist in der Branche zwar nicht unüblich, war aber ungerecht“, sagt Rech.

Die Urlaubstage seien so umgerechnet worden, dass jeder weiterhin sechs Wochen frei hat. „Statt vorher 30 Tage haben die Mitarbeiter jetzt 24.

Eine produktivere Belegschaft, weniger Krankheitstage oder gar mehr Gewinn für die Firma erhofft sich Rech nicht. „Ich erwarte nichts. Wenn die Angestellten erholter aus dem Wochenende kommen, ist es das schon wert.“ (Theresa Novak)

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