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Kinder von Helikoptereltern sind erfolgreicher – aber unglücklicher

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Von: Bjarne Kommnick

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Ist das überbehütende Erziehungsmodell von Helikoptereltern wirklich gut für Kinder? Für die Antwort spielt soziale Ungleichheit eine große Rolle.

New Haven – Die Erziehung von sogenannten „Helikoptereltern“ steht häufig in der Kritik. Doch der Professor für Wirtschaftswissenschaften, Dr. Matthias Doepke, und sein Kollege Dr. Fabrizio Zilibotti von der Yale University in New Haven wollen die Zweifel aus der Welt schaffen. Dafür haben die beiden das Buch „Love, Money and Parenting: How Economics Explains the Way We Raise Our Kids“ herausgebracht und darin ihre Forschung über „Helikoptererziehung“ veröffentlicht. Das Ergebnis: Kinder von „Helikoptereltern“ haben es häufig einfacher im Leben. Doch sind sie dadurch auch wirklich glücklicher?

StadtNew Haven
Bevölkerung130.381
BürgermeisterJustin Elicker
US-BundesstaatConnecticut

Kinder von Heliokoptereltern sind erfolgreicher – aber weniger glücklich, sagen Psychologen

Der Grund, dass sich die beiden mit diesem Thema beschäftigen sei, dass Doepke selbst festgestellt habe, dass er ein „Helikoptervater“ sei, wie stern.de berichtet hatte. „Meine Eltern erwarteten, dass wir zum Essen auftauchen, zur Schule gehen und vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause sind, aber ansonsten hatten wir viel Freiheit“, so Doepke über seine Kindheit. „Die Realität von heute ist so, dass meine Rolle als Elternteil viel intensiver ist. Ich verbringe viel Zeit mit Erziehung, genau wie die meisten anderen amerikanischen Eltern heute.“

Mutter hilft bei Hausaufgaben der Tochter.
Wissenschaftler der Yale University sagen, dass es die Kinder von „Helikoptereltern“ häufig leichter im Leben haben. © Bernd Feil / imago

Der Vorwurf vieler Kritikerinnen und Kritiker lautet häufig, dass Kinder von „Helikoptereltern“ im späteren Leben nicht eigenständig zurechtkommen würden, da ihre Eltern in ihrer Kindheit und Jugend jede Aufgabe für sie erledigen würden. Demnach würden die Kinder es nicht lernen, Dinge zu organisieren, zu planen und zu erledigen. Auch der Soziologe Rüdiger Maas erklärte, dass „Helikoptereltern“ eine Generation lebensunfähig“ geschaffen hätten.

Kinder von „Helikoptereltern“ mit besseren Bildungs- und Berufschancen

Diese Vorwürfe wollen Doepke und Zilibotti mit ihrem Buch nun jedoch widerlegen, denn sie hätten festgestellt, dass das Gegenteil der Fall sei. Dafür untersuchten sie in ihrer Forschung Aspekte wie Bildung, Erziehung und Geld von Familien, in der mindestens ein 15-jähriges Kind lebt. Zuletzt meinte sogar der Pädagoge Josef Kahl, dass der Begriff „Helikoptereltern“ verlogen, aggressiv und diskriminierend sei“.

Die beiden Forscher seien der Annahme, dass Kinder von „Helikoptereltern“ insgesamt bessere Bildungs- und Berufschancen hätten. Eine „intensive“ Erziehung würde demnach positive Auswirkungen auf das spätere Leben haben. Am besten funktioniere es, „Helikoptereltern“ zu sein, wenn die Eltern autoritativ“, aber nicht diktatorisch vorgehen würden, was so viel bedeutet wie die Kinder von ihrem Handeln zu überzeugen als ihnen Dinge aufzuzwingen. Davon kann bei einer Mutter aus den USA, die Miete von ihrem 7-jährigen Sohn verlangt, wohl jedoch nicht die Rede sein.

Studie über „Helikoptereltern“: Erziehungsmethode ist keine Bevormundung

Demnach könne man das „Helikoptereltern“-sein nicht mit Bevormundung gleichsetzen. Ihre Ergebnisse beruhen unter anderem auf verglichene Leistungsdaten von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern. „Helikoptereltern“ seien äußerst erfolgreich darin, dass ihre Kinder universitäre Abschlüsse erreichen würden.

Auch in Sachen Drogen hätten Helikoptereltern einen positiven Einfluss auf ihre Kinder, insgesamt sei eine deutlich geringere Anfälligkeit für Alkohol und Rauchen bei Kindern von Helikoptereltern festzustellen. Insgesamt sei der Anstieg von Familien mit Helikoptererziehung in den vergangenen Jahren enorm gewesen. Das sei insbesondere auf wachsende Ungleichheit zurückzuführen.

„Helikoptererziehung“ als Antwort auf Ungleichheit – doch sind die Kinder glücklicher?

„Dieser Trend ist besonders ausgeprägt in Ländern, in denen die wirtschaftliche Ungleichheit am stärksten zugenommen hat, und im Allgemeinen sehen wir dort mehr von dem, was als Helikoptererziehung bekannt geworden ist“, so Doepke. „Eltern wollen, dass ihre Kinder im Leben gut abschneiden und erfolgreich sind. Und in einer Gesellschaft, die sehr ungleich ist, haben Eltern mehr Angst, dass ihre Kinder nicht zu Leistungsträgern werden.“

Dort wo die Ungleichheit geringer sei, hätten Eltern weniger Sorge darum, dass ihre Kinder sozial abstürzen könnten. Dann würden Eltern häufig andere Prioritäten setzen, beispielsweise, dass die Kinder glücklicher sind und sich individuell entfalten können. Erfolgreicher heißt also nicht gleichzeitig glücklicher, auch wenn finanzielle Freiheiten später ein wichtiger Bestandteil seien, um ein unbeschwertes Leben führen zu können. Doch Helikoptereltern können es auch übertreiben, so hat beispielsweise ein Elterntaxi in London junge Demonstranten angefahren, damit ihr Sohn rechtzeitig in die Schule kommt.

Helikoptereltern erfolgreicher – aber unglücklicher: „Überhütung ist Vernachlässigung“

Auch Pädagogin Beate Letschert-Grabbe kritisiert, dass das Glücklichsein von Helikoptereltern-Kindern unter der Erziehung leiden würde. Denn „Helikoptererziehung“ würden demnach „wie eine Droge“ auf die Kinder wirken. Sie geht noch einen Schritt weiter, die Pädagogin erklärt, „Überhütung ist Vernachlässigung“. Denn dann leide häufig die offene Kommunikation in der Familie, weil Zeit und Ruhe in Helikopterfamilien häufig fehlen würden. Wenn Kinder jedoch gehört werden würden und Verantwortung bekämen, würde sich Kinder mehr wertgeschätzt fühlen. Dadurch seien sie generell häufiger glücklicher als Kinder von Helikoptereltern.

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