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Handwerksbetrieb macht Vier-Tage-Woche – Bewerber rennen ihm die Bude ein

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Von: Fabian Raddatz

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Ein Handwerksbetrieb am Bodensee kann sich nach der Einführung der Vier-Tage-Woche nicht mehr retten. Nun kann er sich seine Azubis aussuchen.

Konstanz – Während bundesweit über Fachkräfte-Mangel berichtet wird, kann sich Alfred Keller seine Azubis in aller Ruhe aussuchen. Seit er in seinem Sanitär- und Lüftungs-Betrieb am Bodensee die Vier-Tage-Woche eingeführt hat, rennen ihm die Bewerber die Bude ein.

„Wir hatten so ungefähr zehn Bewerber“, sagte Keller gegenüber SWR aktuell. Laut Keller auch dadurch, dass man an Schulen präsent sind. „Wir sind bei vielen Bildungsveranstaltungen“, so der Klempner-Meister. „Wir sind in den Social Media breit aufgestellt. Vor Kurzem hat ein Industriepartner zu mir gesagt, es ist schwer, euch nicht jeden Tag wahrzunehmen.“

Chef führt Vier-Tage-Woche ein: „Die Mitarbeiter sind zufriedener“

Doch, das sei nicht das Geheimnis, dass die Leute nun reihenweise bei ihm anfangen wollen. Das Erfolgsrezept sei die Vier-Tage-Woche, so Keller. Seine Tochter Lara, die im Betrieb mitarbeitet, sagt: „Die Mitarbeiter sind zufriedener.“ Davor habe man am Freitag immer nur einen halben Tag gearbeitet.

Chef führt Vier-Tage-Woche ein – Bewerber rennen ihm die Bude ein
Alfred Keller und seine Truppe. © Facebook/Alfred Keller Sanitär Heizung Lüftung

„Da war die Produktivität natürlich nicht so hoch wie an den anderen vier Tagen und dadurch, dass das dann auf die anderen vier Tage aufgeteilt wurde, hat man eine Produktivitätssteigerung gehabt“, sagt Lara Keller. „Durch diesen Erholungstag am Freitag konnten alle auch motiviert werden und erholt am Montag dann wieder beginnen zu arbeiten.“

Auch die Angst, dass die Vier-Tage-Woche zu Überstunden führen würde – oder auch körperlich zu anstrengend sein könnte, wie bei Edeka-Filialen, die jetzt um 13.00 schließen, weil das „Personal an der Belastungsgrenze“ sei – das sei mittlerweile kein Thema mehr.

Nach der Einführung der Vier-Tage-Woche: Alfred Keller hat keine Nachwuchssorgen mehr

Nachwuchssorgen? Arbeitskräftemangel? Das alles kennt Alfred Keller sei der Einführung der Vier-Tage-Woche nun nicht mehr. Anderen Betrieben geht es da schlechter. So fehlt Hamburgs Gastronomie immer noch Personal. Und auch Jürgen Gosch musste sein Sylter Edel-Restaurant wegen Personalmangel dichtmachten.

Doch nicht nur die Gastronomie hat große Probleme damit, Nachwuchskräfte zu finden. Hamburger Kitas in Not: Laut Verdi fehlen 4000 Stellen.

Vier-Tage-Woche im Handwerk erhält viel Zuspruch in Social Media

Unter den Facebook-Posts von dem Sanitärunternehmen sammeln sich die positiven Kommentare: „Klasse“ und „tolle Idee“ heißt es immer wieder. Ein Facebook-User bringt es wohl am besten auf den Punkt: „Wer gute Leute einstellen will, muss halt was bieten, was andere nicht für nötig halten: Lebenszeit, statt nur Arbeit.“ Das dürfte wohl besonders die jüngeren Arbeitnehmer ansprechen: Junge Leute wollen heute nach sechs Stunden zum Yoga, wettert ein Hamburger Chef – und stellt darum jetzt keine mehr ein. Vielleicht sollte er ihnen einfach auch flexiblere Arbeitszeitmodelle bieten.

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