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Hamburger Chef nimmt keine jungen Leute mehr: „Müssen nach 6 Stunden zum Yoga“

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Von: Ulrike Hagen

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Eine Hamburger Agentur stellt keine jungen Praktikanten mehr ein. Grund: Die anspruchsvolle Generation Z schätzt Freizeit wohl weit mehr als Arbeit.

Hamburg – Lieber arbeitslos als unglücklich. Aktuelle Studien zeigen, dass mit der sogenannten Generation Z Menschen den Arbeitsmarkt betreten, die komplett andere Erwartungen an ihre Jobs haben. Den zwischen 1995 und etwa 2000 geborenen jungen Leuten haftet darum das Vorurteil von hohen Ansprüchen und mangelnder Belastbarkeit an. Eine Hamburger Agentur zog Konsequenzen und stellt keine Praktikanten und Praktikantinnen der Generation Z mehr ein.

Stadtstaat:Freie und Hansestadt Hamburg
Gründung:832 n. Chr.
Fläche:755,2 km²
Einwohner:1.853.935
Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Hamburger Unternehmer über Generation Z: „Müssen nach sechs Stunden zum Yoga“

Der Sozial- und Bildungswissenschaftler Klaus Hurrelmann erklärte in der „Zeit“ über die Generation Z: „Diese jungen Leute haben eine eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer und Kontaktfähigkeit.“ Der Experte sieht die Ursache für die Schwächen der rund um die Jahrtausendwende geborenen Generation auch in der Überbehütung durch eine allzu fürsorgliche Erziehung. Die fatale Fürsorge von Rasenmäher-Eltern mache aus Kindern „schwache Persönlichkeiten“, warnt auch die Erziehungswissenschaftlerin Christine Falk-Frühbrodt. Immer mehr Schulen wehren sich inzwischen, weil Eltern bis auf den Pausenhof „helikoptern“.

Diese jungen Leute haben eine eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer und Kontaktfähigkeit.

Sozial- und Bildungswissenschaftler Klaus Hurrelmann über junge Menschen der Gen Z

Junge Leute kommen mit Wunschliste zum Vorstellungsgespräch – Hamburger Unternehmen langt es

Diverse Arbeitgeber möchten sich nicht länger mit der Anspruchshaltung dieser verwöhnten, wohlfühlorientierten Generation Z konfrontieren. Eine Hamburger Friseurmeisterin bildet keine Azubis mehr aus – wegen Mangel an Respekt und Leidenschaft. Und auch die Hamburger Gründerfirma „Nerdinstrustries“ sieht davon ab, noch Post-Millennials einzustellen. Die Erfahrung habe gezeigt, dass die jungen Leute teilweise schon im Vorstellungsgespräch eine Wunschliste vorlegen, wie die „Welt“ berichtet. Eine typische, beispielhafte Forderung sei etwa, dienstags und donnerstags ab 17 Uhr freizuhaben, um zum Yoga gehen zu können.

Hamburger Agentur weigert sich, Generation Z einzustellen: „freizeitorientierte Arbeitnehmer“

„Nerdinstrustries“ Co-Geschäftsführer Mathias Keswani schildert der Tageszeitung: „Die Freizeitorientierung hat bei den jungen Menschen in den letzten Jahren zugenommen“. Deren Arbeitshaltung beschreibt er gleich mit: „Ich komme mal vorbei, aber wenn mir das zu stressig wird, dann lasse ich es lieber.“

Den Generationen Y und Z ist eine gute Work-Life-Balance wichtig. 
 Nachdem ein Arbeitgeber in Hamburg sich darüber beschwert, kontern die jungen Leute sofort
Zweimal die Woche zum Yoga: Die Generationen Y und Z legen großen Wert auf eine gute Work-Life-Balance. (24hamburg.de-Montage) © Georg Wendt/dpa/nathaphat

Helikoptereltern sollen Schuld am mangelnden Biss junger Arbeitnehmer sein

Soziologen führen den mangelnden Biss der Youngster auch auf überbehütende Erziehung zurück, die laut Forschern eine „Generation lebensunfähig“ produziert hat. „Kinder, die nie auf Hindernisse stoßen, lernen nicht, sich aus eigener Kraft durchzusetzen, Konflikte durchzustehen, Spannungen auszuhalten, zu scheitern. All diese Dinge gehören aber eigentlich zu einer gesunden Entwicklung dazu“, erklärt der Sozial- und Bildungsforscher Klaus Hurrelmann gegenüber „Focus online“.

Aktuelle Studie belegt: Generation Z ist lieber arbeitslos als unglücklich im Job

Aktuelle Studien belegen diesen Trend. Eine neue globale Workmonitor-Untersuchung des Personaldienstleisters Randstad unter 350.000 Arbeitnehmern ergab, dass 40 Prozent der Generation Z lieber arbeitslos wäre als unglücklich im Job. 56 Prozent gaben an, dass sie kündigen würden, wenn der Job ihr Privatleben beeinträchtigen würde. Sprach man noch bis vor kurzem von einer Work-Life-Balance – also einer ausgewogenen Balance zwischen Arbeit und privatem Leben –, fordern die ganz jungen Arbeitnehmer ein Work-Life-Separating: eine klare Trennung von Job und freier Zeit.

Fast die Hälfte der Befragten würde keinen Job bei einem Unternehmen annehmen, der nicht ihren sozialen und ökologischen Ansichten entspricht – und für 53 Prozent der Post-Millennials steht der Faktor „viel freie Zeit“ im Zentrum ihrer Job-Anforderungen.

Firmenchef über junge Leute erzürnt: „Wer nach sechs Stunden zum Yoga muss, ist für uns keine Hilfe“

Viel Freizeit – und wenn Arbeiten, dann in der Komfortzone. Ein Balanceakt, der Arbeitgeber vor ganz neue Herausforderungen stellt. Größere Unternehmen können es sich eher leisten, diesen Wünschen junger Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen entgegenzukommen, bestätigt auch „Nerdinstrustries“ -Chef Mathias Keswani. Als kleines Unternehmen trage man eine andere wirtschaftliche Verantwortung, müsse Kunden zufriedenzustellen und eben auch mal am Wochenende arbeiten, so der Hamburger gegenüber der „Welt“.

Wer nach sechs Stunden zum Yoga muss, ist für uns keine Hilfe.

Mathias Keswani über junge Arbeitnehmer der Generation Z

Babyboomer lebten, um zu arbeiten – die neue Generation will nur so viel arbeiten, dass sich davon gut leben lässt

„Niemand verlangt, dass Praktikanten dasselbe Pensum ableisten“, erklärt er. „Aber wer nach sechs Stunden zum Yoga muss, ist für uns keine Hilfe. Das funktioniert nicht.“ Fraglich ist, wie lange die ablehnende Haltung gegenüber neuen Arbeitnehmerwünschen noch funktioniert – denn eins ist klar: Es kommen sicher erstmal keine neuen „Babyboomer“ nach, die leben, um zu arbeiten. Die Generation Z möchte eben nur noch so viel schuften, wie nötig ist, um gut davon zu leben – und sich dafür anständig bezahlen lassen. Eigentlich keine so absurde Idee.

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