1. 24hamburg
  2. Stories

Grundschule bietet nur noch vegetarisches Essen an – Eltern drehen durch

Erstellt:

Von: Ulrike Hagen

Kommentare

Eine Grundschule schmeißt Fleisch vom Speiseplan, „um den Planeten zu retten“. Eltern drehen nach der Vegetarier-Offensive völlig durch.

Nelson/England – Als Fleischesser hat man es inzwischen schwer – und offensichtlich verschärfen sich auch in Großbritannien zunehmend die Fronten zwischen Veganern und jenen, die jedem Trend zum Trotz nach wie vor gern in Tierisches beißen. Gerade verkündete in Oxford eine Veganer-Aktivistin: „Burger essen ist rassistisch“; in Edinburgh attackierten Veganer einen Metzger wegen seiner unschuldigen Werbung als „Psychopathen“. Jetzt gerät eine Grundschule in einer britischen Kleinstadt ins Kreuzfeuer einer hoch erhitzten Ernährungsdebatte.

Kleinstadt in England:Nelson
Grafschaft:Lancashire
Fläche:4,64 km²
Einwohner:29.000

Vegane Schulleiterin verbietet Fleisch in der Grundschule, Eltern gehen auf die Barrikaden

Es klingt erstmal harmlos: An der Barrowford-Grundschule in der Grafschaft Lancashire wird den Kindern seit kurzem nur noch vegetarisches Essen angeboten, von Fleisch in den Lunchboxen wird streng abgeraten. Die Fleischfrei-Regel wurde eigentlich schon letztes Jahr eingeführt, doch erst jetzt informierte ein Brief der Schule die Eltern darüber. Darin erklärt Schulleiterin Rachel Tomlinson, sie habe diese Entscheidung getroffen, „um den Klimawandel zu stoppen“. Sie verwies auf den CO2-Fußabdruck, den die Viehwirtschaft verursache – und darauf, dass Fleisch- und Milchprodukte „enorme Umweltkosten verursachen“.

Ein Koch bereitet veganes Essen in der Kantine zu und ein junges Mädchen isst in der Schule.
Schulleiterin erlässt Fleischverbot in der Grundschule – die Eltern laufen Sturm. (24hamburg.de-Montage) © Monika Skolimowska/dpa/imago

Kein Fleisch mehr in der Schulkantine – stinksaure Eltern laufen gegen die Grundschule Sturm

Nun kochen die Gemüter der Fleischbefürworter hoch und die Eltern der Grundschüler steigen auf die Barrikaden. Eine Mutter berichtet erzürnt, sie habe erst gemerkt, dass die Schule Fleisch vom Speiseplan verbannt habe, als ihre Tochter nach Hause kam und von „widerlichen Würstchen“ erzählte, die es dort zum Mittagessen gab. Und die waren nicht etwa aus Ekel-Fleisch, sondern – man ahnt es – vegetarisch.

Obwohl das Thema Klimawandel nicht nur in Hamburg immer wichtiger wird – und die Angst zunimmt, war der Appell für den Fleischverzicht zugunsten des Planeten einfach zu viel für einige Eltern. Diverse Mütter und Väter bezeichnen die Anordnung als „Witz“ und drohen nun damit, ihre Kinder auf eine andere Schule zu schicken. „Das ist eine Entscheidung, die sie erst treffen, wenn sie älter sind. Warum nicht einfach auf die Vegetarier, Veganer oder was auch immer eingehen – und den Speiseplan erweitern, anstatt unsere Kinder zu zwingen, sich anzupassen?“

24hamburg.de-Newsletter

Im Newsletter von 24hamburg.de stellt unsere Redaktion News aus Hamburg, Norddeutschland, über den HSV und den FC St. Pauli zusammen. Täglich um 8:30 Uhr landen sechs aktuelle Artikel in Ihrem Mail-Postfach – die Anmeldung ist kostenlos, eine Abmeldung per Klick am Ende jeder verschickten Newsletter-Ausgabe unkompliziert möglich.

Vater wütet: „Gras fressende Idioten zwingen uns ihre beschissene Agenda auf!“

Eine andere Mutter kritisiert: „Man vergisst, dass Nicht-Fleischesser und Veganer eine Menge Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen müssen. Was bekommen sie stattdessen an dieser Schule? Nichts, wahrscheinlich will man einfach nur an den Lebensmittelkosten sparen!“ Der örtliche Landwirt setzt noch einen drauf: „Indem man das Recht eines Schülers auf eine omnivore Ernährung diskriminiert, verstößt man gegen die staatliche Gleichstellungspflicht.“ Richtig böse wütet ein aufgebrachter, vermutlich nicht vegan lebender, Vater: „Gras fressende Idioten zwingen uns ihre beschissene Agenda auf!“.

No-Beef-Beef – am Ende muss die Schulleitung einlenken: „Fleisch essen ist in Ordnung“

Manche versuchen, den Streit zu entschärfen, eine Mutter meint etwa: „Die Schule versucht, allen gerecht zu werden. Was auch immer sie tun, irgendjemand wird sich beschweren.“ Eine Erfahrung, die sowohl die Mutter, die ihr Baby mit rohem Steak fütterte – und einen Shitstorm erntete, als auch die Veganer-Mutter, die per Gericht dazu verdonnert wurde, ihrem Kind dreimal die Woche Fleisch zu kochen*, machen musste. In der Grundschule versucht man indes, die Wogen zu glätten: „Wenn jemand verärgert ist, hat er oder sie die Möglichkeit, ein Lunchpaket mit Fleisch mitzugeben, wenn man das möchte. Nichts wird erzwungen.“

Weiter heißt es: „Wir haben darauf geachtet, das Thema ausgewogen anzugehen und zu vermitteln, dass es in Ordnung ist, Fleisch zu essen, aber dass eine Reduzierung unseres Konsums unserem Planeten helfen kann.“ Eine Tatsache, die Eckart von Hirschhausen jüngst krass anschaulich auf den Punkt brachte – er ist der Meinung: „Zu jedem Kilo Fleisch sollte es 20 Liter Gülle dazugeben“. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare