1. 24hamburg
  2. Stories

Giftigste Spinne der Welt: Art könnte bald in Deutschland heimisch sein

Erstellt:

Von: Olaf Kubasik

Kommentare

Eine Andalusische Trichternetzspinne: Sie ist schwarz, behaart und hat acht Beine
Die invasive Andalusische Trichternetzspinne ist auf dem Vormarsch– und könnte auch in Deutschland heimisch werden. Sie ist eine Verwandte der giftigsten Spinne der Welt. © gailhampshire from Cradley, Malvern, U.K, CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

Die Andalusische Trichternetzspinne ist europaweit geschützt - und das könnte für Mensch und Tier zum ganz großen Problem werden.

Als er im Sommer 2019 in einem Gewächshaus im nordrhein-westfälischen Viersen eine große haarige Spinne entdeckt, macht der Mann alles richtig. Ganz vorsichtig fängt er sie ein - und ruft dann die Feuerwehr. Die wiederum bringt das Tier zu einem Experten, der dessen Art bestimmt: Es handelt sich um eine Andalusische Trichternetzspinne. Das Erschreckende: Macrothele calpeiana ähnelt nicht nur optisch der giftigsten Spinne der Welt, sondern ist auch ihre nähere Verwandte, wie echo24.de berichtet.

Doch wie ist die in Europa bislang nur in Italien und auf der Iberischen Halbinsel vorkommende Andalusische Trichternetzspinne nach Deutschland gekommen? Vermutlich mit importierten Olivenbäumen, was wiederum die 1986 aufgestellte Theorie von R.G. Snazell widerlegen würde, dass Macrothele calpeiana nur „in unberührten Korkeichenwäldern“ längerfristig überleben und Populationen bilden könne. Die Art wurde nach einer weiteren Veröffentlichung, die sich auf Snazell beruft, europaweit geschützt. Eine Fehleinschätzung, denn mittlerweile gilt die Andalusische Trichternetzspinne sogar als invasiver Neozoon.

ArtAndalusische Trichternetzspinne (Macrothele calpeiana)
Vorkommen in EuropaIm Süden Portugals und Spaniens, Italien
Körperlängebis zu 3,7 Zentimeter (Weibchen)
NahrungGliederfüßer
Biss-Wirkung bei Menschenextreme Schmerzen

Giftigste Spinne der Welt: Erobert ihre europäische Verwandte bald Deutschland?

1996 räumten Peter J. van Helsdingen und Arthur E. Decae mit der Korkeichenwald-These auf. Die beiden Wissenschaftler wiesen die Andalusische Trichternetzspinne in Spanien „vielzählig“ nach - in Obstplantagen, an Picknickplätzen, in Pinien- und Eukalyptusanpflanzungen, auf verbranntem Grasland, an alten Steinmauern und Felswänden und sogar an Palmen in Stadtparks und auf Müllhalden. Somit sind Biss-Begegnungen mit dem Menschen nicht ausgeschlossen. Die enden zwar niemals tödlich wie bei der gefürchtetsten Spinnen-Art der Welt, sind aber kein Zuckerschlecken, wie folgende Symptome beweisen:

Was passiert bei einem Biss der Andalusische Trichternetzspinne – Symptome:

Zwar gilt die Andalusische Trichternetzspinne im Gegensatz zu ihrer australischen Verwandten als nicht aggressiv, doch Biss-Unfälle kommen immer wieder vor. Dann, wenn sie bis aufs Blut gereizt wird oder das Weibchen seinen Ei-Kokon bedroht fühlt. Als Vogelspinnenartige nimmt sie zuvor die typische Drohgebärde ein. Und beißt bei deren Missachtung sofort zu - ähnlich einer kleineren Vertreterin ihrer Unterordnung, die im Gegensatz zu ihr längst schon in Deutschland angekommen ist.

Trichternetzspinne ist europaweit geschützt, aber breitet sich extrem aus

Dass die Andalusische Trichternetzspinne ihren invasiven Weg - ähnlich einer achtbeinigen Schreckensart - in Europa fortsetzt, scheint für das Invasive Species Compendium nach einer groß angelegten Studie möglich - dazu teilt es auf cabi.org mit: „Obwohl die neuen Standorte in Mitteleuropa von den Klimamodellen nicht vorhergesagt wurden und die Persistenz der Art unwahrscheinlich erscheint, lässt die Möglichkeit einer schnellen Evolution oder phänotypischer Plastizitätsprozesse Vorsicht hinsichtlich der Möglichkeit einer zukünftigen Ausbreitung von Macrothele calpeiana in ganz Europa aufkommen.“

Das Gespinst der Andalusischen Trichternetzspinne

Macrothele calpeiana baut ein Giga-Trichternetz mit einer Fläche von bis zu 1.500 Quadratzentimetern. Nicht nur unter Steinen oder Wurzeln, sondern auch in Höhen von bis zu zweieinhalb Metern in Bäumen. Das Netz mündet laut wiki.arages.de in eine Wohnröhre, die bis zu 50 Zentimeter weit in die Erde oder anderweitige Höhlungen reichen kann. Sie nutzt dabei „von anderen Tieren angelegte und verlassene Wohnbauten oder natürliche Öffnungen“. 

Auch interessant

Kommentare