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Friseurin lässt Ordnungsamt nicht rein – weil er 3G-Nachweis nicht zeigt

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Von: Anika Zuschke

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Kontrolleur wollte im Friseursalon die 3G-Nachweise der Besucher prüfen – rückte mit dem eigenen aber nicht raus. Friseurin ließ ihn kurzerhand vor der Tür stehen.

Mülheim – Die Corona-Regeln in Deutschland sind so verwirrend wie sie unbeständig sind. Abgesehen davon, dass diese ständig irgendwelche Änderungen erfahren, sind sie auch noch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Doch eine Regel scheint fast überall gleich zu sein: In Friseursalons gilt seit Anfang 2022 die 3G-Regel*. Auch Ungeimpfte können sich also mit einem Testnachweis die Haare schneiden lassen. Ob tatsächlich alle Salon-Besucher geimpft, genesen oder getestet sind, überprüft derweil das Ordnungsamt. Doch was passiert, wenn der Kontrolleur seinen eigenen 3G-Nachweis nicht vorzeigen will? Eine Friseurmeisterin in Mülheim machte kurzen Prozess.

Großstadt in Nordrhein-Westfalen:Mülheim an der Ruhr
Höhe:40 Meter
Fläche:91,26 km²
Vorwahl:0208

Friseurin in Mülheim lässt Kontrolleur vor der Tür stehen – weil er seinen 3G-Nachweis nicht vorzeigen will

Friseurin Birgit Kram betreibt in Mülheim an der Ruhr zwei eigene Salons. Seit Beginn der Pandemie sind diese von Vertretern des Ordnungsamtes immer wieder auf die geltenden Corona-Vorschriften hin kontrolliert worden. „Ohne Beanstandungen“, beteuert Kram gegenüber der WAZ. Doch am 18. Januar 2022 kam es bei einem erneuten Besuch des Ordnungsamts schließlich zu einem unangenehmen Zwischenfall – der vom Kontrolleur selbst ausgelöst wurde. Corona-Kontrollen werden inzwischen vermehrt auch in öffentlichen Verkehrsmitteln wie dem HVV durchgeführt. Doch bei 200.000 Kontrollen kamen nur 16 Strafen zustande – wird da geschlampt?

Ein Mitarbeiter des Mülheimer Ordnungsamtes stand wohl unangekündigt im Türrahmen von einem der beiden Friseursalons und wollte die 3G-Nachweise aller Besucher sehen. Doch weigerte er sich, seine eigene Bescheinigung rauszurücken: „Bevor ich dem Herrn den Zutritt zu meinen Geschäftsräumen gewährte, bat ich ihn zum einen, sich auszuweisen, was er auch ohne zu zögern tat, und zum anderen bat ich ihn, mir seinen Impfstatus nachzuweisen, wozu ich im Rahmen der Corona-Regeln verpflichtet bin“, schildert Birgit Kram gegenüber der WAZ.

Eine Friseurin schneidet einer Kundin die Haare und ein Mitarbeiter vom Ordnungsamt, der mit dem Rücken zur Kamera steht.
Eine Friseurin in Mülheim ließ einen Kontrolleur nicht in ihren Salon, da dieser seinen 3G-Nachweis nicht vorzeigen wollte. (Symbolbild/24hamburg.de-Montage) © Sven Simon/Michael Gstettenbauer/Imago

Dazu ist der Angestellte vom Ordnungsamt aber offenbar nicht bereit gewesen. Laut Kram habe der Herr erklärt, dass er geimpft sei, seinen Nachweis aber nicht vorlegen müsse. Als Ordnungsbehörde dürfte er sich Zutritt zum Geschäft verschaffen, notfalls sogar mit polizeilicher Unterstützung.

3G-Zwischenfall bei Friseurin in Mülheim: „Mehr als unverständlich, dass eine Ordnungsbehörde derart agiert“

Die Polizei musste im Endeffekt nicht eingeschaltet werden, aber Birgit Kram ließ sich nicht erweichen. „Ich habe ihn nicht reingelassen“, bestätigt die Salonbesitzerin der WAZ. Um die Situation zu deeskalieren, sei ein Besucher des Geschäfts schließlich an die Tür gekommen, um seinen Impfnachweis vorzuzeigen. Genau das hätte sich Kram auch von dem sturen Kontrolleur gewünscht. In der nordrhein-westfälischen Stadt Haan ist es bereits zu einem ähnlichen Vorfall gekommen: Dort hat der Wirt eines Lokals das Ordnungsamt rausgeschmissen, da die Kontrolleure keinen Impfpass* hatten.

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„Für mich ist es in der aktuellen Situation mehr als unverständlich, dass eine Ordnungsbehörde derart agiert. Ich hätte den Herrn gerne in der Vorbildfunktion gesehen und erwartet, dass er sich unaufgefordert ausweist, mit Dienstausweis und Impfnachweis, auch wenn er dazu nicht verpflichtet ist“, erklärt die Friseurin gegenüber der WAZ. Vorgeschrieben sei das tatsächlich nicht, bestätigt das Mülheimer Ordnungsamt: „Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, den Impfausweis während einer behördlichen Maßnahme vorzuweisen“, heißt es auf Anfrage von der WAZ.

3G-Regel beim Friseur – gilt nicht nur für Besucher, sondern auch für den Kontrolleur

Alle Beschäftigten müssen nämlich während der Dienstzeit und auch bei Kontrollen ohnehin die 3G-Regel befolgen, da diese inzwischen überall am Arbeitsplatz* gelte. Trotzdem habe man den geschilderten Fall zum Anlass genommen, „die Mitarbeitenden zu sensibilisieren, damit sie in Zukunft ihrer Vorbildfunktion gerecht werden“, beteuert das Mülheimer Ordnungsamt.

Frau Kram betonte noch einmal, dass es ihr gar nicht darum ginge, den einzelnen Mitarbeiter anzuprangern, es müsse aber ein gleiches Recht für alle geben. Gegenüber der WAZ begründet sie ihre Vorsicht mit den Worten: „Ich nehme die Regeln sehr ernst. Es hätte ja auch ein Test sein können, ob ich Leute ohne Impfnachweise in den Salon lasse.“ Den Test hätte die Friseurmeisterin auf jeden Fall mit Bravour bestanden!

Friseurin in Mülheim erntet für ihre 3G-Aktion begeisterte Kommentare: „Das hat sie total richtig gemacht!“

Auf Facebook wird die pflichtbewusste Friseurin für ihre Aktion mit Lob überschüttet. Die meisten hätten wohl genauso gehandelt. „Das hat sie total richtig gemacht! Corona Regeln sind für alle gleich! Hut ab!!!“, schreibt eine Person auf dem sozialen Netzwerk. Eine weitere ist ebenfalls der Meinung: „Sehr gut! Sollte jeder so machen, der kontrolliert wird.“ Begeisterte Kommentare wie „Jeder sollte so handeln. Top“, „Ja richtig so! Entweder alle oder keiner!“, „ganz vorbildlich“ und „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Sie hat alles richtig gemacht. Einfach toll“ reihen sich unter dem Post aneinander.

Eine Userin teilt auch ihr eigenes Leid auf Facebook und beglückwünscht Friseurin Birgit Kram zu ihrer Aktion: „Alles richtig gemacht. So soll es sein. Sind die was Besseres wie wir? Wir mussten bei uns im Salon 128 Euro Strafe zahlen, weil wir angeblich zu dicht am Kunden dran waren.“ Eine weitere Kommentierende reagiert mit einem lachenden Smiley und den Worten: „Die Rache des kleinen ‚Mannes‘ – einfach wunderschön“. Die Facebook-Community hat Birgit Kram also mit Sicherheit auf ihrer Seite. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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