1. 24hamburg
  2. Stories

Personalnot: Hotel lässt Gäste selber kochen und putzen – für 300 Euro

Erstellt:

Von: Bjarne Kommnick

Kommentare

Ein Hotel in Osthessen leidet wie viele andere in der Branche unter Personalmangel. Nun gehen die Betreiber einen neuen Weg: die Gäste müssen mit anpacken.

Seiferts – Das „Krenzers Rhön“ im osthessischen Ehrenberg-Seiferts leidet unter der Personalnot. Doch anders als ein Kölner Wirt, der der jungen Generation die Schuld an dem Engpass gibt, hat das Lokal eine sehr ungewöhnliche Lösung gefunden: Die Gäste müssen dort mit anpacken. Statt Relaxurlaub, bietet das Hotel nun sogenannte „Genuss-und-Arbeitswochenenden“ an, an denen Besucherinnen und Besucher sich selbst bewirtschaften. Kochen, Putzen und alles, was dazugehört, steht dabei auf dem Programm. Der „aktive“ Wochenendspaß kostet bis zu 300 Euro pro Person.

Ort:Seiferts
Bevölkerung:591
Fläche:5,86 km²
Landkreis:Fulda

Kein Personal: Hotel lässt Gäste kochen und putzen – für 300 Euro

Die Idee entstand laut Inhaber Jürgen Krenzer aus einer Not heraus, wie „hessenschau.de“ berichtet. Denn wie viele andere aus seiner Branche fehlt es dem Hotelbetreiber an Personal. Erstmals sei der Gastronom darauf gekommen, weil er seinem Koch Freizeit am Wochenende ermöglichen wollte. Weil er jedoch keinen zweiten Koch habe, ergab sich ein Bewirtungsproblem. Es kam die Idee auf, dass die Gäste am Wochenende ja auch selber mit anpacken könnten.

Ein junger Mann mit Schürze putzt eine Großküche
Die Gäste des „Krenzers Rhön“ zahlen bis zu 300 Euro, um selbst zu kochen und zu putzen. (Symbolbild) © imago

Hotel kämpft mit Personalmangel – und setzt auf Gästebeteiligung

Also entschloss sich Krenzer dazu, ein Urlaubsangebot für seine Gäste auszuschreiben, das genau diesen Umstand berücksichtigt. Kein Koch am Wochenende, auch anderer Stelle fehlt der gewohnte Service. Doch tatsächlich meldeten sich direkt fünfzehn Interessierte, die sich darauf einlassen wollten – Wanderungen, Bio-Produkte aus der Region und Küchenparty inklusive. Nicht die erste Gastro mit ungewöhnlichem Ansatz: So lässt ein deutsches Hotel keine Kinder mehr unter 16 Jahren rein. Ähnlich wie die strengste Kneipe der Welt, die schließt, wenn Beleidigungen fallen oder Kinder zu Gast sind.

„Haben freiwillig aufgeräumt“: Hotel lässt Gäste mit anpacken

So streng geht es im „Krenzers Rhön“ aber nicht zu. Der Inhaber beschreibt: „Wir haben dann abends zum Beispiel Blutwurst gebraten und Lammhaxen frittiert, das war schon anspruchsvoll“. Auch das Saubermachen nach dem Essen hätte funktioniert: „Die Gäste haben wirklich freiwillig mit aufgeräumt“. Sogar den Küchenboden hätten die Gäste geschrubbt.

Was für viele Urlauberinnen und Urlauber befremdlich klingen dürfte, also Arbeiten in der wohlverdienten Freizeit, bezeichnet Krenzer als „magische Momente“, die ihm auch dabei helfen würden, die Personalnot zu überbrücken, während andere Gastronomen bereits auf Roboter-Kellner setzen. Ein Gast erklärte nach dem Wochenende: „Das war der perfekte Ausgleich zum stressigen Alltag“. Eine Besucherin erklärt, dass es sich für sie wie ein „Wochenende mit Freunden“ angefühlt hätte.

Hotelbetreiber setzt auch auf offensive Personalmangel-Bekämpfung

Es sei nicht der einzige Weg, mit dem Krenzer das Problem des Personalmangels bekämpfen will. Er sei auch bereits deutlich offensivere Wege gegangen: „Ich habe sogar schon versucht, im Supermarkt eine Verkäuferin abzuwerben“, so der 57-Jährige. Dafür habe er ihr einfach eine Bewerbungsmappe übergeben, in der ihr der mögliche Arbeitsplatz beschrieben wurde. Teilweise habe Krenzer mit solchen Aktionen bereits Erfolg gehabt. Nicht alle sind so offen für neues Personal, ein Landwirt aus Österreich lässt trotz Personalnot keine Veganer mehr auf seinen Hof.

Auch interessant

Kommentare