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Frankfurter Klinik äschert versehentlich Muslim ein: „Nicht akzeptabel“

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Von: Christian Einfeldt

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In einem Frankfurter Krankenhaus wird ein Muslim nach seinem Tod eingeäschert. Das marokkanische Generalkonsulat spricht von einem „eklatanten Regelverstoß“.

Frankfurt – Im Frankfurter St. Katharinen Krankenhaus findet ein Konflikt seinen Ursprung, der unlängst auf politischer wie diplomatischer Ebene geführt wird. Die Geschichte nahm am 20. Dezember 2021 ihren Lauf: Ein schwerwiegend erkrankter Mann trifft in der besagten Klinik ein. Nur einen Tag später ist er tot. Das Krankenhaus veranlasst eine Einäscherung – doch der Verstorbene war ein Muslim. Das Verbrennen eines Leichnams ist im Islam streng verboten. Nun gibt es harsche Kritik gleichermaßen vom marokkanischen Generalkonsulat sowie im hessischen Landtag.

Muslim wird eingeäschert: Krankenhaus entschuldigt sich in Pressemitteilung

Die Todesursache des 45-jährigen Mannes ist genauso nebulös wie die Geschehnisse nach seinem Tod. Ein Mann islamischen Glaubens wurde eingeäschert. Die Leitung des St. Katharinen Krankenhauses in Frankfurt spricht hinterher von einem Versehen und gibt in einer Pressemitteilung vom 21. Januar an, keinerlei Hinweise auf eine islamische Religionszugehörigkeit erhalten zu haben. Über das Ordnungsamt wollte man seine Kontaktadresse aufspüren. Auch Informationen zu Angehörigen wollten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krankenhauses auf diesem Weg ermitteln. Das Vorhaben scheiterte jedoch.

Die St. Katharinen Klinik habe also über keinerlei Angaben zu dem 45-jährigen Mann verfügt. Unterdessen rückte allerdings der Zeitpunkt einer vorgeschriebenen Bestattung immer näher. Das Frankfurter Krankenhaus gibt an, eine solche haben rechtens innerhalb von 96 Stunden nach dem Tod zu erfolgen . Nur wenige Tage nach seinem Tod war es so weit. Am 28. Dezember 2021 wurde der Verstorbene eingeäschert.

Ein Sarg im Krematorium und das Symbol des Islams
Das marokkanische Generalkonsulat spricht nach Einäscherung eines Muslims von einem „eklatanten Regelverstoß“. (24hamburg.de-Montage) © Sebastian Kahnert/dpa/wikimedia

Muslims im Krankenhaus eingeäschert: Schwester fassungslos – „Er hätte das niemals so gewollt – so etwas darf nicht passieren“

Die Geschichte hinterlässt mehr als nur einen faden Beigeschmack. Nach Informationen der Tagesschau hätten die Angehörigen des verstorbenen Mannes erst Tage später von dem Verstoß gegen den islamischen Glauben erfahren. Gegenüber dem SWR berichtet Schwester Zakia Kaichouh, dass sie die Geschichte rund um ihren Bruder sogar nur zufällig erfahren habe. Kaichouh zeigt sich betroffen. „Ich bin sprachlos. Man darf einen Muslim nicht verbrennen. Mein Bruder war immer mit meinem Vater in der Moschee. Er hätte das niemals so gewollt. So etwas darf nicht passieren“.

Marokkos Generalkonsulat sieht in Einäscherung des gläubigen Muslims „eklatanten Regelverstoß“

Auch beim Generalkonsulat Marokkos stößt der Vorfall auf Unverständnis. In Diplomatenkreisen ist die Rede von einem „eklatanten Regelverstoß“. Man verfolge nun das Ziel, die „Würde aller marokkanischen Bürger zu gewährleisten“ und nimmt infolgedessen insbesondere die deutschen Behörden in die Pflicht.

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SPD-Sprecher mit scharfer Kritik zur Einäscherung eines Muslims durch Klinik: „Das ist nicht akzeptabel“

Eine Stellungnahme zu dem Fall gab es zudem bereits seitens der SPD. Der integrationspolitische Parteisprecher des hessischen Landtags, Turgut Yüksel, schloss sich am Freitag, dem 21. Januar 2022, den deutlichen Worten an: „Es ist nicht akzeptabel, ohne Nachfrage, Nachforschung und Erlaubnis der Familienangehörigen die Einäscherung eines Toten anzuordnen“. Der islamische Glauben beinhaltet unter anderem die Kernaussage, dass am „jüngsten Tag“ die Seelen der Gläubigen wieder ihren Körper empfangen, ehe sie zu Gott gerufen werden. Bei einem verbrannten Körper sei dies nicht möglich. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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