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Wintermodus an Fenstern: Experte warnt vor Energiespartipp aus dem Netz

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Von: Bjarne Kommnick

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Im Netz kursiert ein Energiespartipp für die kalte Jahreszeit, der besagt, Fenster hätten einen Wintermodus. Doch ein Experte warnt nun davor.

Hannover – Spätestens im Herbst 2022 startet die Heizsaison. In diesem Winter wird Heizen für viele zu einer echten finanziellen Herausforderung – die steigenden Preise in der Energiekrise lassen grüßen. Seit neustem gelten in Deutschland konkrete Regeln zum Energiesparen. Die Energiepreise kursieren weiterhin auf einem äußerst hohen Niveau. Wer da auf der Suche nach Wegen ist, um ernsthaft Heizkosten zu sparen, trifft im Netz auf viele Tipps.

Einer davon scheint äußerst beliebt zu sein und besagt, dass man Kunststofffenster in einen sogenannten „Wintermodus“ versetzen könnte, um Energie zu sparen. Doch ein Experte warnt nun davor.

StadtHannover
Fläche204 km²
Bevölkerung532.163
BürgermeisterBelit Onay

Fenster in den Wintermodus setzen: Bauexperte warnt vor dubiosen Energiespartrick

Der „Tipp“ ist schnell erklärt. Alles, was es braucht, sei ein passender Inbusschlüssel. In der Innenseite des Fensters gibt es einen kleinen Zapfen, der den Anpressdruck des Fensters regulieren kann. Wenn man daran dreht, soll sich das Fenster angeblich besser abdichten lassen. Im Netz wird das häufig als der Wintermodus betitelt. Doch Ulrich Opitz, seines Zeichens Handwerksmeister und Sachverständiger für Bauschäden, erklärt gegenüber myhomebook.de, dass diese Maßnahme sogar das Gegenteil hervorrufen würde.

Zwei Hände halten Inbusschlüssel neben einem Fenster
Wer den Anpressdruck seines Fensters erhöht, riskiert Schäden an den Dichtungen. © imago

„Wenn der Privatkunde selbst daran rumdreht, kann er mehr Schaden anrichten, als er Gutes tut“, so Opitz. „Eigentlich ist das dafür gedacht, schwächer werdende Dichtungen über die Zeit zu bringen“, erklärt der Bauexperte. Zwar könne der Verbraucher mithilfe eines erhöhten Anpressdrucks tatsächlich etwas mehr eindämmen. Jedoch sei der Anteil minimal. Stattdessen würden die Fenster deutlich schneller sanierungsbedürftig werden.

Wintermodus zum Energiesparen: Wer den Anpressdruck bei Fenstern erhöht, riskiert Schäden

Wer also – wie beim Fenstertrick mit dem Wintermodus zum Energiesparen vorgesehen – am Regler für den Anpressdruck des Fensters dreht, der riskiert Schäden: „Dann kann es passieren, dass die Dichtungen über den Winter Schaden nehmen“, so Opitz gegenüber myhomebook.de . Zudem rät der Experte von zusätzlichen oder nachträglichen eingeklebten Dichtungen ab, da dies ebenfalls für die Fenster schädlich sei. „Ich belaste zusätzlich meine Bauteile am Fenster. Wenn dann Schäden zum Beispiel an den Bändern entstehen, ist es mein eigenes Verschulden, die Industrie verkauft das gerne.“

Dann kann es passieren, dass die Dichtungen über den Winter Schaden nehmen.

Ulrich Opitz, Handwerksmeister und Sachverständiger für Bauschäden, zum Wintermodus bei Fenstern

Zudem liege das Problem an anderer Stelle: „Wir haben ein Problem mit zu dichten Fenstern. Kondensat in der Raumluft führt zu Schäden, zum Beispiel Schimmel an den Wänden, wenn man nicht richtig lüftet.“ Kontinuierlicher Luftwechsel sei wichtig, damit das verhindert werden könne. Laut der neuen Energieeinspar-Verordnung müssen neue Fenster ohnehin ganz jährlich luftdicht sein. Auch wer aus finanziellen Gründen ganz auf das Heizen verzichten will, spare weder Geld noch Energie.

Wintermodus zum Energiesparen: Experte rät, Fenster-Einstellungen nur von Fachleuten durchführen lassen

Der Tipp von „Fenster-Experte“ Opitz: „Einstellungen am Fenster sind nur vom Fachmann durchzuführen.“ Zudem warnt er vor Fehleinschätzungen von Privatpersonen und berichtet von wiederkehrenden Fällen, bei denen Kunden denken würden, ihr Fenster sei undicht. Doch der Grund dafür sei häufig kein Defekt, sondern einfache Physik: Bei einer Differenz von mehr als drei Grad zwischen Fenster und Innenraum entstehe eine Konvention. „Die kalte Luft ist schwerer und fällt vor dem Fenster herunter, es fühlt sich dann an, als ob es zieht, weil das Fenster kälter ist“, erklärt Opitz.

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