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Au revoir, vegetarische Wurst: In Frankreich darf nur Wurst auch Wurst heißen

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Von: Kevin Goonewardena

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Neues Gesetz: Vegetarische Wurstalternativen dürfen in Frankreich nicht mehr als Würste bezeichnet werden
Neues Gesetz: Vegetarische Wurstalternativen dürfen in Frankreich nicht mehr als Würste bezeichnet werden © imago

Klarheit durch Klarnamen: Vegane Wurst darf in Frankreich bald nicht mehr Wurst heißen. Damit gibt die Politik dem Druck der Fleischindustrie nach.

Paris/Hamburg – Dieses Urteil dürfte so manchem Veganer nicht schmecken: In Frankreich dürfen pflanzliche Alternativen bald nicht mehr Fleisch- oder Wurst im Namen tragen. Dafür sorgt ein neues Dekret der französischen Regierung. Ab Oktober müssen sich vegetarische und vegane Alternativen deutlich von den Fleisch- und Fisch-Produkten unterscheiden, die sie nachahmen.

Eine solche Bestimmung hätte auch hierzulande erhebliche Auswirkungen, etwa auf den Fleisch- und Wursthersteller Rügenwalder Mühle. Das Traditionsunternehmen erwirtschaftet mittlerweile den größten Teil seines Umsatzes mit Veggie-Wurst, Soja-Schnitzel & Co – 242 Millionen Euro setzte das Unternehmen alleine 2019 mit damals unter anderem 23 Veggie-Produkten um. In Frankreich sollen Verbraucher bald schon aufgrund es Namens erkennen können, was sie im Supermarkt-Regal vor sich haben. Dass sich wegen der Umbenennung nun allerdings Veganer dem Fleisch zuwenden, wie es kürzlich eine Frau in den USA tat, darf dennoch bezweifelt werden.

Frankreich: Vegetarische Wurst darf per Gesetz nicht mehr Wurst heißen – Klarheit beim Namen in Frankreich

Doch nicht immer ist in Lebensmitteln auch drin, was draufsteht. Das betrifft nicht nur vermeintlich vegane Produkte wie die Avocado, die gar nicht vegan ist. Auch jenseits der tierfreien Küche, die bei den Spitzenköchen des weltbekannten Berliner Luxushotels Adlon gar nicht gut ankommt, täuscht die Verpackung des Öfteren. Beziehungsweise der Name. Wie kürzlich etwa erst bei der Geflügelsalami zu sehen war, bei der herauskam, dass sie Schweinefleisch enthält. Das sei Betrug – ein Vorwurf, den man den Fleischersatzprodukten in Frankreich bald nicht mehr machen können wird. Das berichtet unter anderem Spiegel Online.

„Schritt zugunsten der Informationstransparenz für die Verbraucher sowie des Erhalts unserer Produkte und unseres Know-hows“.

Jean-François Guilhard, Vorsitzer des Verbandes französischer Viehzüchter und Fleischverarbeiter

Fleisch und Gemüse: Keine Verwechslungsgefahr mehr in Frankreich

In der am Donnerstag veröffentlichten Verordnung heißt es dazu „Die Verwendung von Begriffen, die traditionell mit Fleisch und Fisch in Verbindung gebracht werden, zur Bezeichnung von Erzeugnissen, die nicht zum Tierreich gehören, wird nicht mehr möglich sein.“ Am 01. Oktober 2022 soll die Verordnung in Kraft treten, so ist es geplant. Sie ist das Ergebnis jahrelanger Lobbyarbeit der fleischverarbeitenden Industrie, die seit langem auf eine solche Regelung gedrängt hatte. Das berichtet t-online.de.

In Frankreich bleibt Wurst, Wurst – aber was ist mit diesen Grenzfällen?

Ab Anfang Oktober 2022 wird es in Frankreich nun also keine Veggie-Wurst, kein Tofu-Schnitzel, keine Gemüse-Frikadelle und auch keinen veganen Lachs mehr geben. Nicht bekannt ist, ob solche Bezeichnungen noch beispielsweise in Rezepten Verwendung finden dürfen. Und worunter fallen die „Plant-Based Nuggets“, die es etwa bei Burger King gibt?

Einerseits besagt schon der Name, dass es sich um eine pflanzliche Variante des beliebten Fast Food-Snacks handelt. Anderseits dürften die allermeisten Leute den Begriff „Nuggets“ sofort mit der Geflügelvariante assoziieren. Was bekannt ist. An der Form der veganen Speisen ändert sich nichts: Die Veggie-Wurst darf zwar nicht mehr Wurst heißen, jedoch weiterhin wie eine aussehen.

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