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Oligarch im Pech: Yacht schon futsch – jetzt soll er aus Villa fliegen

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Von: Yannick Hanke

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Dem russischen Oligarchen und Putin-Freund Alisher Usmanov könnte die Enteignung seiner Villen in Deutschland drohen. Seine Yacht ist schon beschlagnahmt.

Rottach-Egern/Hamburg – Der Tegernsee gilt als Residenz der Reichen und Schönen. Der ehemalige Bayern-München-Manager Uli Hoeneß wohnt hier, Torwart Manuel Neuer lässt es sich hier genauso gut gehen wie Schauspieler Fritz Wepper. Seine vielen Promis haben dem in Oberbayern gelegenen Gewässer den Spitznamen „Lago di Bonzo“ eingebracht. Selbst für Oligarchen ist hier Platz – noch. Denn Alisher Usmanov, dem Putin-Freund, dessen Luxus-Autos von Oligarchen-Fahndern aufgespürt wurden, soll nun aufgrund seiner Nähe zu Russlands Präsidenten enteignet werden. Für die drei Villen von Usmanov gibt es schon konkrete Pläne.

Russen-Oligarch Alisher Usmanov: Yacht beschlagnahmt, Villen enteignet werden

Seit dem 24. Februar 2022, dem russischen Angriffskrieg auf das Nachbarland, tobt der Ukraine-Konflikt. Schnell wurde vonseiten der Politik mit harten Sanktionen reagiert, um Russland auf wirtschaftlicher und finanzieller Ebene empfindlich zu treffen. Doch auch Einzelpersonen geht es an den Kragen, darunter vor allem Oligarchen, die eine Freundschaft oder zumindest eine Verbindung zu Wladimir Putin aufweisen. Einer von ihnen: Alisher Usmanov, dessen Vermögen vom Wirtschaftsmagazin „Forbes“ auf rund 15 Milliarden US-Dollar geschätzt wird.

Der russische Oligarch Alisher Usmanov verschränkt die Arme und schaut grimmig zur linken Seite. Im Hintergrund ist der Tegernsee zu sehen.
Am Tegernsee in Bayern lässt es sich leben – doch für den russischen Oligarchen Alisher Usmanov wohl nicht mehr lange. Seine drei Luxus-Villen sollen enteignet werden. (24hamburg.de-Montage) © Yuri Kochetkov/Sven Hoppe/dpa

Russischer Milliardär Usmanov im Pech: Yacht schon futsch – jetzt soll er aus Villen fliegen

Anders als Oleg Tinkow, dem russischen Oligarch, der mit Putin abrechnet: „Scheißland, Scheißarmee!“ und Dmitri Rybolowlew, dem Oligarch, der erhebliche Summen für ukrainische Kriegsopfer spendete, könnte Usmanov seine Nähe zu Russlands Präsidenten nun zum Verhängnis werden. Am bayerischen Tegernsee herrscht nämlich große Aufregung um die drei Luxusvillen, über die der Milliardär dort verfügt. Olaf von Löwis (CSU), Landrat der Kreisstadt Miesbach, hatte bereits gefordert, die Enteignung der Villen zu überprüfen. Jetzt legt Christian Köck (CSU), Bürgermeister der ebenfalls in Oberbayern gelegenen Gemeinde Rottach-Egern, nach.

Villa von Oligarch und Putin-Freund Alisher Usmanov soll Unterkunft für Ukraine-Flüchtlinge werden

„Ich musste mich erst umfänglich informieren. Jetzt fordere ich, dass die Bundesregierung schnellstmöglich ein Gesetz zur Enteignung schafft und unserer Gemeinde die Villen zuschlägt“, wird Köck von der „Bild“ zitiert. Einen Plan, was mit den Villen von Oligarch Alisher Usmanov geschehen soll, hat Köck auch schon. Der Bürgermeister von Rottach-Egern möchte die Villen nämlich Geflüchteten aus der Ukraine, denen auch in Hamburg private Unterkünfte angeboten werden, zur Verfügung stellen.

Es wäre eine Genugtuung, diejenigen in die Villen zu lassen, die vom Angriffskrieg der Russen schwer getroffen sind.

Christian Köck (CSU), Bürgermeister von Rottach-Egern, gegenüber der „Bild“-Zeitung

Täglich würde die Zahl der Geflüchteten aus der Ukraine steigen, die in seiner Gemeinde ankommen. Und mit deren Unterbringung in den Villen von Usmanov sei vielen geholfen. Der Oligarch und Putin-Freund hatte sich die Villen zwischen 2011 und 2016 für insgesamt 21,5 Millionen Euro gekauft. Usmanov, dessen Luxus-Autos den Fahndern am Ende durch die Lappen gingen, soll aber nur eine der Villen selbst benutzen, die anderen beiden Häuser sind laut „Focus Online“ für Gäste und Personal gedacht.

Proteste gegen Russen-Oligarch Alisher Usmanov am Tegernsee wegen Nähe zu Wladimir Putin

Noch Ende März 2022 hätten in den Gärten und den Innenräumen von Usmanovs Villen Bauarbeiten stattgefunden. Das wurde von Köck aufs Schärfste verurteilt: „Wer ein Gewissen hat, sollte für so einen Usmanov nicht weiter arbeiten“. Das Pikante daran: die Bauarbeiten wurden ausgerechnet von einem Mitglied des Gemeinderats geleitet. Gegenüber „Bild“ hieß es aber, dass die angesprochenen Bauarbeiten „nur eingeschränkt“ weiterlaufen würden.

Auf die Gemeinde wirft das dennoch kein gutes Licht. Schon kurz nach Beginn des Ukraine-Krieges hatten darum mehr als 300 Menschen vor Usmanovs Villa in Rottach-Egern gegen den Oligarchen protestiert. Ihren Unmut ließen sie dabei freien Lauf. Die bekannte Freundschaft des Russen zu Wladimir Putin, der Usmanov 2018 mit dem „Verdienstorden für das Vaterland“ ehrte, stand dabei im Mittelpunkt.

Keine Baufirma will noch für Russen-Oligarch Alisher Usmanov arbeiten: Luxus-Villa am Tegernsee bleibt unfertig

Doch was ist seitdem geschehen? Nur vier Tage nach Beginn des Ukraine-Kriegs war Usmanov, dessen Luxus-Yacht „Dilbar“ im Hamburger Hafen festgesetzt wurde, mitsamt seiner Entourage mit seinem eigenen Airbus von München nach Taschkent, der Hauptstadt von Usbekistan, geflogen. Zurücklassen musste der Oligarch seine noch unfertige Villa in Rottach-Egern. Erst hätten die Baufirmen noch an dem Großprojekt weiter gewerkelt, dann aber schien der Geldfluss Usmanovs versiegt zu sein – wie der seines „Leidensgenossen“ Oligarch Michail Fridmann, der über Sanktionen jammert: „Kann nicht mehr essen gehen“.

Die Konsequenz: Keine Firma wollte mehr auf der Baustelle von Usmanov arbeiten. Schließlich gab es keine Gewissheit mehr, bezahlt zu werden. Ob die Villa des Oligarchen jemals fertiggestellt wird, ist mehr als fraglich. Schließlich will der Deutsche Bundestag noch vor seiner Sommerpause ein „Sanktionsdurchsetzungsgesetz“ verabschieden. Die Ampel-Koalition will auf diesem Wege die Kompetenzen der zuständigen Behörden erweitern.

Deutscher Bundestag will mit Gesetz besser und härter gegen Enteignung von Oligarchen vorgehen

Tritt dieses Gesetz tatsächlich in Kraft, sollen die Behörden mit Sofortmaßnahmen Vermögensgegenstände sicherstellen können. Und zwar so lange, bis die Eigentumsverhältnisse geklärt sind. Dies könnte sich natürlich auch auf die Villen von Oligarch Alisher Usmanov auswirken, dessen Vermögen durch die Sanktionen der Europäischen Union (EU), der USA und von Großbritannien bereits eingefroren wurde.

Einen Einzelfall stellt Usmanov aber nicht dar. Mehrere Oligarchen aus Russland sahen sich bereits mit Sanktionen konfrontiert, die ihren finanziellen Spielraum stark einschränkten. Dazu zählt auch der Oligarch Roman Abramowitsch, der sich 2003 einen Namen durch den Kauf des englischen Fußballvereins FC Chelsea machte. Auch Abramowitsch wurde ein großer Teil seines Vermögens eingefroren, er muss seine reichen Freunde anbetteln. Die Luft wird nicht nur für Usmanov, sondern für alle Putin-Freunde immer dünner.

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