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Erst 2022 rechtskräftig: Eltern dürfen Kinder nicht mehr schlagen

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Von: Bona Hyun

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2022 tritt in Wales ein neues Gesetz in Kraft: Eltern dürfen Kinder nicht mehr mit Schlägen bestrafen – das längst überfällige Verbot gilt erst jetzt.

Wales – Im Jahr 2022 ist es Eltern verboten, ihre Kinder körperlich zu bestrafen. Das schon längst überfällige Gesetz trat erst kürzlich, am 20. März 2022, in Kraft. Nun gibt es erstmals eine gesetzliche Vorschrift in Wales, die Eltern verbietet, ihre Kinder künftig durch Schläge oder sonstige Anwendung von körperlicher Gewalt zu bestrafen. Fraglich ist dabei, warum es in Wales überhaupt so lange zugelassen war, Kinder körperlich zu bestrafen – denn dass Eltern für die Disziplinierung ihrer Kinder zu gewaltlosen Maßnahmen greifen, sollte genauso selbstverständlich sein, wie dass Kinder zu ihren Eltern Mama und Papa sagen dürfen, was aus Rücksicht verboten werden soll.

Land im Südwesten von Großbritannien:Wales
Hauptstadt:Cardiff
Fläche:20.779 Quadratkilometer
Bevölkerung:3,136 Millionen (2019)

Verbot in Wales 2022 endlich rechtskräftig: Eltern dürfen ihre Kinder nicht mehr schlagen

Dass Eltern ihre Kinder nicht durch Schläge bestrafen sollten, entspricht der üblichen Norm. Doch in der Vergangenheit erlaubten sich Mütter und Väter häufiger sehr absurde Bestrafungsmethoden für ihre Kinder – eine Mutter baute ein Mini-Gefängnis, weil ihr Kind das Zimmer nicht aufräumte. Es gibt auch richtige Rabeneltern, bei denen die Erziehung grundsätzlich infrage gestellt werden sollte: Eine Mutter fütterte ihr Kind mit rohem Steak und erntete einen Shitstorm für die sehr mangelhafte Ernährung – während eine andere Frau sich aufgrund der Ernährung ihres Kindes vor Gericht verantworten musste: Das Gericht ordnete der Mutter Fleisch an, weil sie ihr Kind vegan ernährte.

Ein Junge kauert mit einem Stofftier am Boden und der Schatten einer Hand, die zum Schlag ausholt.
Längst überfällig – und gilt trotzdem erst seit 2022: Eltern ist es in Wales verboten, ihre Kinder zu schlagen. (Symbolbild) © Adalberto Rodriguez/imago

Einigen Eltern in Wales war es bis vor Kurzem noch bedingt erlaubt, ihre Kinder körperlich zu bestrafen. Diverse Medien wie „The Sun“, „Die Rheinpfalz“ und „n-tv“ berichteten, dass es für Eltern und auch Besucher in Wales aber künftig rechtswidrig sei, ihre Kinder zu schlagen. Bei Verstößen drohen laut „n-tv“ Festnahmen, Verurteilungen und Eintragungen ins Strafregister. „Wir erlauben auch nicht die körperliche Bestrafung gegenüber Eltern oder Tieren, also ist es absurd, dass es gegenüber Kindern so lange erlaubt war“, zitierte „Guardian“ die Sprecherin Julie Morgan aus Wales, sie fungiert als Vize-Ministerin für Social Services.

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Gewaltverbot in Wales durchgesetzt: „Historischer Moment für Kinder“

Schläge und ähnliche Gewalt waren in Wales bisher zulässig, solange sie eine „angemessene Strafe“ darstellten. Ob die körperliche Strafe für Kinder dann auch wirklich angemessen war, war bei Einzelfällen immer von verschiedenen Faktoren abhängig. Dazu zählten beispielsweise das Alter des Kindes und das Mittel, mit dem Gewalt ausgeübt wurde. Julie Morgan sprach von einem „historischen Moment für die Kinder und ihre Rechte in Wales“. „Keine Grauzonen mehr. Das ist alles Teil der Vergangenheit. Es gibt keinen Platz mehr für körperliche Gewalt in Wales“, zitierte „The Sun“ den Minister Mark Drakeford, Regierungschef von Wales.

In Deutschland ist die körperliche Züchtigung von Kindern bereits seit dem Jahr 2000 verboten – in England hingegen ist diese Art der Bestrafung sogar noch heute erlaubt.

Neues Gesetz verbietet Eltern in Wales, Kinder zu schlagen – das sorgt für Kritik

Obwohl ein gesetzliches Verbot für die körperliche Bestrafung gegenüber Kindern in Wales längst überfällig war, erhoben nun Kritiker ihre Stimmen: Dem „Guardian“ zufolge würden Vertreter der Welsh Conservative Partei befürchten, dass das Gewaltverbot Eltern kriminalisieren könnte. Familien könnten sich wie in einer „Stasi Kultur“ gegenseitig zu sehr kontrollieren und die Privatsphären anderer nicht berücksichtigen – um auf die Einhaltung des neuen Gesetzes zu achten. Somit könnten sich Eltern in dem Zusammenhang fälschlich beschuldigen, die Regel missachtet zu haben.

Diese Befürchtung wies Morgan ab: „Wir wollen nicht, dass Leute sich ausspionieren. [...] Als Gemeinschaft tragen wir aber alle gemeinsam die Verantwortung, für das Wohl der Kinder zu sorgen.“ Das Kind steht schließlich bei Familien und Eltern immer an erste Stelle – anderer Meinung war wohl die Mutter, die für Hunde zurückblieb und ihre Kinder wegschickte. Dafür bekam sie einen heftigen Shitstorm. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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