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„Eltern sind schuld“: Ostsee-Restaurant lässt keine Kinder mehr rein

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Von: Bona Hyun

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Das Restaurant „Schipperhus“ in Dierhagen erteilt Kindern unter zwölf Jahren Hausverbot. Die Eltern hätten sie nicht im Griff. Im Internet hagelt es Hass.

Dierhagen – Kinder im Restaurant zu bewirten und speisen zu lassen, sollte selbstverständlich sein. Denn dass die Kleinen natürlich mit ins Restaurant kommen, wenn die Familie auswärts essen geht, war kaum umstritten – bis vor kurzem: In Dierhagen hat jetzt ein Restaurant eine neue Hausordnung publik gemacht: kein Zutritt für Kinder unter zwölf Jahren. Die Restaurantbetreiber weigern sich, unter zwölfjährige Gäste zu bewirten aufgrund unschöner Ereignisse. Schuld seien allerdings nicht die Kinder – sondern ihre Eltern und deren Erziehung. Im Internet haben viele Kunden ihre Meinung geteilt und die Restaurantbetreiber harsch konfrontiert.

Gemeinde nordwestlich von Ribnitz-Damgarten:Dierhagen
Höhe:3 Meter
Fläche:27,47 Quadratkilometer

Restaurant „Schipperhus“ in Dierhagen lässt keine Kinder unter zwölf mehr rein

Das Restaurant „Schipperhus“ in Dierhagen legt viel Wert auf feine Speisen – und auf Ruhe bei der Bewirtung ihrer Gäste. Dafür gehen die Wirte nun so weit, dass sie neuerdings unter zwölfjährigen Kindern den Eintritt verwehren. Auf der Webseite verkündete das Betreiber-Ehepaar die hauseigene Verordnung: „Aufgrund vieler unschöner Ereignisse in der Vergangenheit haben wir uns entschlossen, keine Familie mit Kindern unter zwölf Jahren mehr zu bewirten“. Wirtin Ricarda Biebl und ihr Mann Stefan sind nicht die einzigen Gastronomiebetreiber, die keine Kinder mehr dulden möchten – auch ein Café in London lässt keine Kinder unter fünf Jahren rein. Auch im Luftraum sind Kinder offenbar nicht mehr überall gerne gesehen: Die erste Airline bietet jetzt kinderfreie Flüge an.

Ein Kind, der Innenraum eines Restaurants und ein Verbotsschild
Im Schipperhus haben Kinder unter zwölf keinen Zutritt – aufgrund „unschöner Erfahrungen“ (Symbolbild, 24hamburg.de Bildmontage) © YAY Images/Marc Schüler/Panthermedia/Imago

Aufgrund vieler unschöner Ereignisse in der Vergangenheit haben wir uns entschlossen, keine Familie mit Kindern unter zwölf Jahren mehr zu bewirten.

Hinweis von den Betreibern des Restaurants  „Schipperhus“ in Dierhagen an der Ostsee

Kinder randalierten im Restaurant – jetzt wollen Betreiber keine Gäste unter zwölf bewirten

Wirtin Ricarda Biebl hatte anfangs noch Bedenken, doch dann setzte sie das Verbot durch. Die Verantwortung sieht sie vor allem bei der Erziehung der Eltern, die sich auch gezielt anprangert. Laut „Bild“ gab es mehrmals unschöne Erlebnisse im Restaurant, weil die Eltern nicht vernünftig auf die jungen Familienmitglieder aufpassten. Frau Biebl erinnert sich an einen Vorfall, bei dem ein dreijähriges Kind im Restaurant Spuren der Verwüstung hinterließ.

Es habe die Wände mit Buntstiften angemalt und diese mit Essen beworfen. Reaktion der Eltern: „Wir wurden wüst beschimpft – wie eigentlich immer, wenn wir etwas sagen“, schildert die Wirtin deren Uneinsichtigkeit gegenüber Bild. Albert Wunsch zufolge sei solch ein Verhalten kein Wunder: Der Pädagoge zerreißt die heutige Kinder-Erziehung – „aufgeweichte Jammergestalten“ seien die Kinder heutzutage, weil sie von ihren Eltern zu sehr verwöhnt würden und alles dürften. Diese wollen dann vielleicht auch nicht einsehen, dass ihr Kind sich daneben benommen hat.

Wirtin hatte Faxen dicke: Eltern seien das Problem, weil sie Kinder im Restaurant nicht im Griff haben

Als die „Schipperhus“-Betreiber die Eltern nämlich auf ihr Kind ansprachen, wurden sie tatsächlich beschimpft. Und dann war auch Schluss für Ricarda. „Das habe ich mir lange genug angesehen.“ Ihrer Meinung nach seien die Eltern schuld am Verhalten der Kinder – und damit letztlich an ihrem Schritt. „Das große Problem sind nicht die Kinder – sondern die Eltern! Es gibt nur noch wenige, die sich wirklich um die Erziehung ihrer Kinder bemühen. Die meisten saßen hier und guckten ins Telefon, während ihre Kinder schreiend durchs Lokal rannten.“ So lauten die deutlichen Worte der Wirtin gegenüber der Bildzeitung. Psychologe Rüdiger Maas würde ihr da wohl recht geben, für ihn ist ebenfalls klar: Die Eltern sind schuld an der Generation lebensunfähig – der Forscher zerreißt Helikoptereltern. Da Ricarda selber Mutter von vier Kindern ist, ist die heutige, „verunsichernde“ Kindererziehung auch für sie ein Herzensanliegen.

Das große Problem sind nicht die Kinder – sondern die Eltern! Es gibt nur noch wenige, die sich wirklich um die Erziehung ihrer Kinder bemühen.

Ricarda Biebl, Wirtin, die keine Kinder mehr ins Restaurant lässt

Im Netz hagelt es Shitstorm wegen Hausverbot für Kinder im Restaurant

Genauso liegen Ricarda auch die Kundenmeinungen am Herzen. Nachdem sie das Hausverbot für unter zwölfjährige Gäste ausgesprochen hatte, hagelte es zunächst viel Hass. „Unmenschlich! Ich habe kein Verständnis dafür, dass Tiere ein Restaurant besuchen dürfen und Kinder müssen draußen bleiben!!! Eigentlich schade um solch eine schöne Gastwirtschaft!!!“, schrieb ein wütender User. „Unglaublich! Hoffentlich wird dieses Restaurant in Zukunft boykottiert. Sowas haben wir noch nie erlebt.“ heißt es in einem weiteren Kommentar. Ein anderer Nutzer findet es „diskriminierend“, da alle Familien verallgemeinert werden würden. Für diese Gäste dürfte dann das „Schipperhus“ erst mal Geschichte sein.

Restaurantverbot für unter Zwölfjährige: Einige Gäste freuen sich über „Ruhe“

„Schipperhus“ konnte durch die neue Regelung, keine Kinder unter zwölf Jahren mehr zu bewirten, aber auch mögliche neue Gäste gewinnen. Denn nicht wenige Facebook-Kommentatoren schlagen sich auf die Seite der Restaurantbetreiber. „(...)Die Entscheidung keine Kinder unter 12 Jahren hineinzulassen, ist absolut richtig. Ich bin selbst Mutter, Oma und viele Jahre Kinderfrau. Aber was heute Erziehung genannt wird, ist katastrophal. Eltern denken nur noch an sich(...).“. Und viele wissen eine ruhige Atmosphäre beim Restaurantbesuch zu schätzen: „(...) wenn ich mal in der Nähe bin, komme ich mit Sicherheit zu ihnen, um in Ruhe zu essen.“ So tut eine von vielen Befürwortern ihre Zustimmung kund.

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Wirtin findet Hass wegen Kinderverbot im Restaurant unerträglich – sie denkt über Verkauf nach  

Trotz Verständnis einiger Kunden sei für Wirtin Ricarda Biebl der Hass „schwer erträglich“. Sie und ihr Mann würden anonym im Internet als Rassisten beschimpft werden und als Kinderhasser. Es täte ihr leid um alle „gut erzogenen Kinder und freundliche Eltern“. Das Ganze erreicht nun offenbar sogar einen Punkt, an dem Wirtin Biebl überlegt, das „Schipperhus“ zum Verkauf anzubieten. Nach 27 Jahren Gastro-Erfahrungen, habe sie zwar einiges erlebt – doch das gehe an die Substanz. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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