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Einmal Kuscheln 70 Euro: Website vermittelt Profikuschler an Einsame

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Von: Ulrike Hagen

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Zu wenig Kuscheln kann krank machen. Doch was tun, wenn man niemanden dafür hat? Professionelle Kuschler bieten heilsame Berührungen für Einsame an.

Leipzig – Kuscheln ist lebenswichtig: Zahlreiche Studien weisen darauf, dass durch Berührungsmangel langfristig sogar körperliche und seelische Krankheiten ausgelöst werden. Berührungen sorgen für körperliche Entspannung und – in Corona-Zeiten besonders wichtig – eine Stärkung der Immunabwehr. Weil aber nicht jeder einen Partner dafür parat hat, bieten nun Profi-Kuschler in ganz Deutschland ihren Service für Kuschelbedürftige an.

Hormon:Oxytocin
Weitere Namen:Kuschelhormon, Bindungshormon; Glückshormon
Enstehungsort:Hypothalamus
Entdecker:Henry Dale (1906)

Ein Mal kuscheln für 70 Euro – Website bietet professionelle Kuschler

Er gehört in Amerika schon länger zum Alltag, ist aber in Europa noch ziemlich neu und auch gewöhnungsbedürftig: Der bezahlte Kuschelservice. Und obwohl Körperkontakt neben Schlaf und Nahrungsaufnahme zu den grundlegenden menschlichen Bedürfnissen gehört, wird seine Bedeutung völlig unterschätzt. Aber wer nicht mit Freunden, der Familie oder dem Partner kuscheln kann, kennt es durchaus schmerzhaft: das Defizit von zu wenig Streicheleinheiten.

Ein Mann und eien Frau umarmen sich innig
Kuscheln ist lebenswichtig eine Website vermittelt jetzt Profikuschler. (Symbolbild) © Adobe Stock

Eine Website vermittelt Kuscheln gegen Geld

Bundesweit bieten darum inzwischen immer mehr Frauen und Männer bezahlte Streicheleinheiten an. Die Website cuddlers.net der „Kuschel-Kiste“ vermittelt beispielsweise Kuschel-Service in Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz. Gekuschelt wird stundenweise für 70 Euro – „im persönlichen und professionellen Rahmen“. In Hamburg sind bisher drei Kuschel-Profis im Streicheldienst. Durchaus möglich, dass die Nachfrage auch durch den langen „Lust-Lockdown“ zurückzuführen ist, der die Sexarbeiterinnen in Hamburg in die Illegalität zwang und viele Freier kuschellos zurückließ. Das Ganze ist - wenn überhaupt - nur auf den ersten Blick so kurios wie die Frau, die online ihre Fürze verkauft.

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Beim Streicheln geht ein Signal an das Gehirn, das dort das Glückshormon Oxytocin ausschüttet

Elisa Meyer, „Erfinderin“ und Geschäftsführerin der Kuschel-Kiste erklärt gegenüber „deutschlandfunkkultur“: „Das Allerwichtigste ist, dass die Rezeptoren wenn sie angenehm berührt werden, ein Signal ans Gehirn senden, dass dann Oxytocin ausschüttet, Oxytocin ist ein Kuschelhormon oder auch Bindungshormon. Das sorgt dafür, dass wir uns wohlig und glücklich fühlen und entspannen. Wird auch bei Babys von Anfang an ausgeschüttet, wenn die Mutter es kuschelt. Es ist so dieses Ursprungshormon.“

Kuschelmanifest des „Cuddlers.net“

I. Wir wollen die Menschen nachhaltig aus ihrem Hamsterrad befreien.

II. Wir wollen den Menschen helfen, von Kopfmenschen zu Körpermenschen zu werden.

III. Wir wollen die Menschen daran erinnern, wie man den Tastsinn verwendet.

IV. Wir wollen die Menschen von ihren automatischen sexuellen Mechanismen befreien.

V. Wir wollen Depression, Angst und das Gefühl der Sinnlosigkeit mit Kuscheln bekämpfen.

VI. Wir wollen Menschen von Ersatzhandlungen befreien und ihr ursprüngliches Bedürfnis nach Nähe befriedigen.

VII. Wir wollen über die Risiken und Symptome von Berührungsmangel aufklären.

VIII. Wir wollen Intimität entsexualisieren und enttabuisieren.

IX. Wir wollen den Menschen bedingungslose Anerkennung ihres Mensch-Seins geben.

Ausbildung zum Profikuschler bei Elisa aus Leipzig

Zu wenig berührt zu werden, so Meyer, kann Depressionen und Angststörungen auslösen. Wer kuschelt, lebt darum einfach gesünder. Besonders haltende und geborgene Kuschelpositionen wendet Elisa Mayer gern an, wie die Löffelchen-Stellung oder seitliches Ankuscheln. No-Gos dabei sind Nacktheit, Intimitäten, Alkohol, Drogen oder starke Parfüms. Die Leipzigerin hat sich in England und den USA zur Kuschlerin ausbilden lassen – und gibt ihre langjährige Erfahrung nun auch an andere weiter. Auf Kuschelkurs gehen neuerdings übrigens auch Tim Mälzer und Steffen Henssler, das Kriegsbeil scheint begraben – ob sie sich von Meyer inspirieren ließen? Man weiß es nicht.

In der Kuschel-Therapie-Ausbildung lehrt Elisa Meyer Ablauf und Theorie einer Kuschelsession, Ethik des Kuschelns, Kuschelpositionen und -techniken, theoretische Grundlagen über Biologie und Psychologie der Berührung und Tipps und Tricks zu Start in die Selbstständigkeit nach der Kuschel-Ausbildung. Auf ihrer Website kann man inzwischen professionelle Kuschler in ganz Deutschland buchen. Die Leipzigerin hat sie allesamt ausgebildet. Und noch eine schöne Kuschel-Geschichte zum Schluss: Eine ganze Hundefamilie hat einem ausgesetzten Baby durch Kuscheln das Leben gerettet. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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