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„Personal an der Belastungsgrenze“: Edeka-Filialen schließen um 13 Uhr

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Von: Patrick Huljina

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In vielen Branchen herrscht Personalmangel – auch in Supermärkten. In 16 Edeka-Filialen schließt der Betreiber daher nun mittwochs schon um 13 Uhr.

Lörrach - Der Kaufmann Dieter Hieber betreibt mit seinem Unternehmen Hieber’s Frische Center insgesamt 16 Edeka-Märkte in Baden-Württemberg. Regulär haben die Filialen von Montag bis Samstag zwischen 8 und 20 Uhr geöffnet. Doch aufgrund der angespannten Personalsituation schließen derzeit alle 16 von Hieber betriebenen Edeka-Märkte im Südwesten Deutschlands mittwochs bereits um 13 Uhr. Der Kaufmann prüft sogar eine langfristige Verkürzung der Öffnungszeiten.

„Sorge um unsere Mitarbeiter“: Edeka-Märkte ändern Öffnungszeiten

Für Verbraucher ist es inzwischen selbstverständlich, dass Supermärkte bis in die Abendstunden geöffnet haben. Selbst an Sonntagen gibt es zumindest in Großstädten die Möglichkeit, die wichtigsten Einkäufe zu erledigen. Der Schritt, wochentags bereits um 13 Uhr zu schließen, ist daher ungewöhnlich. Im Gespräch mit der Lebensmittel Zeitung (LZ) erklärte Hieber, er tue das aus „Sorge um unsere Mitarbeiter“.

In den vergangenen Wochen sei es durch die Ferienzeit, Krankheitsfälle und Einarbeitungen zu vielen Ausfällen gekommen. Das Personal habe bereits seit Beginn der Corona-Pandemie „unter Extrembedingungen“ gearbeitet, so Hieber. „Viele Mitarbeiter sind an der Belastungsgrenze“, erklärte er. Kurzfristig sei das nur mit weniger Arbeitszeit auszugleichen gewesen. In Hamburg-Harburg musste der Kult-Currywurstladen „Bruzzelhütte“ ebenfalls wegen Personalmangels schließen. Ob es ein Abschied für immer sein soll, ist ungewiss.

Eine Edeka-Filiale.
In Baden-Württemberg schließen 16 Edeka-Filialen mittwochs bereits um 13 Uhr. (Symbolbild) © Roland Weihrauch/dpa

Personalengpässe bei Edeka: Viele Krankheitsfälle – „Sicher eine Folge der Corona-Belastungen“

Unter den Krankheitsfällen seiner Mitarbeiter gebe es auch viele psychosomatische Erkrankungen. „Sicher eine Folge der Corona-Belastungen, aber auch die Stimmung in den Märkten hat sich sehr gewandelt“, stellte Hieber fest. In den Supermärkten steigen die Preise. Den Ärger der Kunden bekommen oft die Mitarbeiter in den Filialen zu spüren. „An keinem Menschen gehen persönliche Anfeindungen spurlos vorbei“, so der Edeka-Kaufmann. Zudem spielt „fehlender Respekt“ eine immer größere Rolle, ein Edeka-Markt lässt daher keine Teenager unter 16 mehr rein.

Edeka-Betreiber regt an: Öffnungszeiten im Einzelhandel „grundsätzlich überdenken“

Zunächst sollen die verkürzten Öffnungszeiten in den betroffenen Edeka-Märkten nur bis Mitte September gelten. Ein Discounter-Riese ist wesentlich radikaler: Aldi schafft die Kassierer ab – der erste kassenlose Supermarkt ist schon eröffnet. Nun hat Aldi Nord angekündigt, bis Ende 2023 alle Läden umzubauen – ob dann auch Maschinen statt Menschen Kunden bedienen sollen, ist nicht bekannt. Nach dem Ende der Sommerferien in Baden-Württemberg will Hieber in seinen Edeka-Märkten, die sich derzeit in einem Preisstreit mit Coca-Cola befinden, zu den regulären Zeiten zurückkehren. Allerdings überlegt der Kaufmann, ob man die Öffnungszeiten im Einzelhandel mit Blick auf die Personalsuche „nicht grundsätzlich überdenken“ müsse.

Vier-Tage-Woche bei Edeka? „An individuelleren Arbeitszeitmodellen führt kein Weg vorbei“

Der Lebensmittelhandel sei für potenzielle Mitarbeiter „unter den aktuellen Bedingungen nicht so attraktiv“, erklärte er. Gerade der Schichtdienst stellt laut Hieber eine große Herausforderung dar. Der Edeka-Kaufmann prüft derzeit sogar eine Vier-Tage-Woche für sein Personal. Er ist sicher: An individuelleren Arbeitszeitmodellen führe auch im Lebensmitteleinzelhandel „kein Weg vorbei“.

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