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„Alles gut“: Junge mit Down-Syndrom und bester Kumpel erobern Australien

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Von: Anika Zuschke

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Ein junger Mann mit Down-Syndrom will nach Australien – sein Freund macht es mit ihm wahr. Gemeinsam erobern sie das Land und machen damit vielen Menschen Mut.

Canberra – Wahre Freundschaft kennt keine Grenzen – auch keine geografischen! Das beweisen die Freunde Julius Werner und Manuel Zube auf rührende und inspirierende Art und Weise. Denn die beiden begaben sich gemeinsam auf eine abenteuerliche Reise nach und durch Australien. Das Besondere daran: Manuel, genannt Manni, wurde mit dem Down-Syndrom geboren und es war das erste Mal, dass der junge Mann ohne Familie so weit von zu Hause weg war. Auf seinem Freund Julius lastete also eine Menge Verantwortung. Doch die beiden stellten sich der Herausforderung und zeigen, dass auch für Menschen mit Einschränkungen fast alles möglich ist – wenn man einen richtg guten Kumpel hat.

Chromosomenanomalie:Trisomie 21/Down-Syndrom
Zeigt sich in:Kombination geistiger Behinderung und körperlicher Fehlbildungen in unterschiedlicher Ausprägung und Stärke
Ursache:Besonderheit an den Erbanlagen des betroffenen Menschen (Genommutation, Chromosomenaberration oder Aneuploidie)
Wortherkunft:Chromosom 21 oder Teile davon sind dreifach statt doppelt vorhanden

Junger Mann mit Down-Syndrom will nach Australien – sein bester Freund reist mit ihm hin

Erzieher Julius Werner und Manuel Zube, der als Küchenhilfe arbeitet, kennen sich aus ihrer Heimatstadt Kiel. Bereits vor einigen Jahren hat der 32-Jährige die Begleitung von Manni übernommen: „Es fing mit Sport an, dass wir zweimal die Woche zu einem Sportstudio gegangen sind und dann kam immer mehr dazu“ erzählt Julius gegenüber „arte“ und fährt fort: „So ist aus dieser anfänglich rein beruflichen Sache eine Freundschaft erwachsen.“

Irgendwann hat Julius das Fernweh gepackt und die Idee von einer Reise nach Australien entwickelte sich. „Manni wollte dann mit auf meine Reisen gehen. Zuerst hab‘ ich mich gefragt: Ist das möglich? Dann wollte ich mit ihm beweisen, dass es klappen kann!“, erzählt der Erzieher laut Bild. Anderthalb Jahre lang bereitete Julius Werner den Trip vor, die finanzielle Hürde nahm das Abenteuer-Team mithilfe von Spenden. Doch fast noch schwieriger zu bezwingen war Mannis Mutter: „Ich habe gedacht, ich höre nicht richtig. Was soll Manuel in Australien so weit weg? Er gehört doch hierher, zu uns“, äußerte Frau Zube besorgt gegenüber „arte“. Den Sorgen einer Mutter, dass es ihrem Kind mit Trisomie 21 schlecht ergehen könnte, kamen auch dutzende Biker in Pennsylvania entgegen: Sie eskortierten einen Jungen mit Down-Syndrom zur Schule, um ihn vor Mobbing zu beschützen*.

Wenn es drauf ankommt, ist Manni an meiner Seite.

Julius Werner

Mit Down-Syndrom durch Australien: Die Reise mit dem besten Kumpel ist ein Mutmach-Projekt auch für andere

Nach Julius‘ Erklärung, dass die gemeinsame Reise ein Mutmach-Projekt für Eltern mit behinderten Kindern werden sollte, stimmte Mannis Mutter schließlich zu. Und so ging es los: Rund 16.000 Kilometer und 24 Flugstunden entfernt erwartete Julius und Manuel ein Abenteuer auf der anderen Seite der Welt, das die beiden vermutlich nie vergessen werden. Ebenfalls nie vergessen hat sich ein Paar in Minnesota, das als Teenager auseinandergerissen wurde – und 50 Jahre später heiratete.

Durch Hochs und Tiefs in Australien: Julius und Manni meistern gemeinsam alle Herausforderung

Acht Wochen lang reisten die Freunde durch Australien und meisterten auf dem Trip jegliche Hochs und Tiefs. Bereits kurz nach der Landung in Adelaide kamen Julius laut „Bild“ erste Zweifel: „Zwei Monate mit einem Menschen mit Behinderung? Viel zu lang! Unverantwortlich“, schimpfte r sich damals selbst. Doch der erste Schritt war getan und die Kumpel machten sich auf zum ersten Stopp in Melbourne. Dort ging es dann direkt rund: Auf einem inklusiven „Ability-Festival“ entpuppte sich Manni laut Julius als echte „Rampensau“! „Er durfte auf der großen Bühne vor Tausenden Zuschauern Gitarre spielen, verteilte dabei Luftküsse!“, erzählt der Erzieher der „Bild“.

Julius Werner und Manuel Zube sitzen gemeinsam im Flugzeug und am Meer in Australien.
Ein junger Mann mit Down-Syndrom und sein bester Freund begeben sich gemeinsam auf eine abenteuerliche Reise nach Australien. (24hamburg.de-Montage) © Screenshots Instagram @uebergrenzengehen

Auch auf den nächsten Stationen in Alice Springs, Cairns, Brisbane und Canberra mangelte es nicht an Abenteuern. Ob Helikopterflüge über den Kings Canyon oder Pick-Up-Fahrten auf einer Rinderfarm – Julius und Manni meisterten gemeinsam die aufregendsten Unternehmungen. Einen abenteuerlichen und emotionalen Roadtrip durchlebte auch ein 93-jähriger Mann, der noch einmal das Meer sehen wollte – und den sein junger Nachbar durch ganz Europa begleitete*.

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Australien-Reise bringt Manuel und Julius auch an ihre Grenzen – „Meine Nerven lagen oft blank“

Aber das Dream-Team geriet auch an ihre Grenzen. Julius musste rund um die Uhr für Manuel da sein – als Freund, Begleiter und Familienersatz. Nachts teilten sie sich sogar ein Doppelbett. „Meine Nerven lagen oft blank“, erzählt der Erzieher der „Bild“. Und auch für Manni waren die vielen Umstellungen und neuen Erfahrungen nicht immer leicht. Ausflüge langweilten ihn zum Teil. Und als Julius ihm auch noch Pommes und Cola verbot, da er immer dicker geworden ist, war das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Manni kündigte Julius kurzerhand die Freundschaft. Als der Erzieher ihm aber anbot, die Reise abzubrechen, umarmte ihn Manni und murmelte: „Alles gut.“ So einfach kann Versöhnung gehen.

Durch die Australien-Reise lernt Julius über seinen Freund mit Down-Syndrom: „Wenn es drauf ankommt, ist Manni an meiner Seite.“

Für Manni stellte die Fernreise aber auch einen großen Schritt in Richtung Selbstständigkeit dar. „Er braucht zum Schlafen kein Nachtlicht mehr, packt allein seinen Koffer und kann sogar allein Bier kaufen“, berichtet Julius stolz. Und Manuel? Er fühlt sich zum ersten Mal in seinem Leben wie ein ganz normaler Erwachsener, nicht mehr reduziert auf das Label „Mensch mit Behinderung“. Ihr größtes Ziel hat das inspirierende Team damit erreicht. Auch Julius hat gelernt: „Wenn es drauf ankommt, ist Manni an meiner Seite. Am Ende klappt alles!“ Das durfte auch ein junger Schüler in Sydney feststellen, der von 200 Bikern zur Schule gebracht wurde – damit er nicht mehr gemobbt wird*.

Julius Werner veröffentlicht Buch über Australienreise: „Manni sucht das Weite“ soll nicht nur Menschen mit Down-Syndrom Mut machen

Manuel und Julius haben ihre Australien-Reise bereits im Frühjahr 2018 beschritten. Inzwischen hat Erzieher Julius Werner sie in Form eines Buches mit dem Titel „Manni sucht das Weite“ sogar zu Papier gebracht. Anhand des Buches möchte Julius Menschen mit und ohne Down-Syndrom Mut machen, über Grenzen zu gehen. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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