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Bis zu 460 Euro: Stadt zahlt Rauchern Geld, wenn sie aufhören

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Von: Yannick Hanke

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Kurioses Pilotprogramm in England: Wenn Raucher künftig die Finger vom Tabak lassen, werden sie dafür bezahlt. Nie mehr Zigaretten auch für Schwangere?

Cheshire (England) – Das Rauchen anfangen ist nicht schwer, das Aufhören aber umso mehr. Wer einmal dem Nikotin verfallen ist, hat so seine Probleme, sich wieder davon loszusagen – häufig leider mit verheerenden Folgen für die Gesundheit. Das hat auch der Cheshire East Council der Grafschaft Cheshire im Nordwesten England registriert. Deswegen steht ein Pilotprogramm im Raum, bei dem Raucher bis zu 400 Pfund (ca. 467 Euro) in bar erhalten sollen, wenn sie ihre Sucht hinter sich lassen.

Lokale Behörde:Cheshire East Council
CEO:Lorraine O'Donnell (30. März 2020–)
Gründung:1. April 2009

Wer mit dem Rauchen aufhört, bekommt bis zu 400 Pfund in bar

Wie unter anderem „LadBible“ berichtet, wurde dieses finanzielle Anreizsystem vom „Adult and Health Committee“ der Grafschaft Cheshire am Montag, 30. Mai 2022, erörtert. Zuvor hatte ein Bericht enthüllt, dass „ungefähr 10,5 Prozent der allgemeinen Bevölkerung und 10,8 Prozent der schwangeren Einwohner (zum Zeitpunkt der Geburt) in Cheshire East rauchen“.

Im großen Bild hält ein Mann eine angezündete Zigarette in der Hand. Im kleinen Bild sind verschiedene Pfund-Scheine platziert.
Der Cheshire East Council plant ein lukratives Pilotprogramm: Wenn Raucher mit ihrer Sucht aufhören, erhalten sie in Raten bis zu 400 Pfund (ca. 467 Euro) in bar. (24hamburg.de-Montage) © Finn Winkler/dpa/imago

Geld fürs Aufhören: Stadt hat überdurchschnittlich viele Raucher

Tatsächlich seien diese Raten „ähnlich oder sogar schlechter als der nationale Durchschnitt und gehen nicht mehr zurück“. Das zeigte dem Cheshire East Council die Dringlichkeit und Notwendigkeit auf, neue Ansätze zur Reduzierung des Rauchens in Betracht zu ziehen. Mancherorts wird auch auf die Magnettherapie gesetzt, um sich das Rauchen in nur sechs Wochen abzugewöhnen.

„Effektive Methode“: Raucher sollen mit Zigaretten-Konsum aufhören – Geld als Anreiz

Nun vertraut man also „robusten Beweisen“, die darauf hindeuten würden, dass finanzielle, erfinderische Systeme eine „effektive Methode sind, um Menschen dabei zu helfen, mit dem Rauchen aufzuhören.“ Das wiederum führte zu dem Vorschlag, Menschen Geld anzubieten, um sie damit zu ermutigen, mit dem Rauchen aufzuhören.

Menschen, die Anreize (Barzahlungen, Gutscheine für Waren oder Lebensmittel) erhielten, hatten mit einer etwa 50 % höheren Wahrscheinlichkeit mit dem Rauchen aufgehört, als diejenigen, die keine Anreize erhielten.

Der Cheshire East Council greift einen Bericht auf, um seinen Vorschlag zu begründen

Die Teilnehmer des Pilotprogramms müssten jedoch Kohlenmonoxidtests über die Atemluft durchführen, um zu bestätigen, dass sie wirklich rauchfrei seien. Sie würden dann in Raten von bis zu 200 Pfund für die allgemeine Bevölkerung und 400 Pfund für schwangere Frauen bezahlt werden. Teuer wird es hingegen für Raucher in Hamburg, die ihre Zigaretten achtlos wegwerfen, 40 Euro Strafe sind fix.

Rauchen als großer Risikofaktor in der Schwangerschaft – und doch greifen werdende Mütter zur Kippe

Der Vorschlag vom Cheshire East Council resultiert nicht zuletzt daher, dass Rauchen weiterhin als die Hauptursache für Krebs und vermeidbare Todesfälle weltweit sowie den „wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktor in der Schwangerschaft“ geführt wird. Sollte das Pilotprogramm tatsächlich durchgeführt werden, würde es laut dem Bericht mit den Plänen des Cheshire East Council in Einklang stehen.

Hier besteht nämlich die Absicht, gesundheitliche Ungleichheiten im gesamten Bezirk zu verringern und Kindern dabei zu helfen, den bestmöglichen Start ins Leben zu haben. Es heißt, dass „eine Verringerung der Raucherquote bei schwangeren Frauen letztendlich die kurz- und langfristigen Gesundheitsergebnisse von Säuglingen und ihren Familien verbessern wird“. Indes wird in Deutschland über ein striktes Rauchverbot im Auto diskutiert, es drohen bis zu 3000 Euro Strafe.

Raucher „dreimal erfolgreicher“, wenn sie mit anderen Menschen gegen ihre Sucht ankämpfen

Der Cheshire East Council ermutigt bereits Menschen, mit dem Rauchen aufzuhören. Hierfür werden Gemeinschaftskurse angeboten, es gibt die Möglichkeit, mit einem Gesundheitscoach zusammenzuarbeiten. Man ist nämlich der Meinung, dass Raucher „wahrscheinlich dreimal erfolgreicher sind“, ihre Sucht zu überwinden, wenn sie einzeln oder in einer Gruppe mit einem Gesundheitscoach zusammenarbeiten, als wenn sie komplett auf sich allein gestellt sind.

Dies spiegelt sich auch in hohen Todeszahlen wider. Schätzungsweise sterben jedes Jahr rund 78.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Zum Vergleich: In Deutschland sind 2020 rund 75.500 Menschen durchs Rauchen gestorben. Hinzukommen zahlreiche Raucher, die den Rest ihres Lebens mit Raucherkrankheiten zu kämpfen haben. 70 Prozent der Fälle von Lungenkrebs seien zudem auf das Rauchen zurückzuführen. Und nach einer Corona-Impfung sollte das Rauchen erst recht gut überlegt sein. Also: Fluppe aus und Geldbeutel auf.

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