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Aldi spendet Babynahrung an Ukraine – und erntet dafür Shitstorm

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Von: Christian Einfeldt

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Aldi will helfen und spendet Babynahrung im Wert von einer Million Euro an die Ukraine. Und die Deutschen? Sind in den sozialen Medien stinksauer.

Essen/Hannover – Es sollte eine gemeinnützige Aktion sein. Eine gute Tat, die den unzähligen Leidtragenden des Kriegs gegen die Ukraine* zugutekommen sollte. Aldi engagiert sich und bringt massenhaft Babynahrung Richtung Ukraine. In den sozialen Medien entflammt wenig später ein Shitstorm. Wie unter anderem der „Stern“ berichtet, hatte Aldi Pläne offengelegt, die ein Verkaufsende von Babynahrung zum Ende des Jahres angekündigt hatten. Nun passt Aldi das Sortiment schon früher an. Man wolle die Restbestände lieber jetzt der Ukraine spenden, als sie weiter zu verkaufen. Die Empörung in den sozialen Medien nahm daraufhin ihren Lauf.

Unternehmen:Aldi
Hauptsitz:Essen
Umsatz:106,3 Milliarden USD (2019)
Gründung:1961, Essen

Aldi spendet Restbestände an Babynahrung an Ukraine – Kunden sind empört

Die Aldi-Spendenaktion erklärte ein Sprecher gegenüber der tz wie folgt: „Aufgrund der aktuell kritischen Situation in der Ukraine beschleunigen wir nun die geplante Auslistung von Artikeln und verzichten auf den Abverkauf der Restbestände und die Umsätze“. Man will also ein Zeichen setzen. So wie ein Tankwart seinen Benzin-Verkauf stoppt, weil er keinen Diebstahl unterstütze, tut auch Aldi das mit seinen szur Verfügung stehenden Mitteln. Alle Restbestände wurden gesammelt – nach Information der „WAZ“ ergab das in etwa ein Warenverkaufswert von einer Million Euro – und am Donnerstag, dem 24. März 2022 Richtung Ukraine geschickt.

Wie der Stern berichtet, hatte die Aktion ein Aushang in einer Hannoveraner Aldi-Filiale offenbart: Die Botschaft war unmissverständlich. „Liebe Kundinnen und Kunden, wir haben uns entschieden, Babynahrung aus dem Sortiment zu nehmen.“ Aldi Nord bezog damit Stellung zu den Gräueltaten des fortwährenden Ukraine-Kriegs. „Um schnell Hilfe für die Ukraine leisten zu können“, hieß es in besagten Aushang weiter zum Thema Babynahrung-Verkaufsstopp. Die Aldi-Filialen, wo Hamsterkäufe wohl wieder zum Alltag gehören könnten, weil Mehl und Hefe knapp und teuer werden, lassen Worten Taten folgen. Bereits in der Mitteilung an die Kundschaft hieß es, dass die Restbestände schon zum Versenden in die Ukraine bereitstünden.

Mann geht in eine Aldi-Filiale.
Aldi spendet die Restbestände an Babynahrung der Ukraine. In den sozialen Medien gab es viel Kritik. © IMAGO / Dean Pictures

Aldi spendet Babynahrung – und viele Kunden flippen aus: Unverständnis bis hin zu Discounter-Boykott

Bei einem großen Teil der Aldi-Kundschaft kommt die Aktion zur Ukraine-Hilfe offenbar gar nicht gut an. Neben einigen unterstützenden Nachrichten drücken die Kommentare jedenfalls viel Unverständnis aus. Vieles erinnert an die Kritik hinsichtlich der aktuellen Lieferengpässe, die die McDonald‘s-Produktion bedrohen könnte. „Jetzt geht es vollends bergab“, lautet bezüglich einer unfreiwilligen Fastfood-Diät die wörtlich wiedergegebene Einordnung seitens einiger Fast-Food-Fans. Kritik und Sorge hagelt es nun auch muten inden Facebook-Kommentaren zu Aldis aktuellster Aktion an. Manche User rufen schon ihren Aldi-Boykott aus.

Aldi spendet Babynahrung an Ukraine – wütende Social Media Nutzer missgönnen die Hilfe

„Das ist nicht mehr unser Aldi“, zeigt sich Aldis Facebook-Gefolgschaft echauffiert. Kommentare wie „als ob es hier keine kleinen Kinder gibt, wo die Eltern nicht kochen können oder wollen“ machen klar, welche Perspektive die Kritiker*innen einnehmen. Ganz deutlich formulierte es eine Kommentatorin: „Tja da überschlagen sich die besseren Menschen wieder vor lauter „Menschlichkeit“. Das es in Deutschland Kinderheime gibt, hat der gemeine Mainstreamler völlig vergessen.“ Erstaunlich viele Menschen in den sozialen Medien sind also der Meinung, Aldi hätte die Babynahrung - wenn überhaupt- innerhalb Deutschlands spenden sollen. Gönnt man das bisschen Essen den Hunger leidenden ukrainischen Kindern wirklich nicht?

Aldi bekommt für Spendenaktion an Ukraine auch Zuspruch im Netz

Immerhin: Der Kritik gegenüber stehen jedoch auch Meinungen, die für Aldi, zuletzt durch die „heißeste Kassiererin aller Zeiten“* auch bei TikTok ein Begriff, lobende Worte finden. „Wo leben wir bitte, dass es Shitstorms für Hilfe gibt?“, fragt ein User sicherlich nicht unbegründet. Die simple Frage „was ist mit diesen Leuten los?“, bringt die Diskussionskultur in den Kommentaren auf den Punkt. Zwischen Unmut auf der einen und Entsetzen auf der anderen Seite, erinnert ein anderer User, was es mit der Aldi-Aktion überhaupt auf sich hat. „Tatsächlich war Aldi eh dabei, Babynahrung aus dem Sortiment zu werfen.“

Der aus Sicht des Kommentators „missglückte PR-Stunt zeigt aber, wo die deutsche Komfortzone endet“: Nämlich offenbar dann, wenn andere als deutsche Babys in den Genuss vorgekochter Nahrung kommen sollen. *24hamburg.de und kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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