Alarmstufe Rot in Berlin

Udo Lindenberg: Coronavirus-Demo soll Konzert-Szene retten – Christian Lindner (FDP) hat Geistesblitz

  • Johanna Ristau
    vonJohanna Ristau
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Von wegen „keine Panik auf der Titanic“: Nach der letzten Coronavirus-Demo in Berlin („Querdenker“) ruft nun ausgerechnet Panikrocker Udo Lindernberg (74) zur nächsten Demonstration in der Hauptstadt auf.  

  • Udo Lindenberg* ruft zur Coronavirus*-Demo in Berlin auf.
  • Der Panikrocker nimmt selbst an der AlarmstufeRot-Demo teil.
  • Udo Lindenberg sieht die Veranstaltungsbranche in Deutschland sterben und fordert einen Schutzschirm.

Berlin/Hamburg – Der Panikrocker macht Ernst. Sieben Monate ohne Musik, Feierei und Konzerte gehen ihm an die Nieren. Deswegen hat Udo Lindenberg jetzt zur AlarmstufeRot-Demo in Berlin aufgerufen. Doch anders als die „Querdenker“-Demo, die in der Hauptstadt kürzlich total ausartete und dadurch bundesweite Aufmerksamkeit bekam, interessiert sich für die friedliche AlarmtstufeRot-Demo jetzt fast keiner. Von den 15.000 angekündigten Demonstranten kommen am Mittwoch, 9. September 2020, nur etwa 6.500, wie die Polizei in Berlin mitteilt.

Musiker:Udo Lindenberg
Geboren: 17. Mai 1946 (Alter 74 Jahre), Gronau (Westfalen)
Musikgruppe: Passport
Geschwister: Erich Lindenberg, Inge Lindenberg, Erika Lindenberg

Udo Lindenberg und AlarmstufeRot fordern mehr finanzielle Coronavirus-Hilfe für Veranstaltungsbranche

Hauptforderung der AlarmstufeRot-Demo: Mehr Corona-Geld für die Veranstaltungsbranche. Die Eventbranche stehe vor einer „gigantischen Pleitewelle“, erklärt das Bündnis, das im Netz unter dem Hashtag #AlarmstufeRot auf sich aufmerksam macht. Wegen der Coronavirus-Krise fänden seit sieben Monaten Tagungen, Messen, Festivals, Konzerte oder Discos nicht mehr statt.

Udo Lindenberg fordert von deutschen Politikern einen Schutzschirm für die Veranstaltungsszene. Christian Lindner hat Geistesblitz. (24hamburg.de-Montage)

Das Bündnis AlarmstufeRot betont: Deutschlands sechstgrößter Wirtschaftszweig stehe vor dem Kollaps. Anders als Angela Merkel (65) im Jahr 2015 über die Flüchtlingswelle prophezeite, ist sich das Bündnis sicher: „Wir schaffen das nicht!“ Seit März 2020 sei in Deutschland ein Verlust von 50 Milliarden Euro entstanden. Hunderttausende Jobs von Tontechnikern, Verleihern, Servicepersonal, Beleuchtern, Eventfirmen, Caterern, Securitys und Schaustellern seien in ihren Existenzen bedroht.

Udo Lindenberg bei AlarmtstufeRot-Demo in Berlin: keine Kritik an Coronavirus-Maßnahmen

Laut eigenen Angaben beschäftigt die Eventbranche deutschlandweit eine Million Menschen und erwirtschaftet jährlich 130 Milliarden Euro Umsatz. Auf der AlarmstufeRot-Demo werden am Mittwoch, 9. September 2020, deshalb mehr Flexibilität beim Kurzarbeitergeld und finanzielle Überbrückungsprogramme für Angestellte und Freiberufler aus der Veranstaltungsbranche gefordert.

Anders als die „Querdenker“-Demo richtet sich die AlarmstufeRot-Demonstration nicht gegen Coronavirus-Maßnahmen. Im Fokus der Demo-Kritik steht die unzureichende Berücksichtigung der Veranstaltungswirtschaft. Rock-Legende und Wahl-Hamburger* Udo Lindenberg hat zur Teilnahme an der AlarmstufeRot-Demo aufgerufen.

Coronavirus-Pandemie: Udo Lindenberg fordert von deutscher Politik finanzielle Unterstützung für Veranstaltungsbranche

In der „BZ“ teilt er seine Sicht auf die aktuelle Lage in der Coronavirus-Pandemie: „Eine der zehn größten Branchen Deutschlands, die dazu beiträgt, dass die Menschen lachen, tanzen, feiern, Spaß haben, nach vorne denken, ist lahmgelegt. Deshalb braucht die Branche finanzielle Unterstützung und eine konkrete Perspektive.“

Die Situation sei für viele „absolut existenzbedrohend. Zudem sei ein Ende des Veranstaltungs-Lockdowns noch nicht in Sicht. Von der Politik fordert Lindenberg: „Für die vielen Menschen und Firmen, die in unserer Branche arbeiten, muss ein Schutzschirm geschaffen werden, der ihnen ein wirtschaftliches Überleben in der Pandemie ermöglicht.“

Udo Lindenberg in der Coronavirus-Krise: Konzert-Lockdown frustriert Hamburger Panikrocker

Zum wiederholten Mal betont Udo Lindenberg auch, wie die Corona-Krise ihn selbst und seine Band betrifft: „Wegen der Corona-Regeln mussten wir unsere Stadien- und Arena-Tournee im Sommer dieses Jahres bereits absagen. Wann die Panikfamilie wieder unterwegs sein wird, kann ich im Moment noch nicht sagen. Das ist für mich persönlich eine sehr frustrierende und ungewöhnliche Situation. Ich bin doch durch und durch ein Bühnenvogel. Es ist auch ein Desaster für Band und Technik.“

Dennoch rät er erneut, das bisher in Deutschland Erreichte nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen. „Sondern den Weg weiterzugehen, um schnell wieder zu einer normalen Kultur- und Konzert-Situation zurückzukommen. Also auch auf dieser Demo: Abstand halten, Mund-Nasen-Schutz tragen und sich vernünftig verhalten!“

Coronavirus: Udo Lindenberg ruft zu AlarmstufeRot-Demo auf, doch die Aufmerksamkeit bleibt aus

Diese Hinweise befolgen die Demonstranten am Mittwoch, 9. September 2020, zwar brav. Allerdings bleibt aus diesem Grund auch – anders als bei der „Querdenker“-Demo in Berlin – eine Menge Aufmerksamkeit aus. Auf Twitter kommentieren Nutzer etwa: „#AlarmstufeRot hat heute für unsere Kultur und die Notlage der Veranstalter demonstriert! Da praktisch nur vernünftige Leute anwesend waren, keine Nazis mit spaziert sind und keine Sau den Reichstag gestürmt hat, findet die Demo kaum Beachtung! Tja!“

Udo Lindenberg fordert Coronavirus-Hilfe für Veranstaltungsbranche, Christian Lindner (FDP) macht Vorschlag

Doch vonseiten der Politik gibt es auch konstruktive Vorschläge beim Online-Dienst Twitter – wie etwa von FDP-Mann Christian Lindner (41): „Die Veranstaltungsbranche zeigt bei #AlarmstufeRot, dass Gesundheitsschutz bei Demo geht. Mit dieser Sorgfalt können auch Events wieder möglich werden. Und als eine Hilfe schlagen wir vor, die Verluste 2020 zum Beispiel über die Steuer mit den Gewinnen 2018 und 2019 zu verrechnen. CL“

Erst im Juni 2020 hatte Udo Lindenberg sich bei der „Night of Light“* in Hamburg für die Event-Szene stark gemacht: „Viva für unsere Branche, für unsere Kultur, der Rock‘n‘Roll ist Überlebensmittel und Powermotor für soooooo viele Menschen!“ Bei der „Night of Light“ erleuchteten ganze Teile der Stadt Hamburg in rotem Licht – darunter die Elbphilharmonie*, der Fernsehturm und die Barclaycard Arena. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Johannes Neudecker/dpa, Wolfgang Kumm/dpa

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