Im Kampf gegen Krebs

Tim Mälzer: Wut aufs Krankenhaus-Essen – Ekel-Menü für 3,84 Euro!

  • Christian Domke Seidel
    VonChristian Domke Seidel
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Tim Mälzer unterstützt den Kampf gegen Krebs mit gutem Essen. Auf der digitalen Krebs-Convention Yes!Con regte er sich nun ordentlich auf. Was hat der TV-Koch?

  • Tim Mälzer* spricht auf digitaler Krebs-Convention Yes!Con.
  • Hamburger* TV-Koch verschmäht deutsches Krankenhaus-Essen.
  • Tim Mälzer: „Das macht eher krank. Das macht eher depressiv.“

Hamburg Tim Mälzer ist für gutes Essen und ehrliche Worte bekannt. Letztere fand er beim Thema Verpflegung im Krankenhaus. Als Partner der digitalen Krebs-Convention Yes!Con spricht er am Samstag, 26. September 2020, auf dem Podium über das Thema. Der Titel der Diskussionsrunde „Clinic Kitchen Possible“ soll an die populäre Sendung des TV-Kochs „Kitchen Impossible“ (VOX)* erinnern. Seine Meinung zu den Mahlzeiten in Krankenhäusern: „Das Essen macht eher krank. Das macht eher depressiv.“

KochTim Mälzer
Geboren22. Januar 1971 (Alter 49 Jahre), Elmshorn
BücherHeimat, Greenbox, Born to Cook, Die Küche
ElternChrista Mälzer, Rainer Mälzer
NominierungenDeutscher Fernsehpreis für die beste tägliche Sendung, Deutscher Fernsehpreis - Freie Formatkategorie
AuszeichnungenDeutscher Fernsehpreis für das beste Factual Entertainment

Tim Mälzer hat was gegen Krankenhaus-Essen: Es mache krank – TV-Koch bietet Lösungsansatz

Damit klar ist, worüber Tim Mälzer eigentlich spricht, wird vor seinem Auftritt erst einmal eine Verkostung eingespielt. Der Hamburger TV-Koch bekommt Krankenhausessen serviert. Er bekommt es in einer schwarzen Styropor-Kiste an den Tisch geliefert. Doch schon beim Begutachten wird Tim Mälzer, der selbst schon potenzielle Gäste verschreckt hat, ungehalten. „Es ist so ein Geruch, ich komme ja vom Land: Viehfutter, Schrot und Hasenstroh.“ Und weiter: „Ich hoffe, das ist die Box, die so stinkt und nicht das Essen.“

Tim Mälzer kritisiert das Krankenhausessen in Deutschland. (24hamburg.de-Montage)

Doch es ist das Essen, wie Tim Mälzer in der weiteren Verkostung feststellen muss. Sein klares Urteil: „Das ist eine Frechheit.“ Es soll überbackene Zucchini mit Gemüse-Reis und Tomatensauce geben. Zu erkennen ist das nicht. „Wenn ich mich anstrengen würde, richtig schlecht zu kochen, käme ich nicht auf die Konsistenz dieser Zucchini“, urteilt Tim Mälzer das Hauptgericht ab. Einzig der „fluffige“ Reis fällt nicht durch den Test des „Kitchen Impossible“-Stars, der seine Auszeichnung auch eher selten für seine Küche erhält, wie 24hamburg.de/VIP berichtet.

Besseres Essen im Krankenhaus: TV-Koch Tim Mälzer (VOX) glaubt an schnellere Heilung

Sein Gesamturteil: „Das ist die unterste Schublade der Aromatik. Das ist eine Beleidigung für jeden Gaumen.“ Und das könne auch für den Patienten schädlich sein, glaubt Tim Mälzer: „Wir wissen alle, was Ernährung in einem Heilungsprozess für schöne Momente schaffen kann.“ Mit Blick auf das Essen, das ihm serviert wurde, sagte der TV-Koch allerdings: „Das macht eher krank. Das macht eher depressiv. Hier wird am falschen Ende gespart.“ Reichlich Geld einspielen für karitative Zwecke will Tim Mälzer übrigens bei „Wer wird Millionär“ (RTL).

Sparen ist das richtige Stichwort. Denn bei der digitalen Krebs-Convention Yes!Con wird eine Studie bemüht, die den Geschmack in eine erschütternde Zahl gießt. 3,84 Euro pro Tag und Patient geben Kliniken in Deutschland im Jahr 2020 inflationsbereinigt für das Essen aus. Im Jahr 2005 waren es noch 4,45 Euro. Der enorme Kostendruck habe dazu geführt, dass mehr als ein Drittel aller Kliniken ihr Essen aus Zentralküchen beziehen würden. Sechs Prozent würden sogar auf Tiefkühlkost zurückgreifen.

Nur 3,84 Euro pro Tag und Patient: Krankenhausessen kann nicht schmecken

Entsprechend will Tim Mälzer, selbst Fan eher einfacher Kost, seine vernichtende Kritik an deutschem Krankenhausessen auch nicht als Vorwurf an seine Kollegen verstanden wissen, die das Essen zubereiten: „Ihnen wird die Basis genommen, überhaupt zu kochen.“

Auch eine sehr persönliche Erinnerung teilt Tim Mälzer auf dem Podium. Ein Freund von ihm, ebenfalls Gastronom, hätte wegen einer Krebserkrankung ins Hospiz gemusst. Dort habe er, trotz des absehbaren Todes, eine strenge Diät halten müssen. Der TV-Koch erklärt, dass sein Freund regelrecht zusammengefallen wäre wegen des Essens. Also hätten er und andere Wirte selbst zubereitetes Essen ins Hospiz geschmuggelt. Tim Mälzer: „Und da hat sich was geändert. Es kam wieder Farbe in sein Gesicht. Man hat gesehen, wie viel mehr es ihm gebracht hat, ihm wieder Würde zu geben.“

Tim Mälzer kritisiert auf der digitalen Krebs-Convention Yes!Con deutsches Krankenhausessen

Auf einer Leinwand der digitalen Krebs-Convention Yes!Con werden dann Bilder der Homepage krankenhausessen.de eingespielt. Die Bilder machen nicht gerade Appetit. Tim Mälzer: „Es geht dabei nicht um Vitamine und Nährstoffe, sondern um Lebensfreude und Genuss. Man schmeckt auch mit dem Auge.“ Würde ein Brötchen „so viele Dellen haben, wie der Hintern eines 80-Jährigen“, würde man es eben nicht essen wollen, mutmaßt der TV-Koch bildstark.

Einen Lösungsansatz hat Tim Mälzer auch. Aus seiner Erfahrung mit Schulküchen könne er berichten, dass oft nur Abläufe und Mechanismen geändert werden müssten, um kostengünstiger und effizienter zu arbeiten. „Dann kann man mit bestehenden Dingen sehr förderlich kochen.“ Als Beispiel nannte er die Charité in Leipzig. Dort bekämen Patienten eine Karte, auf der verschiedene Hauptgerichte und Beilagen gelistet sind. Dann könnten sie sich das Essen individuell zusammenstellen. *24hamburg.de und nordbuzz.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Markus Scholz/dpa

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