Offene Worte

Tim Mälzer: TV-Koch wollte aufhören – Corona ist schuld

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Tim Mälzer mental angeschlagen? Darüber spricht der Hamburger TV-Koch jetzt. Die Corona-Krise macht Mälzer schwer zu schaffen. Einblicke in sein Inneres.

Hamburg – Er ist das Sprachrohr einer ganzen Branche: Tim Mälzer ist nicht nur TV-Koch, sondern auch erfolgreicher Gastronom. Wobei, Gewinne kann der Hamburger natürlich nur erzielen, wenn seine Restaurants auch geöffnet haben. Die Corona-Krise und der damit verbundene bundesweite Lockdown machen einen geregelten Betrieb schier unmöglich. Im Interview mit dem „Stern“ spricht Tim Mälzer über seine lange Leidenszeit.

Koch:Tim Mälzer
Geboren:22. Januar 1971 (Alter 50 Jahre), Elmshorn
Bücher:Heimat, Greenbox, Born to Cook, Die Küche u.v.m.
Eltern:Christa Mälzer, Rainer Mälzer
Filme:KMPD - Krass Mann Police Department

Tim Mälzer: TV-Koch spricht über Corona-Belastung für die Gastronomie

Am Pfingstwochenende 2021 darf die Außengastronomie* in vielen Bundesländern nach rund sieben Monaten wieder öffnen. Eine Erleichterung für die zahlreichen Betreiber von Cafés und Restaurants, aber natürlich auch für all die Angestellten. Allein in den beiden Hamburger Restaurants von Tim Mälzer, der „Guten Botschaft“ sowie der „Bullerei“, sind um die 100 Personen tätig. Diese können nun wieder ihrer Arbeit nachgehen. Also alles im Lot?

Der Hamburger TV-Koch Tim Mälzer spricht darüber, wie sehr ihn die Corona-Krise belastet. (24hamburg.de-Montage)

„Grundsätzlich freue ich mich auf das Signal, dass sich Leben wieder andeutet. Aber ich habe diese Krise aus gastronomischer Sicht so intensiv begleitet, mich mit so vielen Thematiken auseinandergesetzt, dieser Schritt ist jetzt für mich nur ein Badeurlaub im Anfängerbecken“, heißt es von Tim Mälzer im „Stern“-Interview. Der Gastronom aus der Hansestadt Hamburg zeigt sich weiterhin skeptisch und sieht noch keine grundsätzliche Lösung der Probleme gegeben.

Hamburger TV-Koch Tim Mälzer beklagt wirtschaftliches Auffangsystem für Corona-Gebeutelte

Denn „wir Gastronomen stehen wieder genauso dar wie vor einem Jahr. Es wird uns gesagt, wir dürfen wieder aufmachen, aber es gibt keine klaren Ansagen unter welchen Bedingungen, mit welchen Hygiene- und Kontaktverfolgungskonzepten, wann wir drinnen wieder aufmachen dürfen“. Tim Mälzer beklagt weiterhin ein „wirtschaftliches Auffangsystem“, das schlichtweg fehlen würde. Und es gibt noch weitere Probleme.

„Allein die Tatsache, dass wir jetzt in Hamburg in wenigen Tagen öffnen dürfen, sorgt für ernsthafte Lieferschwierigkeiten bei unseren Lieferanten“. Doch beschäftigt Tim Mälzer nicht nur die aktuelle Corona-Situation und die bundesweite Lage der Gastronomen. Der Hamburger TV-Koch wagt auch eine Rückschau auf die zurückliegenden Monate. Mälzer spricht von dem Vermeiden einer „wirtschaftlichen Schieflage“.

Tim Mälzer: Hamburger Gastronom offen und ehrlich – mentale Belastung durch Corona

Aber auch seine Mitarbeiter hat der TV-Koch nicht vergessen. Diese galt es „bei der Stange zu halten“. Kein leichtes Unterfangen, schließlich sollten sich lange Zeit keine unmittelbaren Perspektiven für die Gastronomie auftun. Vor allem der psychische Aspekt hat für Tim Mälzer in einer prekären Corona-Situation eine wichtige Rolle gespielt.

„Die Frustration war und ist sehr groß, natürlich auch mental. Auch für mich, ich habe 30 Jahre alles der Gastronomie untergeordnet. Ich musste aufpassen, dass ich nicht den Glauben daran verliere“. Worte, die fast schon an seine tränenreichen Auftritte bei Markus Lanz erinnern. Offen und ehrlich gewährt Mälzer Einblicke in sein Seelenleben.

Tim Mälzer: TV-Koch wollte Job an den Nageln hängen – Corona-Narben bleiben

„Ich fühlte mich an die Wand gedrängt und wähnte mich vorher in einer Sicherheit, die es plötzlich nicht mehr gab. Das ist eine Situation, an der ich immer noch zu knabbern habe“, sagt der Hamburger Gastronom. Mit Stolz schaut Mälzer auf den Erfindungsreichtum der Gastronomen und spricht von einer „der beweglichsten und kreativsten Branchen überhaupt“.

Doch kann Tim Mälzer auch nicht leugnen, wie sehr ihn die Gesamtsituation belastet hat. „Ich habe wirklich darüber nachgedacht, ob ich diesen Job noch machen möchte. Ich fühlte mich oft machtlos, weil ich meiner Leidenschaft und meiner Berufung nicht mehr nachgehen konnte. Diese Zeit wird definitiv Narben bei mir hinterlassen und ich bin auch noch im Prozess, diese Krise zu verarbeiten“. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Future Image/imago images & Ulrich Perrey/dpa

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