Der Mälzer hat gesprochen

Tim Mälzer: TV-Koch sieht Politik-Versagen – Kritik an Gastro-Hilfen

  • Natalie-Margaux Rahimi
    VonNatalie-Margaux Rahimi
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Auch Tim Mälzer ist vor der Corona-Krise arg gebeutelt. Seine Restaurants haben zu, Geld bleibt aus. Nun übt er Kritik an der deutschen Pandemie-Politik.

  • Star-Koch Tim Mälzer ist mit seinen Restaurants direkt von der Corona-Pandemie betroffen.
  • Seine Gastronomien mussten wegen des Lockdowns mehrfach schließen.
  • Für ihn hat die Politik in Bezug auf die Restaurants „katastrophal versagt“.

Hamburg – Immer wieder engagierte sich Star- und TV-Koch Tim Mälzer im vergangenen Jahr für die Gastronomie-Branche. Er schrieb zusammen mit anderen Gastronomen einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, brachte Rettungs-Boxen heraus und in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz war er aufgrund der Folgen von Corona sogar den Tränen nahe. Zu Beginn des neuen Jahres rechnet Mälzer jetzt noch einmal mit der Politik ab.

Koch:Tim Mälzer
Geboren:22. Januar 1971, Elmshorn
Bücher:\tHeimat, Born to Cook, Greenbox, Die Küche u.v.m.
Eltern:Christa Mälzer, Rainer Mälzer
Nominierungen:\tDeutscher Fernsehpreis für die beste tägliche Sendung, Deutscher Fernsehpreis - Freie Formatkategorie
Auszeichnungen: Deutscher Fernsehpreis für das beste Factual Entertainment

Tim Mälzer hat während der Corona-Pandemie das „Vertrauen in die Politik verloren“

Irgendwann habe er angefangen sich selbst zu helfen und seinen eigenen Weg zu gehen. Das sagte Tim Mälzer in einem Interview mit der BILD und rechnet mit der Corona-Politik der Bundesregierung ab. „Ich habe der Politik irgendwann nicht mehr genügend Vertrauen schenken können, weil teilweise keine Nachhaltigkeit mehr in den Entscheidungen erkennbar war“, so der Hamburger. Deshalb habe er bereits vor der erneuten Verlängerung des Lockdowns am 16. Dezember 2020 beschlossen, seine Restaurants nicht vor März 2021 wieder zu öffnen.

TV-Koch Tim Mälzer rechnet mit der Corona-Politik von Angela Merkel ab. (24hamburg.de-Montage)

Die eigentlichen Maßnahmen halte Mälzer sogar „bis auf die Sperrstunde, die ist Schwachsinn“, für sinnvoll. Die Entscheidung, sich nicht weiter auf das Hin und Her der Politik einzulassen, sei sein persönlicher Schutzwall gewesen. Und weil das Öffnen-Schließen-Öffnen-Schließen am Ende sogar teurer wäre, als komplett dichtzumachen, bleibt Mälzer auch bei der Entscheidung, bis März 2021 nicht wieder aufzumachen.

Trotz harter Zeiten musste der TV-Koch keinen seiner Mitarbeiter entlassen

Kräftemäßig habe das Corona-Jahr ihm und seinem Team viel abverlangt. „Das war schon extrem“, so Mälzer. Trotzdem musste der TV-Koch „trotz vieler schlafloser Nächte“ keinen einzigen seiner 170 Mitarbeiter entlassen. Darauf sei er extrem stolz, so der Hamburger. „Ich konnte meiner Verantwortung als Unternehmer gerecht werden und bin an der Kreativität meiner Mitarbeiter sogar noch gewachsen. Das ist nicht selbstverständlich“, sagte er in dem Interview.

Insgesamt würden dem Unternehmen wegen der Corona-Lockdowns und weiterer Maßnahmen bisher Umsätze im zweistelligen Millionenbereich fehlen. Wie viel Verlust das am Ende ergibt, könne der TV-Koch aktuell noch nicht sagen, da er unter anderem mit den „Kehrwiederpaketen“ bestmöglich versucht habe, den Verlust aufzufangen. In diesen, auf 3000 Stück limitierten Paketen waren ausgewählte Produkte von 25 Hamburger Restaurants enthalten. Schon längst sind die Pakete ausverkauft.

Tim Mälzer glaubt, dass es viele geben wird, die es „nicht schaffen“ werden

Eines seiner Restaurants werde etwa vier Jahre brauchen, bis die Verluste aus der Corona-Zeit wieder ausgeglichen sein werden. „In der Zeit habe ich keine Einnahmen, denn die Gewinne werden ausschließlich dafür da sein, die Verluste auszugleichen“, so Tim Mälzer. Dies werden seiner Ansicht nach viele andere Gastronomen nicht schaffen können.

Bis die Corona-Pandemie endgültig überwunden ist oder die Impfungen so weit seien, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung geimpft ist, halte der TV-Koch übrigens Schnelltests vor Restaurants für eine gute Möglichkeit, um die Sicherheit der Gäste zu gewährleisten. Privilegien für Geimpfte würden aktuell noch wenig Sinn ergeben, da diejenigen, die derzeit geimpft werden, nicht zu denen gehören, die regelmäßig in Restaurants, Bars oder Club gehen, urteilte Tim Mälzer.

Für TV-Koch Tim Mälzer hat die Politik „katastrophal versagt“

Auf den Brief, den Tim Mälzer zusammen mit anderen Gastronomen an Bundeskanzlerin Angela Merkel geschrieben hat, habe der TV-Koch übrigens keine Antwort bekommen. Für ihn „das größte Armutszeugnis der Politik“, sagte er in dem Interview mit der BILD. „Sicherlich gab es andere Probleme zu lösen. Aber wir Gastronomen sind viele, fleißige Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die hin und wieder eine gewisse Motivation im Sinne einer Anerkennung für unsere kulturelle Bedeutung verdient hätten“, so Mälzer.

Für ihn habe die Politik „an dieser Stelle katastrophal versagt“, verriet der TV-Koch. Immerhin kämpfe die komplette Branche seit einem Jahr gegen den Bankrott, ohne selbst etwas dafür zu können. Im ZDF-Jahresrückblick mit Markus Lanz hatte sich Tim Mälzer übrigens auch schon über den Umgang mit den Restaurants in der Corona-Krise echauffiert. Damals erklärte er die Gastro-Hilfen zu einem Witz. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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