Rettung vor Pleitewelle

Tim Mälzer: Corona-Gebete erhört – Regierung will Gastronomie helfen

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Tim Mälzer beklagt sich regelmäßig über den Corona-Lockdown. Die Bundesregierung hört nun auf sein Flehen – und verlängert die Hilfen für die Gastronomie.

  • SPD und Union verlängern die Senkung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie.
  • Mit der Maßnahme soll den Restaurants der Neustart nach Ende des Corona-Lockdowns gelingen.
  • Promi-Köche wie Tim Mälzer hatten lange vor einer Pleitewelle gewarnt. Verstummt ist die Kritik noch nicht.

Hamburg – Nach langanhaltender Kritik und Warnungen vor einer großen Pleitewelle hat die Bundesregierung jetzt reagiert und der Gastro-Szene eine deutliche Corona-Hilfe zugesichert. So soll die Senkung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie bis ins Jahr 2020 verlängert werden. Das beschlossen SPD und CDU im ersten Koalitionsausschuss des Jahres.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Damit könne den Betrieben „hoffentlich“ nach Ende des Corona-Lockdowns ein Neustart gelingen, teilte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im Anschluss an die Sitzung mit. Monatelang hatten zuvor Branchenvertreter mit Unterstützung von Promis wie TV-Koch Tim Mälzer lautstark auf die prekäre Lage vieler Restaurantbesitzer aufmerksam gemacht.

Nun haben sich die Spitzen von Union und SPD im Koalitionsausschuss, der auch zusätzlich noch Hilfen für Hartz-IV-Familien beschloss, vor allem auf zwei steuerliche Erleichterungen für die Gastronomen geeinigt: Auf Speisen in Restaurants und Bars soll bis Ende 2022 der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 statt 19 Prozent anfallen. Außerdem wird der steuerliche Verlustrücktrag von fünf auf zehn Millionen Euro verdoppelt. Damit können Unternehmen Verluste aus 2020 und 2021 bei der Steuererklärung in deutlich größerem Umfang mit Gewinnen aus dem Vorjahr verrechnen. Sie müssen dadurch jetzt weniger Steuern zahlen und haben mehr Geld zur Verfügung. So der Plan.

Tim Mälzer: Immer wieder hatte der TV-Koch Alarm geschlagen

Ob der Plan auch aufgeht*, wird sich zeigen müssen. Zumindest sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) schon mal das dafür benötigte Geld zu. Der Bundestag habe dafür bereits „erhebliche Mittel“ bewilligt, twitterte der ehemalige Erste Bürgermeister der Hansestadt Hamburg. Damit habe man schon einmal Vorsorge getroffen, um die Corona-Hilfen für die angeschlagenen Unternehmen „gut hinzubekommen“, schrieb er.

Streiten sich um Corona-Hilfen für die Gastro-Szene: TV-Koch Tim Mälzer (links) und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). (24hamburg.de-Montage).

Die Gastro-Szene wird es gerne hören. Deutschlandweit, aber auch in Hamburg gilt bis mindestens zum 14. Februar ein strenger Lockdown. Kneipen, Bars oder Restaurants müssen bereits seit November des vergangenen Jahres geschlossen bleiben. Der radikale Einnahmestopp drängt die Betriebe an den Rand der Existenz. Vor allem Promi-Koch Tim Mälzer hatte öffentlichkeitswirksam zuletzt ordentlich Alarm geschlagen – und sich dabei auch kräftig mit Scholz angelegt.

Kein Wunder. Schließlich ist der Betreiber zweier Hamburger Restaurants selber von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen. Wie viele andere auch, kämpft er gegen die Verluste und leidet dabei unter der Tatsache, dass eine Zeit lang andere finanziellen Überbrückungshilfe für die Betriebe nur sehr schleppend ankamen. So vermeldete der Starkoch erst kürzlich, dass seine Geldreserven mittlerweile aufgebraucht seien. Immer wieder machen Gerüchte die Runde, dass er seine Restaurants „Die Bullerei“ und die „Gute Botschaft“ aufgeben muss. In Erinnerung blieb vor allen Dingen sein Auftritt in der ZDF-Talksendung von „Markus Lanz“, in der er vor einem Millionenpublikum tränenreich über die schwierige Lage berichtete. Später teilte er mit, dass er sich für den Auftritt schäme.

Hilfe für Gastronomie: Grüne kritisieren Beschluss als ungenügend

Wirtschaftsverbände blieben aber am Donnerstag noch zurückhaltend, was die Erfolgsaussichten der nun getroffenen Rettungsmaßnahmen angeht. Seit langem warnen sie vor einer großen Pleitewelle in der Hamburger Innenstadt. Ob Laden oder Restaurant – Berechnungen zufolge könnte jeder dritte Betrieb wegen Corona vor dem Aus stehen. Auch vor diesem Hintergrund kritisierten die Grünen im Bundestag die jüngsten Beschlüsse von SPD und CDU als ungenügend. „Das Signal des Koalitionsausschusses ist ein kraftloses Weiter-So“, erklärte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. Nach einem Jahr der Krise könne das alleine noch nicht die Antwort sein. Die Hilfen für die Gastronomie sei zwar ein kleiner Fortschritt. „Aber ein Aufbruch, der neue Hoffnung gibt, sieht anders aus“, so die Grünen-Politikerin.

Und Tim Mälzer? Der Lautsprecher der Hamburger Gastro-Szene hielt sich mit öffentlichen Kommentaren zurück. Statt Kritik an Scholz und Co. zu üben, konzentrierte er sich am Donnerstag lieber auf das Präsentieren von leckeren Rezepten auf seiner Facebook-Seite. Schließlich, so schrieb er, stehe der Valentinstag vor der Tür.

Ohnehin verlässt sich der Fernsehkoch mittlerweile lieber auf sich selber statt auf die Politik. So wurde Mälzer nach seinem Tränen-Auftritt bei Lanz durchaus kreativ. So verkaufte er schon vor Weihnachten zusammen mit Koch Fabio Haebel und vielen Hamburger Gastronomien die „Kehrwiederpakete“ an Hamburger Haushalte. 3100 dieser Pakete wurden mittlerweile ausgeliefert. Die Einnahmen, genauer gesagt 18.000 Euro, hat Mälzer nun ganz selbstlos an den Hilfsfonds der Hamburger Gastronomie gespendet. Es ist nicht die einzige Aktion dieser Art. Daneben unterstützt er auch ein Sticker-Projekt, mit dem die Kulturszene in Hamburg gerettet werden soll. Die Botschaft von Mälzer ist klar: Die Unterstützung aus Berlin ist nett, wenn sie denn kommt. Aber jetzt hilft nur noch Selbsthilfe. *24hamburg.de und wa.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dietrich/dpa & Kay Nietfeld/dpa & Georg Wendt/dpa

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