Gastronomen verzweifelt

Tim Mälzer: Corona-Kritik – von der Politik sitzen gelassen

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
    schließen

Emotionaler Einblick: In der Corona-Krise muss Tim Mälzer viel rumsitzen und nix tun. Das fühlt sich für den TV-Koch an wie sitzen gelassen werden. 

Hamburg – Aus? Schluss? Vorbei? Völlige Leere! Glaubt man TV-Koch Tim Mälzer, dann lässt sich so die Gefühlswelt der Hamburger Gastronomen am besten beschreiben. Seit einem wochenlangen Lockdown stehen viele Restaurants, Kneipen und Bars vor einer ungewissen Zukunft oder gar der Pleite. Und schuld ist die Politik, die die Besitzer einfach hat hängen lassen. Das behauptet zumindest Mälzer.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

„Es fühlt sich an wie eine Freundin, die nicht weiß, ob sie mit einem Schluss machen will oder nicht. Und man weiß nicht, was man tun soll, damit es wieder vorwärtsgeht“, sagte der Fernseh-Koch jetzt in einem Interview mit der Deutschen Presseagentur (dpa). Flankiert wurde der Vergleich zugleich mit einem eindringlichen Appell, endlich für die angeschlagene Szene eine „verlässliche“ und „berechenbare“ Öffnungsperspektive auf den Tisch zu legen.

Corona-Gipfel: Hamburgs Gastronomen hoffen auf Lockerung

Die Forderung ist brandaktuell. Denn am Mittwoch treffen sich die Ministerpräsidenten der Bundesländer wieder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem erneuten Corona-Gipfel. Beraten werden soll die Frage, ob der Lockdown angesichts des weiterhin hohen Infektionsgeschehens verlängert werden muss.

Plädiert für rasche Öffnungen der Restaurants: TV-Koch Tim Mälzer. (24hamburg.de-Montage)

Am Mittwoch sickerte bereits eine Beschlussvorlage durch, die Mälzer und Co. nicht so richtig gut gefallen dürfte. Denn so planen Bund und Länder grundsätzlich die Verlängerung des Shutdowns bis zu den Osterferien am 28. März. Zwar wollen viele Regierungschefs auch der Sehnsucht der Deutschen nachgeben und an einigen Stellen Lockerungen für das alltägliche Leben gewähren. Aber Restaurants, Kneipen und Bars stehen nicht ganz oben auf der Prioritätenliste.

Während Friseure bereits in allen Regionen wieder geöffnet haben dürfen, sind Erleichterungen für weitere körpernahe Dienstleistungen wie Nagelstudios etc. angedacht. Auch Baumärkte oder Gartencenter können sich Hoffnung auf Lockerungen machen. Doch bei der Gastronomie ist die Politik noch eher zurückhaltend.

Tim Mälzer: Koch bettelt um bessere Gastro-Hilfen

Laut dem Arbeitspapier, das noch zwischen den Ländern abgestimmt werden muss und in den kommenden 24 Stunden für sehr viel Zoff sorgen dürfte, müssen für eine Öffnung der Restaurants die Corona-Zahlen weiter gesenkt werden. In einem ersten Schritt könnten Außenbereiche geöffnet werden, aber erst, wenn die Inzidenz mindestens zwei Wochen stabil unter dem Wert von 35 liegt. Davon sind viele Regionen in Deutschland aber noch entfernt, auch die Hansestadt Hamburg.

Zumindest in Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), ebenfalls wie Mälzer ein Hamburger, haben die Gastronomen aber einen starken Fürsprecher. Der ehemalige Erste Bürgermeister der Hansestadt hat an der Beschlussvorlage für die Bund-Länder-Konferenz mitgeschrieben. Und bereits vor wenigen Tagen ließ er per Twitter wissen: „Ich fordere eine klare Öffnungsperspektive.“ Er sei sich durchaus sicher, dass die Menschen im Sommer wieder „im Biergarten sitzen und die Fußball-Bundesliga schauen können“, sagte er der Rheinischen Post.

Es ist aber gut möglich, dass es dann zu spät ist und es nur noch wenige Biergärten gibt. Seit Monaten schlagen die Gastronomen Alarm und warnen vor einer großen Pleitewelle, unterstützt von Promis wie Tim Mälzer, der mehr als nur einmal mit emotionalen Auftritten im Fernsehen auf das Schicksal der Branche aufmerksam gemacht hat.

Im Vorfeld des Corona-Gipfels forderte er nun klare Ansagen. Wichtig sei es, dass die Gastronomie verlässliche Pläne präsentiert bekommen. Ein ständiges Hin und Her dürfe es nicht geben. Jetzt seien „Grundlagen“ gefragt, auf denen die Betreiber der Kneipen dauerhafte Konzepte entwickeln könnten. Teil dessen müsse natürlich der gesteigerte Impfschutz, ein intelligentes Testkonzept sowie ein deutlich besser vorbereitetes Gesundheitsamt sein. „Da habe ich das Gefühl, dass da ein Jahr lang so gar nichts passiert ist“, schimpfte Mälzer. Es sei nur ausprobiert worden, man sei häufig gescheitert und habe wenig daraus gelernt. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Georg Wendt/dpa/picture alliance & Jens Büttner/dpa/picture alliance

Kommentare