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Tim Mälzer: Erst Corona machte ihn zum wahren „Küchenbullen“

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Von: Christian Einfeldt

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Tim Mälzer wurde während der Corona-Pandemie zum Sprachrohr einer ganzen Branche. Und damit erst zum wahren „Küchenbullen“ – der auch mal Gäste rausschmeißt.

Hamburg – Die Coronavirus-Pandemie hat viele Gastronomen auf eine harte Prüfung gestellt. Inzwischen droht sogar jedem sechsten Hamburger Restaurant die Corona-Pleite. Doch nicht nur in Hamburg, sondern ganz Deutschland hat sich besonders ein Gastro-Star nach und nach zum Sprachrohr einer ganzen gebeutelten Branche und auch zum knallharten Kritiker staatlicher Maßnahmen etabliert: Tim Mälzer. Wutreden, öffentliche Brandbriefe und Protestaktionen – der TV-Koch wurde immer lauter und auch härter.

Und war anfangs der Pandemie Tim Mälzer noch kurz davor, aufzuhören, erwies er sich schnell als unerschrocken wirkender „Anpacker“, der immer wieder neue Lösungen und Geschäftsideen findet, knallhart durchgreift und seine Polter-Schnauze gekonnt auch zum Wohl seiner Kollegen einsetzt.

Koch:Tim Mälzer
Geboren:22. Januar 1971 (Alter: 50 Jahre) in Elmshorn
Filme:KMPD – Krass Mann Police Department, Sharknado 5: Global Swarming
Eltern:Christa Mälzer, Rainer Mälzer

Tim Mälzer: In der Corona-Pandemie wurde er zum wahren „Küchenbullen“ – und Sprachrohr

Der Spitzname „Küchenbulle“: Er hat eigentlich nie so gut zu Tim Mälzer gepasst, wie jetzt zwei Jahre nach Pandemie-Beginn – und war vielleicht auch nie zuvor so positiv aufgeladen. Pausen vom raubeinigen „Küchenbullen“-Image kennt Tim Mälzer nicht. Gerade erst war er prominenter Sprecher bei der Pressekonferenz vom „Leaders Club“, einer bundesweiten Gastro-Fusion. Für und mit dem zog Tim Mälzer nach Berlin und machte wegen der Corona-Regeln Druck.

Ich hatte Angst, ich hatte die blanke Angst.

Tim Mälzer

Sein Appell an die Bundesregierung war und ist eindeutig: „Mittlerweile sehe ich den Sinn nicht mehr. 3G halte ich für überflüssig“. Tim Mälzer nutze den Anlass in Berlin, um sich und Branchenprobleme ausführlich zu erklären. „Durch ständig wechselnde Bedingungen entzieht man die Kontrolle und verunsichert die Mitarbeiter“ – eine Sorge, die den gebürtigen Elmshorner seit Pandemie-Beginn umtreibt.

Tim Mälzer machte der Politik wegen Corona-Regeln und fehlender Konzepte harte Vorwürfe

Bis zum 20. März 2022 sollen Corona-Beschränkungen stufenweise gelockert werden. Davor greift ab dem 4. März in der Gastronomie noch einmal die von Mälzer gescholtene 3G-Regel*. Glücklich ist er darüber nicht. „Ich bin auch noch im Prozess, diese Krise zu verarbeiten“, sagte er dem „Stern“. Was das im Klartext bedeutet, erklärte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa) im Februar 2022: Es fehle weiterhin an einer Perspektive. Die Gastronomie sei „nach wie vor am Abgrund“, so der „Küchenbulle“, der wegen seiner Corona-Sorgen gar bei Markus Lanz weinte. „Ich hatte Angst, ich hatte die blanke Angst“, gestand der 50-jährige Koch damals angesichts der Corona-Lockdowns.

Ich bin auch noch im Prozess, diese Krise zu verarbeiten.

Tim Mälzer

Trotzdem oder gerade deswegen übte er im Laufe der Pandemie er an verschiedenster Stelle immer wieder Kritik – bis hin zu harten Vorwürfen. Ins Visier seiner norddeutschen „Schnodderschnute“ gerieten immer wieder Politikerinnen und Politiker: Den Verantwortlichen warf Tim Mälzer Politik-Versagen vor und kritisierte die Gastro-Hilfen heftig als unzureichend. Lautstark macht er seinem Ärger darüber, dass sich Mälzer von der Politik im Stich gelassen fühlte, immer wieder Luft – medienwirksam machte sich Tim Mälzer sogar über die Corona-Politik als „CDU-Kasperletheater“ lustig.

„Küchenbulle“ Mälzer knallhart: Bei Regel-Verstößen schmeißt er auch mal Gäste raus

Er selbst habe die Maßnahmen aber stets akzeptiert und eingehalten – es dauerte nicht lange, bis sogar seine Restaurantbesucher*innen genau dies wussten. Wenn es um die Einhaltung der Corona-Regeln ging, zeigt er sich nämlich knallhart – Tim Mälzer schmiss sogar Gäste aus der „Bullerei“.

Dann hab ich gesagt: Schönen guten Tag, dann kannst du doch bitte zu Hause essen.

Tim Mälzer zu Restaurant-Gast

Dabei nahm er auch die erst im Februar 2022 wieder abgeschaffte Kontaktverfolgung sehr ernst: „Jemand, der seinen Namen nicht angeben möchte, soll doch bitte zu Hause bleiben“, erzählte er bei „Inas Nacht“. Immer wieder bat er seine Restaurantbesucher*innen um Nachsicht. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg: Gäste fragten Mälzer, warum er „sich denn anstelle wie so ein Nazi“, wenn es etwa um die Einhaltung der Maskenpflicht geht. Wurde die in seinen Restaurants nicht eingehalten kannte und kennt er gar keinen Spaß!

Die Antwort vom TV-Koch ließ dabei mindestens einmal nicht lange auf sich warten – knallharter Rausschmiss: „Dann hab ich gesagt: Schönen guten Tag, dann kannst du doch bitte zu Hause essen.“ Ein klares Statement, das jedoch nicht vergessen macht, dass auch der Hamburger irgendwann mit seinem Latein am Ende war. Er fragte sich, wann das Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist.

Tim Mälzer: Koch-Boxen und eigene Schnelltests – der TV-Koch stets mit Lösungen für Corona-Probleme

Es waren Zeiten, die Mälzer wirklich zum „Küchenbullen“ gemacht hatten. „Ich konnte meiner Verantwortung als Unternehmer gerecht werden und bin an der Kreativität meiner Mitarbeiter sogar noch gewachsen. Das ist nicht selbstverständlich“, sagte Mälzer im Rückblick auf das erste Corona-Jahr 2020. Der TV-Koch musste sich was einfallen lassen. Und so entwickelte Tim Mälzer seine eigenen Kochboxen – auch wenn sie nicht immer frei von Problemen waren, dankten es ihm seine Fans mit einem hoher Nachfrage.

Tim Mälzer.
Tim Mälzer ist in der Corona-Pandemie zum Branchen-Sprachrohr geworden – und in vielem über sich hinausgewachsen. © Chris Emil Janssen/imago

Darüber hinaus sollte Mälzer noch im Laufe der Pandemie gemeinsam seinen Kollegen Corona-Selbsttests verkaufen. Der Hamburger stemmte sich gegen die Corona-Pandemie und packte mit an. Doch die Herausforderungen blieben die gleichen und so suchte Mälzer nicht grundlos das Gespräch mit dem damaligen Vizekanzler Olaf Scholz: „Wir wollen nicht am Zitzen des Finanzministeriums hängen“, ist nur ein markantes Statement von Mälzer. Er stellte die Fragen, die die Gastronomie bis heute beschäftigt: „Wann können wir uns mit einem echten Öffnungsszenario auseinandersetzen? Und damit meine ich ohne Test und Einschränkungen?“

Bei aller Emotionalität war seine Forderung stets eindeutig: Das zeigte nicht zuletzt der Brandbrief, den Mälzer an Angela Merkel schrieb: Er wollte finanzielle Hilfeleistungen für die Gastronomie – „auch für alle kommenden Zeiten eines Lockdowns“, die im Laufe der Pandemie noch drohen sollten.

Tim Mälzer mit starkem Statement gegen 2G-Plus: „Bullerei“ wochenlang geschlossen

Als die 2G-Plus-Regel der Gastro immer mehr zusetzte und gleichzeitig die Inzidenzen in Hamburg immer weiter stiegen, reagierte Mälzer wieder einmal öffentlichkeitsstark und mit gewohntem lauten Knall: Fans feierten Tim Mälzer regelrecht, nachdem er die „Bullerei“ wegen der 2G-Plus-Regel geschlossen hatte. Gegenüber dem Hamburger Abendblatt erklärte der „Kitchen Impossible“-Koch, dass er die „Bullerei“-Schließung nicht zuletzt angesichts der Gesundheit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ergriff. „Wir haben auch gesehen, wie sehr die Situation die Mitarbeiter belastet. Die haben natürlich dieselben Ängste wie die Menschen auf der Straße, die haben alle Familie und Freunde. Man soll Kontaktbeschränkungen einhalten, aber an ihrem Arbeitsplatz ist das genaue Gegenteil der Fall“.

Im Zuge dessen spricht der 50-jährige TV-Koch erneut von „größeren Herausforderungen“, die er der Gastronomie gegenüber dem Hamburger Abendblatt attestiert hatte. Auslöser wären die „vorgesehenen Restriktionen“ gewesen. „Die wir sehr unterstützen“, lautete der Nachsatz, den Mälzer nicht unerwähnt lassen wollte. Ein weiteres Mal nutze der Koch die Möglichkeit, um seinen Frust von der Seele zu reden: Es würde weiterhin keine Ideen geben, die in der Branche für Erleichterung sorgen könnten.

Tim Mälzer übt Kritik an Corona-Maßnahmen – doch muss auch selbst einstecken

Allerdings kamen Fragen an seinen wahren Beweggründen auf, als im Januar 2022 angeblich wegen Corona Mälzers „Bullerei“ geschlossen hatte – seine anderen Restaurants aber geöffnet blieben. Und so geriet der Fernsehkoch auf einmal selbst in die Kritik. Er erklärte, er hätte eine „Fürsorgepflicht im Wesentlichen unseren Mitarbeitern gegenüber“ zu erfüllen – galt die etwa nur bestimmten Mitarbeitern? Namentlich hatte das „Pezzo di Pane“ am Frankfurter Flughafen gleichermaßen weiterhin geöffnet wie das „Hausmann‘s“ in Frankfurt und Düsseldorf. Vorgeworfen wurde dem Koch, die 2G-Plus-Regel in Hamburg benutzt zu haben, um sich medienwirksam zu inszenieren. Doch, das muss man ihm lassen: Er hatte mit seiner Aktion vielen Gastronomen aus der Seele gesprochen – und als „Küchenbulle“ wieder einmal einer ganzen Branche die nötige Aufmerksamkeit verschafft.

Tim Mälzer: „Bullerei“ hat wieder geöffnet – kann die Gastronomie ab 20. März wieder durchatmen?

Es war der 3. Februar 2022, als Mälzer dann offiziell die Wiedereröffnung verkündete: Die Bullerei ist wieder offen – mit eigener Teststation vor der Tür. Das Restaurant erstrahlt seit jeher im neuen Glanz: „neue Speisekarte, frischer Elan, ausgeruhtes Team, jede Menge Freude“ sowie mit einem „stimmig-handfesten und leicht umsetzbaren 2G+Konzept“. Die Neueröffnung liegt erst kurz zurück, dennoch hat sich in der Hansestadt seitdem einiges geändert: Die Luca-App wurde in Hamburg auf Eis gelegt, Ungeimpfte haben wieder alte Freiheiten zurück und pünktlich zum Nordderby zwischen dem HSV und Werder Bremen am letzten Februarwochenende darf der HSV wieder vor 25.000 im Volksparkstadion spielen.

Derweil greift in der Gastro ab dem 4. März also noch einmal die 3G-Regel, bis dann ab dem 20. März fast alle Corona-Regeln in Hamburg fallen sollen. Die letzten zwei Jahre waren hart, nun kommt der lang ersehnte Lichtblick, der diesmal hoffentlich lange hält. An Star-Koch Tim Mälzer hat die Zeit genagt – doch er wusste sie zu nutzen, nicht zuletzt aufgrund der selbsterklärten „Fürsorgepflicht“. Gegenüber seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie der gesamten Gastro-Branche. Der „Küchenbulle“ hat ihr eine Stimme gegeben – und ist dabei ziemlich gewachsen. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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