Schauspieler und Regisseur regt sich auf

Til Schweiger (ARD): „Schämt euch!!“ – Tatort-Kommissar streitet für Ehre von toten Kameraden – Angriff gegen SPD

  • Enno Eidens
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Hamburgs erster Oberpöbler und Tatort-Liebling Til Schweiger (ARD) hat in der Bild-Zeitung geblättert und sich derbe aufgeregt. Das seiner Ansicht nach respektlose Gedenken an einen in Afghanistan gefallenen Bundeswehr-Soldaten will Schweiger so nicht hinnehmen.

Hamburg – Der TV-Tausendsassa Til Schweiger liest spät nachts in der Bild-Zeitung und wird wütend. Diesmal kommentiert Schweiger nicht die Coronavirus-Pandemie, sondern einen Vorfall, der eigentlich weit in der Vergangenheit liegt. Doch eine aktuelle SPD-Entscheidung bringt viel Ärger und neuen Wind ins Thema.

Schauspieler:Til Schweiger
Geboren:19. Dezember 1963 (Alter 56 Jahre), Freiburg im Breisgau
Größe:1,78 m
Ehepartnerin:Dana Schweiger (verh. 1995–2014)
Fernsehsendungen:Tatort, Lindenstraße, Joe & Max

Der Hamburger Til Schweiger setzt sich nun für das Andenken an einen deutschen Soldaten ein. Dahinter stecken ein dramatisches Gefecht in Afghanistan und eine schwierige politische Entscheidung in Bielefeld (Nordrhein-Westfalen).

Das Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit hat der Gefallene Soldat Martin Augustyniak erhalten. Til Schweiger will mehr. (24hamburg.de-Montage)

Tatort-Star Til Schweiger (ARD): Hamburger TV-Schauspieler setzt sich für in Afghanistan gefallenen Bundeswehr-Soldaten ein

Das Thema Soldaten-Gedenken ist in Deutschland ein schwieriges. Viele lehnen die Gedenkkultur und das Verehren von Veteranen und Gefallenen ab, weil es zu sehr an die martialisch-militärische Symbolik aus dem Dritten Reich erinnert. Andere verlieren ihre Geliebten, Verwandten, Kameraden und Freunde im Gefecht und wollen diesen Respekt zollen. Emotional also eine extrem aufgeladene Thematik.

Klar, dass Hamburgs lautester TV-Promi Til Schweiger sich auch hier wortgewaltig an der Debatte beteiligt. Im aktuellen Fall geht es um einen Platz, der nach einem gefallenen Soldaten benannt werden sollte – diese Ehrung wurde nun in letzter Sekunde von der Bielefelder SPD gestoppt. Die Entscheidung hat dabei viel mit den aktuellen Entwicklungen rund um die Bundeswehr zu tun, doch Til Schweiger hat keinerlei Verständnis für die SPD-Aktion in Bielefeld. Die hat jedoch einen triftigen Grund für ihre Entscheidung.

Auf Instagram teilt Til Schweiger an frühen Mittwochmorgen, 26. August 2020, gegen 1 Uhr, den Bild-Artikel zum Thema. Unter dem Titel „Keine Ehrung für gefallenen Afghanistan-Helden“ rollt das Blatt dabei den Fall auf und erklärt, wie es zum Stopp der Ehrungs-Aktion gekommen ist. In Kürze: Beim Karfreitagsgefecht am 2. April 2010 fallen drei Soldaten der Bundeswehr im Kundus in Afghanistan. Ein Taliban-Hinterhalt verursachte den Verlust. Der Bielefelder Soldat Martin Kadir Augustyniak stirbt mit 28 Jahren, ein Platz in seiner Heimatstadt sollte nach ihm benannt werden. Damals war auch die SPD dafür, nun macht sie einen Rückzieher. Til Schweiger liest den Bild-Artikel, wird sauer und äußert sich im Netz in gewohnter Schweiger-Manier.

Til Schweiger ist „fassungslos und traurig“ – heftige Äußerungen im Netz sorgen für Fan-Debatte

Til Schweiger postet in gewohnt direkter Sprache. Neben einem Foto von dem Bild-Artikel schreibt er auf seinem Instagram-Profil, was er von der ausgebliebenen Ehrung für den gefallenen Bundeswehr-Soldaten hält. „Unsere Soldaten sind jederzeit bereit ihr Leben für uns zu opfern, obwohl sie selber Familien haben. Warum verweigert man einem Helden dieses bisschen Anerkennung?!“, schreibt der aufgeregte Schweiger. Dann wird es richtig emotional: „Ich bin fassungslos und traurig! Schämt euch!!“ Zudem solidarisiert sich Schweiger mit lebenden und toten Bundeswehr-Soldaten: „Ich jedenfalls bin sehr stolz auf Martin Augustyniak und alle seine Kameraden!“ Eins klares Pro-Gedenken-Statement vom TV-Star aus Hamburg.

Doch was sagen seine Fans? Auch im Instagram-Kommentarbereich von Til Schweiger läuft die deutsche Gedenk-Debatte an. Über 100 Kommentare wurden (Stand Mittwoch, 26. August, 8:30 Uhr) zu dem Beitrag verfasst. Ein Großteil der Schweiger-Fans ist dabei klar auf seiner Seite, viele bedanken sich für seinen Einsatz. Am beliebtesten ist dabei dieser Kommentar vom Nutzer tim_hk: „Danke Herr Schweiger, wahre Worte. Schön dass es noch einen Promi mit Rückgrat gibt“ – viele weitere Kommentatoren beschweren sich über die vermeintlich respektlose Aktion der Bielefelder SPD und fordern eine aktivere Gedenkkultur für Soldaten. Dabei ignorieren viele den Grund, aus dem sich die Bielefelder SPD gegen diese spezielle Ehrung entschieden hat.

Til Schweigers Aufreger – das steckt hinter der Soldaten-Ehrung in Bielefeld

Die Bezirksvertretung im Bielefelder Stadtteil Brackwede hatte sich Anfang des Jahres 2019 auf einen Gedenk-Plan geeinigt. Im Breedenviertel sollte ein Platz nach dem gefallenen Soldaten Martin Kadir Augustyniak benannt werden. Damals war die Linke dagegen, die SPD als größte Fraktion im Bezirk war dafür, es gab eine Mehrheit für den Plan. Logistische Probleme wie Adress-Änderungen oder ähnliches hätte es nicht gegeben. Eine Bank aus Stein, die an den gefallenen Soldaten erinnert, steht dort bereits. Doch nun der SPD-Rückzieher: Bei einer Sitzung am 20. August zieht die Fraktion ihre Zustimmung zurück. Es ist umstritten, aus welchen Gründen dies geschah.

Offiziell gibt der SPD-Bezirkschef Hans-Werner Plaßmann an, dass man sich wegen Neonazi-Enthüllungen bei der Bundeswehr* gegen die Ehrung entschieden hätte. merkur.de berichtete über die krassen Vorfälle. Zudem habe man in der SPD-Fraktion Sorge, dass „dieser Platz zu einem Heldenverehrungsort aufgebaut werden soll.“ Die CDU-Fraktion kritisiert den Vorschlag und laut Bild-Zeitung wird in der Bezirksvertretung auch noch eine andere Motivation vermutet: Am 13. September sind in Nordrhein-Westfalen Kommunalwahlen. Die SPD wolle sich eine mögliche Koalition mit der Linken nicht verscherzen. Ob dieser Konflikt dafür ausreichen würde?

Auf Instagram scheinen kaum Nutzer diese Debatte zu kennen. Nur „hangfertigte_unikate“ weist darauf hin, dass es sich bei der ausbleibenden Umbenennung des Platzes nicht um eine „Verweigerung der Anerkennung“ handele. Zudem fordert die Nutzerin dazu auf, sich mit den Gründen des SPD-Rückzugs auseinanderzusetzen. Ihre klaren Worte an Til Schweiger: „Wer soll denn damit angesprochen werden?! Ihre Kritik ist mir zu undifferenziert.“ Ob Schweiger ihre Äußerung liest, bleibt zu bezweifeln. Die Debatte im Kommentarbereich auf Instagram geht derweil munter weiter. * merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Maurizio Gambarini/Kai-Axel Döpke/Bundeswehr/dpa/picture alliance/DB/bs/Motor Presse Stuttgart

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