Kritik an Corona-Maßnahmen

Til Schweiger: TV-Star wird zum Corona-Zyniker

  • Enno Eidens
    vonEnno Eidens
    schließen

Til Schweiger fällt mit seinen Beiträgen zu den Coronavirus-Maßnahmen auf. Der in Hamburg lebende Schweiger verwirrt und schockt mit seinen Instagram-Posts.

Hamburg/Niendorf – Der in Hamburg lebende ARD-Tatort-Schauspieler Til Schweiger nimmt selten ein Blatt vor den Mund. Auf Instagram und Facebook sagt der 56-Jährige oft und gerne seine Meinung. Mit provokanten Beiträgen zur Coronavirus-Krise ist er bisher nicht aufgefallen. Nun postet Schweiger provokante und zynische Beiträge auf Instagram. 

ARD-Tatort-Schauspieler Til Schweiger verwirrt mit Beiträgen zum Coronavirus

Auch wenn einige Projekte von Til Schweiger aufgrund des Coronavirus zurzeit pausieren müssen, war die Welt bei Til Schweiger vor einem Monat größtenteils noch in Ordnung. Das zeigte Schweiger zumindest in einem Instagram-Video. Genüsslich trinkt er einen „richtig geilen Weißburgunder“ vor seiner Wohnung in Hamburg, in der er mit Freundin Sandra wohnt und bedankt sich mit etwas Werbung beim Hersteller.

Im selben Video ruft er seine Fans auch dazu auf, sich an die Abstandsregelungen gegen das Coronavirus zu halten. Ein anderes Video zeigt Schweiger im Hamburger Hirschpark. Er beschwert sich über Menschen, die zu nah an ihm vorbeilaufen. Gedanken, die viele Deutsche im Moment bewegen, wenn sie vor die Tür gehen.

Til Schweiger genießt einen Weißburgunder in seinem Hamburger Garten.

Doch nun wird der Schauspieler Til Schweiger offenbar zum Kritiker der aktuellen Coronavirus-Maßnahmen. Den Anfang machte dabei ein Bild, in dem der Wahlhamburger sich über das Robert Koch-Institut (RKI) lustig macht. Die vermittelte Aussage: Alle Menschen sterben sowieso irgendwann, Coronavirus hin oder her. Schweigers Kommentar dazu: „Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich mich wegwerfen.“ Bei seinen Fans führt das zu gemischten Reaktionen. Einer antwortet Schweiger ganz eindeutig: „Ganz ehrlich, manchmal postest du hier so einen Mist!“

Kritiker und Verschwörungstheoretiker sammeln sich in Til Schweigers Kommentarbereich

Für andere Fans trifft Til Schweiger hier den richtigen Ton. Sie kritisieren die Maßnahmen der Regierung und einige verharmlosen das Coronavirus. „Es ist ein ganz normaler Virenstamm. Hilfe, es sterben Massen an Menschen jedes Jahr an der Grippe“, sagt eine Frau in Schweigers Kommentarbereich

Mit einem kurzen Video geht Til Schweiger auf diese Menschen zu, ob gewollt oder nicht. Es zeigt einen Ausschnitt aus einem Video von Dr. Bodo Schiffmann. Schiffmann nennt das Coronavirus dabei eine „Erkältung“ und erklärt vermeintlich, warum die Fallzahlen in Deutschland viel geringer seien, als öffentlich angenommen. Dem Arzt geht es dabei vor allem um die Maskenpflicht. Im vollständigen Video auf YouTube nennt er diese „Nötigung“, will Klage erheben. 

Viele Fans widersprechen Schweiger. Verweisen auf gute Quellen, ordnen die Gefährlichkeit des Coronavirus ein und kritisieren den von Schweiger zitierten HNO-Arzt.

Til Schweiger fördert kritische Stimmen gegen Coronavirus-Maßnahmen im Netz

Im Internet regt sich immer mehr Widerstand gegen die aktuellen Coronavirus-Maßnahmen. Ob Til Schweiger sich bewusst ist, was seine Äußerungen dazu beitragen, ist unklar. Sein neuster Post auf Instagram zeigt einen Artikel des Hamburger Abendblatts. Auch dort wird über die Interpretation von Fallzahlen diskutiert. Angesprochen wird auch der Begriff „Übersterblichkeit“. Also wie weit das Coronavirus die durchschnittliche und sozusagen „übliche“ Sterberate angehoben hat.

Im Münchner Merkur wird die statistische Erhebung der Übersterblichkeit erklärt*. Es stimmt, in Deutschland gibt es hier bisher keine rechnerische Auffälligkeit. Aber die Zahlen werden nur für Berlin und Hessen erhoben. Für acht europäische Länder wird zudem ein „extrem hohes Übermaß“ an Toten festgestellt: Wales, Schottland, Frankreich, Niederlande, Belgien, Spanien, Italien und England.

Ist die Coronavirus-Maskenpflicht in Deutschland sinnvoll?

Über die Interpretation von Statistiken kann und sollte man streiten. Mit Experten. Auch über Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus kann und sollte man streiten. Deutsche Politiker tun dies tagtäglich. Ob Til Schweigers verwirrendes Posten von Beiträgen dazu beiträgt, ist fraglich. Das RKI geht weiterhin von einer hohen Gefährdung für die Gesundheit der deutschen Bevölkerung aus. Risikogruppen sind besonders gefährdet. Die Coronavirus-Welle ist nicht vorbei.

Ja, die Fallzahlen in Deutschland steigen immer langsamer an. Da mag es irritieren, dass es ab diesem Montag eine Maskenpflicht gilt, an die sich auch Hamburger halten müssen. Doch: jede Maßnahme kann die Ausbreitung einschränken. Niemand möchte eine zweite Infektionswelle anstoßen, die dank der inzwischen deutschlandweiten Verbreitung des Virus deutlich kritischer als die erste werden könnte. Deshalb sollten Maßnahmen und Empfehlungen befolgt werden. Til Schweiger hat offenbar langsam genug von der Quarantäne. 

* merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

Rubriklistenbild: © Til Schweiger/Instagram

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare