ARD-Tatort-Star pfeift auf alle

Naidoo ein homophober Rassist? Tatort-Schweiger spielt Xavier-Anwalt – Til „mag den Kerl so sehr“

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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Til Schweiger schonungslos ehrlich: Der Schauspieler erzählt, warum er sich mit dem umstrittenen Sänger Xavier Naidoo solidarisiert, warum ihm Hater relativ egal sind und welche Vorwürfe er sich selbst macht.

Hamburg – Wahrscheinlich ist es seiner Schauspiel-Natur zuzuschreiben, dass sich Til Schweiger immer wieder in andere Rollen einfindet. Mal ist er der Coronavirus-Verschwörer, mal der Vollblut-Daddy, mal der sanfte Liebhaber. All diese Seiten von sich teilt der 56-jährige Wahlhamburger regelmäßig in der Öffentlichkeit und macht sich damit angreifbar. Doch Hater und Shitstorms scheinen den Produzenten einer Schweinsteiger-Doku wenig zu stören. Sogar nicht einmal, wenn es um üble Rassimus-Vorwürfe geht.

SchauspielerTil Schweiger
Geboren19. Dezember 1963 (Alter 56 Jahre), Baden-Württemberg
Größe1,78 m
EhepartnerinDana Schweiger (verh. 1995–2014)
KinderEmma Schweiger, Luna Schweiger, Lilli Schweiger, Valentin Florian Schweiger
FernsehsendungenTatort, Lindenstraße, Joe & Max

Til Schweiger: Hamburger Schauspieler packt aus über Rassismus-Vorwürfe gegen Sänger Xavier Naidoo

In einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ packt Til Schweiger aus, warum er sich mit Xavier Naidoo solidarisiert. Gegen den Sänger wurden in der Vergangenheit harte Vorwürfe erhoben, unter anderem weil er sich den Coronavirus-Verschwörern anschloss.* Außerdem steht Naidoo schon seit längerem wegen rassistischen Äußerungen in der Kritik. Til Schweiger stellte sich stets hinter den Ex-DSDS-Juror. Gegenüber der „Bild-Zeitung“ stellte Schweiger hinsichtlich eines fragwürdigen Songtexts von Naidoo im März 2020 klar: „Das Lied kenne ich nicht. Aber das sieht man ja seit Jahren, wie der Xavier immer in der Presse als homophob, antisemitisch und ausländerfeindlich dargestellt wird.“

An dieser Meinung über Xavier Naidoo scheint Til Schweiger auch weiterhin festzuhalten. So sagt er gegenüber der Zeit: Ich kenne Xavier seit zwanzig Jahren und weiß, dass er kein Rassist ist. Das klingt jetzt komisch, aber ich mag den Kerl so gern, dass ich mir diese Lieder gar nicht anhören will.“ Auf Nachfrage der Zeit, ob es ihn nicht dränge, sich selbst ein Bild zu machen, erwidert der 56-Jährige: „Sie klingen wie mein Vater.“

Til Schweiger über Xavier Naidoo: warum er den umstrittenen Sänger in Schutz nimmt. (24hamburg.de-Montage)

Offenbar will sich Til Schweiger von niemandem etwas vorschreiben lassen - nicht einmal von seinem Vater, der ihm sogar Naidoo-Songtexte zugeschickt habe mit der Warnung: „Til, pass mal auf, was du hier sagst.“ Immerhin: Vielleicht höre er sich die Lieder nun bald einmal an, erzählt er im Interview. Denn dass er die Songtexte nicht kenne, sei „ein Vorwurf, den [er sich] selber machen" könne.

Til Schweiger will nicht mehr von allen Kritikern geliebt werden

Til Schweiger gibt zu, dass er es gar nicht mehr anstrebe, von seinen Kritikern gemocht zu werden. Er selbst habe sich mittlerweile von seinem Wunsch verabschiedet, von allen Kritikern in Deutschland geliebt zu werden. Die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet: „Wenn du das machst, musst du dich aufknüpfen, da habe ich keine Lust drauf.“ Aus Spaß habe er zu seinen Kollegen gesagt: „Lasst uns ein Thema nehmen, das den Kritikern gut gefällt, dann drehen wir den Film in Schwarz-Weiß mit möglichst wenig Schnitten und ganz langen Einstellungen und versuchen, jeglichen Erzählrhythmus zu vermeiden.“ Der Hamburger Filmemacher Schweiger glaubt jedoch, „wenn du so einen Film machst und ‚Regie: Til Schweiger‘ drauf schreibst, würde er trotzdem nichts gewinnen.“

So ganz egal zu sein, was die Öffentlichkeit über ihn denkt, scheint es Til Schweiger dann aber wohl doch nicht zu sein: Erst kürzlich löste er mit einem Post, in dem er Morddrohungen gegen Virologen wie Christian Drosten verharmloste, einen massiven Shitstorm aus. Daraufhin löschte er den Post wieder und entschuldigte sich öffentlich. So krasse Verschwörungstheorien wie aus Attila Hildmanns Telegram-Gruppe postet Til Schweiger nicht. Und auch Hildmanns Journalisten-Attacke in Berlin würde man bei Schweiger in dieser Form nicht sehen.

Am Ende gesteht Til Schweiger auch ein: Anerkennung im Leben suche jeder, davon nehme er sich selbst nicht aus. Wenn er Filme produziere, dann freue er sich natürlich über Anerkennung. Dies sei aber nicht sein wichtigster Triebfaktor: „Wenn jemand, der etwas Künstlerisches macht, behauptet, Anerkennung sei ihm egal, dann nehme ich den nicht für voll. Das merkst du ja schon als Kind; wenn du ein Bild malst und es deinen Eltern schenkst und sie nur einmal kurz draufgucken und „Prima“ sagen. Es ist schon schön, Anerkennung zu bekommen, aber du setzt dich jetzt nicht hin und schreibst ein Drehbuch und sagst: Wie muss ich jetzt ein Drehbuch schreiben, um Anerkennung zu bekommen?“

Quelle: 24hamburg.de

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Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/picture alliance

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