Hamburgs Küchen-Profis auf 180

Tim Mälzer und Steffen Henssler (Vox): Coronavirus-Aufstand der TV-Köche

  • Johanna Ristau
    vonJohanna Ristau
    schließen

Der Wellenbrecher-Lockdown steht an. Ab 2. November 2020 müssen auch Hamburgs Restaurants und Bars die Türen wieder schließen. Das betrifft auch die berühmten TV-Köche Tim Mälzer und Steffen Henssler.

Hamburg – Der bevorstehende deutschlandweite Lockdown light sorgt auch in der Freien und Hansestadt Hamburg* erneut für Aufruhr. Nach der langen Durststrecke, die die Gastronomie im Frühjahr 2020 wegen des Coronavirus* durchzustehen hatte, muss die Gastronomie in Hamburg nun erneut einen Monat schließen. Lediglich Liefer- und Abholservice ist erlaubt. Doch Bars und Kneipen haben keine Chance. Sie werden im November 2020 keinen Cent verdienen und müssen sich auf staatliche Unterstützung verlassen.

Koch:Steffen Henssler
Geboren: 27. September 1972 (Alter 48 Jahre), Neuenbürg
Größe:1,8 m
Ausbildung: California Sushi Academy (1999)
Eltern: Werner Henssler
Bücher: Grill den Henssler - Das Kochbuch, Hensslers Küche

Grill den Henssler“-Star Steffen Henssler, der gerade ein weiteres Restaurant in München eröffnet und in Hamburg und Lübeck mehrere Sushi- und Fastfood-Restaurants betreibt, ist auf dem Baum. Auf Facebook macht er seinem Ärger Luft: „Das wird ja immer besser“, leitet er seinen Wut-Kommentar ein, „Die einzige Antwort unserer politischen Führungsriege auf die steigenden Infektionszahlen (ob das gleichzusetzen mit Kranken ist, sei mal dahingestellt), ist ein Lockdown, wo unter anderem als erste Maßnahme Restaurants und Kneipen wieder geschlossen werden.“

Steffen Henssler („Grill den Henssler“, Vox) hat kein Verständnis für Lockdown light und Gastronomie-Shutdown

Was den TV-Koch daran am meisten ärgert: „Also die Branche, die umfassende Hygienekonzepte entwickelt hat wie z.B. Plexiglaswände zum Separieren der Tische aufzustellen und sowieso schon 30 Prozent der Tische herausschmeißen musste, um den Abstand einhalten zu können.“ Steffen Henssler ist auf 180: „Das komplette Personal läuft mit Masken rum – ob im Service oder in der Küche. Im Zweifel wurde noch in komplette Lüftungskonzepte investiert etc. etc.“. Darüber spricht Mälzer auch in einem emotionalen Interview*.

Tim Mälzer (links) und Steffen Henssler gehen auf die Barrikaden. Quell des Unheils ist Angela Merkels „Lockdown light“. (24hamburg.de-Montage)

Was den Koch besonders ärgert, ist der Fakt, dass die Gastronomie laut Robert-Koch-Institut (RKI) nicht für die steigenden Coronavirus-Infektionszahlen verantwortlich ist, aber am stärksten darunter leide. Henssler: „Das einzige, was mir dazu einfällt, ist politische Hilflosigkeit. Ich frage mich, was es bringen soll, eine Branche dichtzumachen, die ja nachweislich kein Infektionstreiber ist.“

„Grill den Henssler“-Star Steffen Henssler, Dirk Block und Tim Mälzer regen sich über Lockdown light auf

Dazu fällt dem Hamburger prompt eine passende Frage ein: „Da wäre es doch mal interessant zu wissen, wer denn überhaupt der große Infektionstreiber ist.“ Mit einem Appell an die Politik beendet er sein Statement auf Facebook: „In meinen Augen ist es wirklich an der Zeit, dass Entscheidungen aufgrund von fundierten Erkenntnissen getroffen werden!“ Und der Vox-Koch ist längst nicht der einzige Hamburger Gastronom, den Angela Merkels „Wellenbrecher-Lockdown“ niederschlägt.

Auch Dirk Block, Sohn des Steak-Giganten Eugen Block, ist schockiert von den Plänen der Kanzlerin: „Ich bin tief betroffen von diesem zweiten Lockdown für die Gastronomie. Dafür habe ich kein Verständnis, denn unsere Branche ist nicht schuld daran, dass die Zahl der mit Corona-infizierten Menschen so stark steigt. Wir haben alle viel Geld in Hygienekonzepte investiert“, sagt er dem „Abendblatt“.

Tim Mälzer, Stephan von Bülow und Yvonne Tschebull: Hamburger Gastronomen unterschreiben Brandbrief an Angela Merkel

Tim Mälzer, der seine Bullerei nach Renovierungen gerade wieder eröffnet hat*, ist sauer auf die Politik. Gemeinsam mit Gastronomin Yvonne Tschebull und Stephan von Bülow, dem Geschäftsführer der Eugen Block Holding, unterzeichnet er sogar einen Brandbrief an die Bundeskanzlerin, der sich gegen die erneute Schließung von Restaurants richtet, wie das „Hamburger Abendblatt“ hinter Bezahlschranke berichtet. In dem Brief heißt es unter anderem: „In der aktuellen zweiten Welle der Corona-Pandemie war die Gastronomie nie ein Infektionsherd.“

Außerdem betonen die Unternehmer, dass viele von ihnen den sogenannten Lockdown light nicht überstehen werden. Zudem gefährde Merkels „Wellenbrecher-Lockdown“ viele Jobs – etwa von Studenten und Alleinerziehenden. „All das steht auf dem Spiel“, betonen die Unterzeichner des Brandbriefs. Wirtschaftssenator Michael Westhagemann unterstützt Steffen Henssler, Tim Mälzer und Co. Er stellt klar, dass viele ein vorbildliches Hygienekonzept erarbeitet hätten und viel Geld investiert hätten, um ihre Läden zu öffnen, wie er am Mittwoch, 28. Oktober 2020 im Rathaus betont.

Tim Mälzer (Vox) kämpft sich mit Abhol- und Lieferservice durch den Lockdown light im November 2020

Tim Mälzer gibt sich dennoch kämpferisch. Auf Instagram kündigt er an: „Das Beste draus machen! Stetig wechseln die nötigen Corona-Maßnahmen und schränken den wirtschaftlichen Betrieb der Gastronomie dadurch beträchtlich ein. Wir geben uns aber nicht so leicht geschlagen und werden mit der üblichen Bullerei-Power auch durch diese Zeit kommen.“

Heißt im Klartext: Ab dem 2. November 2020 muss das Kult-Restaurant an der Schanze zwar erneut schließen. Allerdings werde drinnen weiter gekocht, denn der Liefer- und Abholservice soll im Lockdown light erlaubt bleiben. „Wir planen gerade eifrig und mit voller Wucht, damit ihr auch während dieser Zeit in den vollen Genuss der Bullerei-Küche kommt.“ 24hamburg.de berichtet auch über einen Bullerei-Kellner, der ausgepackt hat, wie Tim Mälzer als Chef tickt. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

Rubriklistenbild: © Lech Muszynski/dpa & Axel Heimken/dpa & Henning Kaiser/dpa

Kommentare