Deutschrapper kauft Klickzahlen

Shindy manipuliert YouTube-Charts: Millionen Fake-Klicks für Deutschrap-Song „AAA“

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Deutschrapper Shindy kauft YouTube-Klicks für den gemeinsamen Song „AAA“ mit Kollegen Laas Unltd. Eine vermeintlich gängige Praxis unter hiesigen Sprechgesangskünstlern. Doch Shindy kündigt dies ganz offen auf Instagram an.

  • Deutschrapper* Shindy kauft YouTube-Klicks.
  • AAA“-Song mit Laas Unltd. soll gepusht werden.
  • Klickkäufe sollen im Deutschrap weit verbreitet sein.

Bietigheim-Bissingen/Berlin - Deutschrapper Shindy sorgt mit Klickkäufen auf dem Videoportal YouTube für ordentlich Aufsehen. Diese beziehen sich auf den Song „AAA“, einer Kollaboration des 31-Jährigen mit seinem Kollegen Laas Unltd., die am Freitag, 17. Juli 2020 veröffentlicht wurde. Eine Praxis, die unter hiesigen Sprechgesangkünstlern weit verbreitet sein soll. Die Protagonisten halten sich zunehmend verdeckt, im Gegensatz zu Shindy selbst, der sein Vorhaben für alle transparent via Instagram ankündigte.

Rapper:Shindy
Geboren:7. September 1988 (Alter 31 Jahre), Bietigheim-Bissingen
Vollständiger Name:Michael Schindler
Ausbildung:Universität Hohenheim
Plattenfirmen:Ersguterjunge, Friends with Money

Shindy: Deutschrapper manipuliert die YouTube-Charts und kauft Klicks in Millionenhöhe - Unterstützung für Kumpel Laas Unltd. und dessen Song „AAA“

Deutschrapper Shindy gilt als exzentrische Person, die in Interviews oft unnahbar wirkt und mit permanenter Arroganz und Ignoranz dem Gegenüber zum Verzweifeln bringt. Alles Teil seines Images, das ihm gleichermaßen sowohl Freunde als auch Feinde beschert hat. Unterm Strich bleibt aber festzuhalten, dass Michael Schindler, so der bürgerliche Name Shindys, der Erfolg recht gibt.

Deutschrapper Shindy polarisiert mit seiner Art und zeigt sich gerne in teuren Luxus-Gütern. (Screenshot)

Davon zeugen seine vier Solowerke, die allesamt den ersten Platz der Deutschen Album-Charts erreichen konnten. Ausverkaufte Tourneen und Klicks in Millionenhöhe auf den gängigen Streamingdienst-Portalen tun ihr Übriges, um das Bild eines Mannes zu festigen, der Luxus liebt und lebt. In seiner Musik berappt der aus Bietigheim-Bissingen (bei Stuttgart) stammende Shindy bevorzugt teure Luxus-Marken, in denen er sich auch gerne in der Öffentlichkeit und in Musikvideos zeigt.

Diese sorgen mitunter für Kontroversen und führen gar zu Rechtsstreitigkeiten. Die Rede ist in diesem Fall vom „Affalterbach“-Musikvideo, wegen dem es zunächst zu einem Disput mit Deutschrapperin Shirin David* gekommen war. Kaum konnte dieser ad acta gelegt werden, sah sich Shindy mit einem Gerichtsprozess konfrontiert. In diesem ging es darum, dass der Schwabe ein falsches Kennzeichen für die visuelle Umsetzung seines „Affalterbach“-Songs benutzt haben und mit diesem auch herumgefahren sein soll.

Die Deutschrapper Laas Unltd. (links) und Shindy haben den gemeinsamen Song „AAA“ veröffentlicht, für den Letzterer YouTube-Klicks gekauft hat. (Screenshot)

Wie von 24hamburg.de-DeutschRap berichtet, kam Shindy mit einem blauen Auge davon, wurde freigesprochen und musste lediglich 10.000 Euro an eine gemeinnützige Stiftung spenden*. Zuvor war eine Geldstrafe von bis zu 175.000 Euro im Gespräch gewesen. Viel Geld, das sich mit Sicherheit auch gewinnbringend in YouTube-Klicks investieren lässt. Wie Schindler seine Fans in seiner Instagram-Story wissen ließ, hat er eben dies nun getan. Und zwar für den Song „AAA“ vom Deutschrapper Laas Unltd., der in Form eines Featureparts Unterstützung von Shindy erhält.

Shindy: Deutschrapper umgeht YouTube-Kontrollmechanismen und supportet Battle-Rapper Laas Unltd.

„Leute wundert euch morgen nicht über die Zahlen. Ich habe für Laas paar Klicks gekauft“, hieß es von Shindy auf Instagram einen Tag vor dem offiziellen Release der musikalischen Zusammenarbeit mit Laas Unltd. Dieser stammt gebürtig aus Gütersloh, ist in Hamburg* aufgewachsen, lebt seit 2011 in Berlin und gilt als exzellenter Battle-Rapper. Ein klassisches Beispiel eines MCs, der unter dem Radar der breiten Öffentlichkeit stattfindet und außerhalb des Deutschrap-Kosmos wohl nur den wenigsten ein Begriff ist.

Dementsprechend können seine Songs und Videos hinsichtlich der Klicks auf YouTube oder Spotify auch nicht mit den Zahlen diverser Größen des hiesigen Sprechgesangs mithalten. Hierzu zählen beispielsweise Bonez MC*, Capital Bra* oder Gzuz*, die seit einigen Jahren zuverlässig mit Aufrufen in Millionenhöhe rechnen können. Ungeachtet der Qualität, welche die Songs von Laas Unltd. aufweisen, tun diese sich nachweislich schwer, Klicks jenseits der Millionen zu generieren.

Jüngstes Beispiel hierfür ist der Track „Mos Def“, eine Referenz an die mittlerweile als Yasiin Bey auftretende Hip-Hop-Größe aus New York. Der Song wurde am Dienstag, 2. Juli veröffentlicht und konnte bisher rund 25.000 Klicks auf YouTube verzeichnen. Demgegenüber steht „AAA“, die musikalische Zusammenarbeit mit Shindy, die erst am 17. Juli auf der Videoplattform hochgeladen wurde - und bereits auf 2,5 Millionen YouTube-Aufrufe kommt. (Stand der Daten: 20. Juli 2020, 12:05 Uhr).

Grund hierfür ist der wahrgemachte Klick-Kauf vom rappenden Schwaben, der die Kontrollmechanismen des Videoportals locker umgehen und den Musiktitel „AAA“ prominent auf YouTube platzieren konnte. Bisher ist gar nur eine Audioversion verfügbar, die aber unbeirrt auf die drei Millionen Klicks zusteuert. Für Laas Unltd. scheint dies kein Problem zu sein, der sich zwar nicht direkt zu den eigentlich unlauteren Mitteln geäußert hat, aber Shindys Ankündigung in seiner eigenen Instagram-Story repostete.

Shindy: Deutschrapper ist kein Einzelfall - Klickkäufe als gängige Praxis in der Szene

Erst 2019 hatte deutsche YouTube-KanalY-Kollektiv“, der vom öffentlich-rechtlichen Angebot „funk“ betrieben wird, über Chart-Manipulation im großen Stil berichtet. In einer Videodokumentation deckt der Reporter Ilhan Coskun auf, wie im Deutschrap Klicks gekauft werden, um damit quasi reichweitenstarke Werbung für die eigene Person und damit auch für die eigene Musik zu schalten.

Coskun traf sich mit einem gewissen Kai, der komplett vermummt war und sich als die Person vorstellte, die „aus dir einen Star machen“ kann. Er gab an, für die Speerspitze des deutschsprachigen Raps Streaming- und Klickzahlen manipuliert zu haben. Ein Vorgehen, von dem die betroffenen Künstler zum Teil nicht einmal etwas wüssten. In diesem Fall sei der Auftrag durch das entsprechende Management eingegangen. Getreu dem Motto „Fake it till you make it“ wird sich auch Shindy gedacht haben, dass er seinen Kumpel Laas Unltd. „etwas“ pushen kann. * 24hamburg.de und nordbuzz.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Instagram/shindy

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