Latenter Rassismus bei ZDF & ARD

Lanz und Maischberger grenzen aus: Rassismus-Talk über vom Rassismus betroffene, statt mit betroffenen Menschen

  • Yannick Hanke
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    Enno Eidens
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Die Talkshows Markus Lanz (ZDF) und Maischberger (ARD) diskutieren Rassismus und den Fall George Floyd. Zu Gast sind nur Weiße, kein einziger schwarzer Mensch ist eingeladen. Im Netz hagelt es Kritik.

  • Markus Lanz*: Rassismus-Talk ohne schwarze Gäste.
  • Dasselbe bei Maischberger am Mittwoch: ARD-Talkshow nur mit Weißen.
  • Donald Trump hat „schon alles falsch gemacht“.

Hamburg/Berlin - In der Markus Lanz-Ausgabe von Dienstag, 2. Juni 2020 diskutieren die Gäste und der Moderator den Mord an George Floyd und die damit verbundenen Proteste in den USA. Es wird über Rassismus gesprochen – jedoch ohne schwarze Gäste in der Runde zu haben. Für denselben Fehler kassierte bereits die ARD-Moderatorin Sandra Maischberger einen heftigen Shitstorm.

Journalistin:Sandra Maischberger
Geboren:25. August 1966 (Alter 53 Jahre), München
Größe:1,64 m
Ehepartner:Jan Kerhart (verh. 1994)
Kinder:Samuel Kerhart
Bücher:Wie wollen wir leben?, Was unser Land in Zukunft zusammenhält

Skandal bei ARD und ZDF: Maischberger und Lanz sprechen über Rassismus und ignorieren die Betroffenen

In der ARD-Talkshow von Mittwoch, 3. Juni wird Thema Rassismus diskutiert. Dies erfolgt im Kontext des brutalen Mordes am Afroamerikaner George Floyd, der die Welt in Atem hält. Der zuletzt als Türsteher tätige 46-Jährige wurde durch einen gewalttätigen Polizeieinsatz in Minneapolis getötet. Seitdem gibt es viele Proteste in den Metropolen der USA, da sich viele US-Amerikaner solidarisch mit den Opfern von Rassismus zeigen wollen. Die flächendeckenden Demonstrationen sind zu Teilen in Plünderungen und Ausschreitungen ausgeartet, Bilder gingen und gehen um die Welt.

Natürlich spricht auch die 53-jährige Sandra Maischberger mit ihren Gästen darüber. Doch vorab ist auf Twitter ein Shitstorm par excellence entstanden, da in der Runde der ARD-Moderatorin nur weiße Personen zu Gast sein werden. Eingeladen sind Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD), Virologin Helga Rübsamen-Schaeff, Wissenschaftsmoderator Dirk Steffens, ARD-Börsenexpertin Anja Kohl und „Focus“-Kolumnist Jan Fleischhauer. Und die Empörung ist groß.

Nicht wegen der Gäste per se, sondern weil nicht zumindest eine schwarze Person eingeladen ist, die über ihre negativen Erfahrungen im Kontext von Rassismus berichten kann. Der Journalist Stephan Anpalagan twittert Folgendes: „Finden Sie es denn gar nicht komisch, wenn ausgerechnet sechs weiße Menschen vor einem Millionenpublikum über Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze diskutieren? Exakt das ist nämlich Teil des gesamten Problems.“

Sandra Maischberger: Nächster Skandal - ARD-Redaktion blockt Grünen-Politiker mit Migrationshintergrund auf Twitter

Und steht damit nicht alleine. Auch der ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete Özcan Mutlu verschafft seiner Wut Luft: „Keine Ausrede, wenn über Rassismus diskutiert wird, dann gehören von Rassismus betroffene Menschen ins Studio. Lernt endlich, mit Betroffenen zu reden, statt über sie!“ Zuviel für Maischbergers Redaktion, die den Politiker kurzerhand blockiert.

„Da muss man mit vielen weiteren Menschen seit Jahren Hass und Hetze im Netz ertragen und erdulden, und dann wird man blockiert“, zeigt sich Mutlu äußerst empört. „Ich kann es immer noch nicht fassen. Bezeichnend, dass es immer noch keine Reaktion von den Verantwortlichen gibt“. Immerhin: mittlerweile wurde die Blockierung des Grünen-Politikers wieder aufgehoben. Ein Statement der Redaktion steht aber nach wie vor aus. „Lasst uns doch alle erst mal die Sendung anschauen und anschließend gerne weiterdiskutieren. Machen wir das so?“, heißt es lediglich in einem Tweet.

So könnte es besser gehen: Publikums-Vorschlag an Maischberger

Neben aller Kritik gibt es auch konstruktive Hinweise an Sandra Maischberger und Markus Lanz. Laura Cadéz (Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, European Union of Jewish Students) schlägt auf Twitter eine bessere Besetzung vor. Mit diesen Gästen sollte ein Talk über Rassismus ihrer Meinung nach stattfinden:

Markus Lanz: ZDF-Runde mit selben Problem wie Maischberger – Rassismus-Talk nur mit Weißen

Es bleibt die Frage, ob das deutsche Fernsehen rassistisch ist, da sich nur weiße Personen über das Thema Rassismus und die Polizeigewalt in den USA äußern dürfen. Diesen Eindruck erweckt zumindest auch der Talk von Markus Lanz. Selbes Thema, selbes Problem - denn von Rassismus betroffene Menschen sucht man hier vergeblich.

Bei Lanz wird über Polizeigewalt, soziale Ungerechtigkeit und strukturellen Rassismus diskutiert. Zu Gast ist die Finanzexpertin Sandra Navidi, der Politikwissenschaftler Christian Hacke sowie die Journalisten Elmar Theveßen (Leiter ZDF*-Studio Washington), Johannes Hano (ZDF-Studio New York) und Markus Feldenkirchen.

Treffen sich sechs Weiße: In der Hamburger Runde von ZDF-Moderator Markus Lanz wird über Rassismus gegen schwarze Personen diskutiert - vom Rassismus betroffene Menschen Gäste fehlen jedoch. (Screenshot)

Auch hier: nur weiße Gäste. Klar – Expertise ist da, dennoch ist genau dies Teil des Problems, das diskutiert werden soll: struktureller Rassismus. Genau das kritisieren die vielen Stimmen auf Twitter und Instagram. Die Redaktion von Markus Lanz hätte Menschen einladen müssen, die persönliche Erfahrungen mit Rassismus gemacht haben. So ist es wie es so häufig ist: Weiße reden über die Probleme von schwarzen Menschen.

Donald Trump, Polizeigewalt und Rassismus – Die Debatte bei Markus Lanz

Konsens herrscht über US-Präsident Donald Trump, von dem ein äußerst düsteres Bild skizziert wird. Direkt zu Beginn wird zu ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen geschaltet, der über die Lage in Washington zu berichten weiß. „Das Recht auf Meinungsäußerung wurde mit Füßen getreten. Man sagt, hier wurde die Bibel für eine parteipolitische Botschaft missbraucht“, erzählt der vor dem Weißen Haus stehende Journalist.

Parallel dazu werden Bilder von Trump eingeblendet, die zeigen, wie er vor einer Kirche eine Bibel hochhält. Damit dieses Foto überhaupt zustande kommen konnte, hatte die Polizei am Montagabend, 1. Juni 2020 die Demonstranten vorher mit Tränengas von der Straße verdrängt. Zuvor hatte Trump den Demonstranten auch mit dem Einsatz der Armee gedroht. Ein verrücktes Verhalten, wie es von Theveßen genannt wird, der auch darüber berichtet, wie die Polizei Schritt für Schritt vorrücken würde.

„Es ist ein Rückfall in autoritäre Zeiten. Es scheint, als würde die Demokratie auf dem Spiel stehen. Da kippt gerade was. Es stellt sich die Frage, wie man da wieder rauskommt. Trump beruft sich auf ein Gesetz aus dem Jahr 1807. Dort steht, dass er das Recht hat, Truppen zu schicken, wenn er nicht mehr durchkommt. Es ist durchaus möglich, dass er Truppen ins Land schickt. Massive Waffengewalt kann folgen“, skizziert der ZDF-Journalist ein fast schon dystopisch wirkendes Bild.

Markus Lanz: ZDF-Runde nennt Donald Trump einen „Egomanen“

Das weiß Lanz zu kommentieren. „Die tiefe Spaltung Amerikas ist vor dem Weißen Haus angekommen“, merkt der Moderator an. Nun schaltet sich auch Finanzexpertin Sandra Navidi, die ihren Wohnsitz in New York hat, mit ins Geschehen ein. Für sie seien die Vorkommnisse keine Überraschung.

„Ich habe schon 2016 vorhergesagt, dass Trump Militär auf die Straßen bringt. Ich denke, das ist erst der Anfang. Trump würde in jedem Fall so vorgehen. Das ultimative Ziel ist es, die Wahl auszusetzen. Die Lügen werden so groß gemacht, dass man sich gar nicht mehr vorstellen kann, dass es nicht stimmt. Er hat bei der Corona-Krise Rettungsmaßnahmen sabotiert, er hat die finanziellen Mittel gezielt eingesetzt, um die Gouverneure unter Druck zu setzen“, ordnet Navidi die Situation in den USA ein und zeigt sich nicht sonderlich optimistisch.

Ähnlich sieht es auch „Spiegel“-Journalist Markus Feldenkirchen. Ihm zufolge würde es Donald Trump „nicht um die ermordeten Menschen [gehen]. Es geht ihm nur um sich. Die Kultivierung des starken Mannes hat er auf die Spitze getrieben. Alle Gouverneure, die eine intelligente Polizeistrategie fahren wollen, bezeichnet er als Weicheier“, beschreibt er den US-Präsidenten als Egomanen.

Markus Lanz: Diskussion über ermordeten George Floyd in Hamburger ZDF-Runde

Im Kontext dessen wird auch konkret über den ermordeten George Floyd und die Entwicklungen rund um die Straftat gesprochen. Theveßen erläutert dazu den Autopsiebericht: „Die offizielle Obduktion besagt, dass ein Polizist mit seinem Knie dem Opfer die Luft abgedrückt hat. Dies sei für den Tod nicht ursächlich. Eine zweite Obduktion, die von der Familie in Auftrag gegeben wurde, sagt, sie sei ursächlich. Auch die Wirbelsäule und die Lunge wurde so zusammengedrückt, dass er erstickt ist“.

Der Täter, ein Polizist, der nun angeklagt wird, habe bereits einige Abmahnungen aufgrund von Fehlverhalten erhalten. 18 Beschwerden gegen ihn hätte es bereits gegeben. Zudem hätte ein weiterer Polizist ebenfalls sechs Beschwerden gesammelt. „Wir sehen hier, dass es Wiederholungstäter sind. Man muss sich fragen, wie die noch arbeiten konnten“, fragt der ZDF-Korrespondent aus Washington in die Hamburger* Runde herein.

Markus Lanz: ZDF-Runde mit Kritik an Donald Trump – Selbstkritisches Hinterfragen bleibt aus

Journalist Feldenkirchen findet es besonders erschreckend, dass keiner der Polizisten nur einen Funken Empathie gezeigt hätte, obwohl das Opfer bereits mit Handschellen auf dem Boden lag. Nun taut auch der Politikwissenschaftler auf. „Ein rassistisches Momentum in der Figur des Cops war schon immer drin. Korruption gehört auch noch dazu. Der Cop hat nicht das Image von der Polizei als dein Freund und Helfer. Was er ausstrahlt, ist Angst", erklärt Christian Hacke.

Hacke weiter: „Dieser Rassismus ist eingebaut und er ist systemisch. Die Polizisten haben eine kurze Ausbildung von 15 Wochen und werden überwiegend an den Waffen geschult“. Seine „Diagnose“: Die Angst werde systematisch verbreitet. Trump als Präsident repräsentiere ein antiliberales Amerika. Die USA steckten nun in einer Doppelkrise. Beim Coronavirus-Sars-Cov-2 habe der Präsident schon alles falsch gemacht und die Schuld von sich geschoben. Auf Besserung ist kaum zu hoffen. Auch nordbuzz.de berichtet* über den Rassismus-Talk bei Markus Lanz.

Einen Tag später ist Rassismus und der beinahe Bürgerkrieg in den USA wieder Thema im ZDF-Talk bei und mit Markus Lanz in Hamburg; im Mittelpunkt steht dabei jedoch ein FDP-Mann: Wolfgang Kubicki*.

Quelle: 24hamburg.de-MarkusLanz*

* nordbuzz.de und 24hamburg.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz

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