Ex-Innensenator zurück in Hamburg

Ronald Schill war selten still: Die prolligsten Sprüche von Richter Gnadenlos

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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Ronald Schill ist wieder in Hamburg und tauscht kurzzeitig Sankt Pauli gegn São Paulo. Der ehemalige zweite Bürgermeister der Hansestadt Hamburg ist jetzt Wahlbrasilianer. Bei seinem Besuch in der Elbmetropole will sich mit Fans treffen. Die seien hiermit an seine proletischen Sprüche erinnert.

HamburgRonald Schill ist vielen Nicht-Hamburgern vor allem durch seine Auftritte bei diversen Trash-TV-Sendungen bekannt. Er war bei „Promi Big Brother“ (Sat.1), „Goodbye Deutschland“ (RTL), „Adam sucht Eva“ (RTL) und natürlich „Promis unter Palmen“ (Sat.1). Vielleicht ist das vom ehemaligen Richter Gnadenlos so gewollt. Denn in Hamburg denken die meisten eher ungern an die politische Karriere des ehemaligen Innensenators zurück.

PolitikerRonald Schill
Geboren23. November 1958 (Alter 61 Jahre), Hamburg
Vollständiger NameRonald Barnabas Schill
ParteiPartei Rechtsstaatlicher Offensive
FernsehsendungenPromis unter Palmen
BücherDer Provokateur: Autobiografie, Ronald B. Schill: der Eisbrecher?!
AusbildungUniversität Hamburg (1992), Staatliche Handelsschule mit Wirtschaftsgymnasium Weidenstieg,

Ronald Schills politische Karriere in Hamburg

Ronald Schill ist zurück in Hamburg. Er habe nach der Sendung „Promis unter Palmen“ (Sat.1) viel Fanpost aus Deutschland erhalten. Die wolle er jetzt abarbeiten. „Nächtliche Bürgersprechstunde bei meinen weiblichen Fans“, nennt es der mittlerweile 62-Jährige anzüglich in einem Interview mit der Bild. Und weiter: „Ich habe ja früher als Senator schon die Disco-Mädchen nachts zur Privatführung ins Rathaus eingeladen.“

Ronald Schill ist von Brasilien nach Hamburg gereist. Der politisch gescheiterte, ehemalige Innensenator will Fans treffen.

Vielleicht war auch das ein Grund, warum die politische Karriere von Ronald Schill in Hamburg eher von kurzer Dauer war. Er hatte im Jahr 2000 die Partei Rechtsstaatlicher Offensive gegründet. Die lebte vor allem vom Ruf, den sich der spätere zweite Bürgermeister als Richter erworben hatte. Richter Gnadenlos wurde er genannt. Seine Partei forderte unter anderem, dass sich nicht therapierbare Sexualstraftäter freiwillig kastrieren lassen sollen. Außerdem wollte er der Polizei Hamburg* 2.000 neue Beamten spendieren, um die Gewaltkriminalität in Hamburg zu halbieren.

Ronald Schill wird zweiter Bürgermeister in Hamburg und Innensenator

Bei der Bürgerschaftswahl am 23. September 2001 brachten ihm die markigen Forderungen satte 19,4 Prozent der Stimmen. In einer Koalition aus seiner Schill-Partei mit der FDP und der CDU wurde er so hinter Ole van Beust zweiter Bürgermeister und Innensenator in Hamburg. Ein Erfolg, der auch der sehr gewogenen Berichterstattung zu verdanken gewesen sein soll, wie Bildblog mit Hinweis auf einige Beispiele berichtet. Zum Dank soll die Ehefrau des hauptverantwortlichen Redakteurs eine Stelle in Hamburgs Justizbehörde bekommen haben. Im Jahr 2004 wurde der Journalist selbst Pressesprecher für Firmen von Ulrich Marseille. Ein Parteifreund von Ronald Schill.

Ronald Schill zeigt sich bei Promi Big Brother eher offensiv und prahlt mit seinen Frauen-Geschichten.

Ronald Schills Karriere endete so abrupt, wie sie begonnen hatte. Bereits im Februar 2002 kam es zu einer Kokain-Affäre. Das Fernsehmagazin Panorama warf Ronald Schill den Konsum des Rauschmittels vor. Ein erster Haartest sei nach Angaben von Ronald Schill positiv gewesen. Ein zweiter negativ. Im Jahr 2008 soll ein Video im Internet aufgetaucht sein, dass den ehemaligen zweiten Bürgermeister Hamburgs beim Konsum zeigen soll.

Ende der politischen Laufbahn von Ronald Schill

Zum endgültigen Ende seiner politischen Laufbahn kam es im Sommer im Jahr 2003, als Ole von Beust, damals erster Bürgermeister von Hamburg, Ronald Schill von seinen Pflichten entband. Der Innensenator sei „charakterlich nicht geeignet“ das Amt zu führen. Hintergrund war, dass Ronald Schill den CDU-Politiker erpresst haben soll. Der Vorsitzende der Schill-Partei hätte an die Öffentlichkeit bringen wollen, dass Ole von Beust seinen Lebenspartner Roger Kusch zum Justizsenator gemacht habe.

Danach ging die Politiker-Karriere von Ronald Schill steil bergab. Im Dezember 2003, also gerade einmal zwei Jahre nach dem sensationellen Wahlergebnis in Hamburg, wurde Ronald Schill aus seiner eigenen Partei ausgeschlossen. Danach wanderte er nach Brasilien aus und wohnt seitdem im Favela Pavão-Pavãozinho in Rio de Janeiro. Das Einkommen von Ronald Schill beträgt rund 2.000 Euro Pension pro Monat.

Aufgebessert hat sich Ronald Schill sein monatliches Einkommen mit diversen Fernsehauftritten. Auch und gerade in Trash-TV-Formaten.

Ronald Schill: Die Fernsehauftritte von Richter Gnadenlos

  • 2014: Promi Big Brother (Sat.1) – 3. Platz
  • 2014: TV total (ProSieben).
  • 2014: Die große ProSieben PokerStars.de-Nacht – 3. Platz
  • 2014: Akte – Ronald Schill im Verhör (Sat.1).
  • 2014: Maischberger (ARD)
  • 2015: Goodbye Deutschland! Die Auswanderer (Vox)
  • 2016: Adam sucht Eva – Promis im Paradies (RTL)
  • 2019: Abenteuer Leben Spezial – Ronald Schill trifft Hartz-IV-Empfänger (Kabeleins)
  • 2019: Dinner Party (Sat.1)
  • 2020: Promis unter Palmen (Sat.1) – 8. Platz.

Ronald Schill, der schon während seiner politischen Laufbahn nicht dafür bekannt war, ein Leisetreter zu sein, schoss bei seinen Auftritten einige markige Zitate raus. Bestimmt auch, um zu provozieren. Aber vor allem, weil es seine Art zu sein scheint. „Catchphrase-freudig“ nannte ihn der Spiegel, was Ronald Schill zum „perfekten modernen Trash-Kandidat“ mache. Sollte der Plan von Richter Gnadenlos gewesen sein, sein politisches Wirken mit grenzwertigen TV-Auftritten und Interviews in Vergessenheit geraten zu lassen, hätte er zumindest dort Erfolg gehabt.

Ronald Schill: Die prolligsten Sprüche des ehemaligen Innensenators

  • Als Kandidat seiner Partei: „Ziel ist es, den politischen Wechsel in Hamburg zu schaffen und unsere Stadt so sicher zu machen, wie München oder Stuttgart. Schöner ist Hamburg schon jetzt.“
  • Vor seinem Einzug ins Promi Big Brother Haus: „Dieses Experiment wird das Schlechteste von uns zum Vorschein bringen.“
  • Im Promi Big Brother Haus: „Essen, was gar ist. Trinken, was klar ist. Sammeln, was rar ist. F***en, was da ist“
  • Im Promi Big Brother Haus, gerichtet an Journalist Paul Janke, der zuvor sagte, er würde wegen seiner vielen Reisen Frauen immer nur oberflächlich kennenlernen: „Wie tiefgehend oberflächlich? Jetzt wollen wir es wissen: Wie tief dringst du ein? Wie hältst du deine nächtlichen Bekanntschaften bei der Stange? Wann warst du zuletzt an der Scheide deines Lebens?“
  • Promi Big Brother: „Wir sind Oben, da wo wir hingehören!"
  • Promi Big Brother: „Mein Platz ist bei den Elenden, bei den Verstoßenen."
  • Adam sucht Eva: „Was die Leute in Deutschland über mich denken ist mir sch***egal, deshalb kann ich hier die Sau rauslassen“
  • Bei Adam sucht Eva über Kamasutra: „Das Buch hat mich persönlich nicht beeindruckt, weil ich schon reichlich Erfahrung habe.“
  • Bei Maischberger über seine Gründe für den Einstieg in die Politik: „Ich gründe jetzt eine Partei und werde das Bundesland Hamburg innerhalb von 15 Monaten erobern. Und dann seid ihr draußen und ich bin drin.“
  • Bei Maischberger über seinen „Erpressungsversuch“ gegen Ole von Beust: „Ich bin ja kein moralisierender Mensch und selbst auch eher unmoralisch.“
  • Bei Maischberger auf die Frage, ob er zur Politikverdrossenheit beigetragen hätte: „Diese Verantwortung habe ich nicht empfunden. Weil die Politik in Deutschland so mittelmäßig und schlecht ist, dass es durch mich mit Sicherheit nur hätte besser werden können.“
  • Promis unter Palmen: „Damals als Senator hatte ich fünfzig Premieren im Jahr. Jede Woche eine neue Frau, weil ich da so begehrt war, wie ein Cornetto Erbeer.“
  • Bei Promis unter Palmen über nächtliche Privatführungen im Hamburger Rathaus: „Da habe ich dann jede Nacht meine private Königin gekrönt und das edle Mobiliar entweiht.“

Auch bei seiner Rückkehr nach Hamburg geizt Ronald Schill nicht mit markigen Worten. Er lebe gerne in Brasilien. Grund seien die Frauen: „Die Frauen definieren sich dort mehr als Frauen und spielen mit ihren weiblichen Reizen. Das wird ihnen hier in Deutschland leider abtrainiert.“ Und weiter: „Lieber barfuß zum Strand als mit dem Mercedes ins Büro! Ich bin immer noch als Single glücklich.“ * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Miguel Villagran/dpa

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