Eklat vor Gericht

Deutschrap-Prozess: Fler rastet im Saal aus – dann wird es persönlich

  • Fabian Raddatz
    vonFabian Raddatz
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Schreien, Pöbeln, Fliehen: Flers dritter Prozesstag verläuft aufreibend. Erst bringt ihn ein alter Bekannter auf die Palme, dann kommt Intimes ans Licht.

  • Fler steht wegen diverser Anklagen vor Gericht.
  • Am dritten Prozesstag kommt es zum Eklat: Journalist bringt Rapper auf die Palme.
  • Nachdem Fler aus dem Gericht stürmt, kommt viel Privates aus seiner Kindheit ans Licht.

Berlin – Der Deutschrapper Fler hat eine kurze Zündschnur, das ist kein Geheimnis: Immer wieder tickt Patrick Losensky, wie Fler mit richtigem Namen heißt, aus, wenn ihm einer quer kommt. Dann schlägt er schon mal einen RTL-Kameramann krankenhausreif (siehe Video). Überhaupt treiben Journalisten und Polizisten dem Deutschrapper die Zornesröte ins Gesicht.

Rapper: Fler
Geboren:3. April 1982 (Alter 38 Jahre), Berlin
Größe:1,85 m
Vollständiger Name:Patrick Losenský
Musiklabels: Maskulin, Aggro Berlin, Ersguterjunge

So auch jetzt in einem Berliner Gerichtssaal. Da läuft derzeit der Prozess gegen Fler. Und der dürfte sich noch hinziehen, die Anklageliste länger als die Anzahl seiner Alben: Im Raum stehen 20 Tatvorwürfe gegen den Musiker. Sogar von einer mehrjährigen Gefängnisstrafe ist die Rede. Da dürfte ihm der Ausraster, den er jetzt im Prozess hatte, wenig helfen.

Flers Ausraster vor Gericht: Journalistem Schläge angedroht

Es ist der dritte Prozesstag, Fler sitzt gerade auf der Anklagebank, als der erste Zeuge des Tages Platz nimmt. Der Tagesspiegel-Reporter Sebastian Leber. Den hat Fler zum Fressen gern: Der Journalist berichtete über den Zoff zwischen Fler und Bushido. „Flizzy“ gefiel das gar nicht. Auf Twitter drohte er Sebastian Leber Schläge an, schrieb, dass er dem Journalisten einen „Hausbesuch“ abstatten wolle. Fler stand dann aber vorm falschen Haus.

Flizzy vs. RTL: Das ging nicht immer gut aus. Vor Gericht richtete sich Flers Wut aber gegen jemand anderen. (24hamburg.de-Montage)

Von den Drohungen berichtete nun auch Reporter Leber am Prozesstag. Und bei Fler brennen mal wieder alle Sicherungen durch. Wie der „Spiegel“ berichtet, jagte ein Wort das andere: Fler beharrt darauf, dass er und der Journalist, wären sie aufeinander getroffen, ganz normal miteinander gesprochen hätten. Dass er den Reporter wirklich schlagen wollte: „Blödsinn“. Auf Twitter sei er wie in seiner Musik: ein böser Rapper. Fler, die Kunstfigur.

Fler rastet vor Gericht aus: Keiner kann ihn beruhigen

„Ich bin davon ausgegangen, dass er so viel Ahnung von HipHop hat wie ich. Das war mein Fehler“, soll Fler laut „Spiegel“ gesagt haben. „Das ist absurd“, entgegnet der Zeuge. Widerworte, Flers Kryptonit. Das Drama nimmt seinen Lauf. Fler steht auf, sein Blick durchbohrt den Zeugen: „krasser Journalist“, „geh jetzt mal!“ Und der Zeuge geht. Sicher ist sicher.

Doch Fler findet gleich ein neues Opfer. Als die Staatsanwältin ebenfalls Zweifel äußert, dass Fler ein „normales Gespräch“ geführt hätte, fängt der Rapper an zu schreien: „Was reden Sie, Mann?“ „So ein Blödsinn!“ Der Richter kann ihn nicht beruhigen. „Herr Losensky!“ Doch Herr Losensky sieht Rot – und rennt auf den Flur.

Fler rastet vor Gericht aus: Intimes aus dem Privatleben preisgegeben

Dort wartet bereits der nächste Reporter, dieses Mal von „Spiegel TV“. Die mag Fler schon mal gar nicht. Wirklich überhaupt nicht. Er pöbelt los. Justizbeamte und Verteidiger versuchen die Wogen zu glätten. Zurück im Gerichtssaal: Fler will, dass der Tagesspiegel-Reporter verschwindet. „Entweder der verschwindet, oder ich gehe.“ Das Gericht macht da nicht mit – Fler: „Okay, dann gehe ich.“ Dann ist er weg. Die Verhandlung wird ohne ihn fortgesetzt.

Vielleicht auch besser so: Im weiteren Handlungsverlauf kommt viel aus Flers Privatleben ans Tageslicht, wie der „Spiegel“ berichtet. So erzählte Fler etwa einem Psychologen von seiner schwierigen Kindheit und Jugend, die Trennung der Eltern, seiner Zeit im Heim. Und von seinen Panikattacken.

Prozess gegen Fler: „Ich bin cholerisch“

Es wurden auch Anhaltspunkte zu Flers Aggressionsproblem bekannt. Er habe sich in der Hip-Hop-Szene behaupten wollen. „Nur Stress war anerkannt“, soll Fler dem Psychologen gesagt haben. Von den „kriminellen Leuten aus dem Milieu“ halte er sich jedoch fern. Seine Gefühle unter Kontrolle zu halten – damit habe er ein Problem, gestand er. „Ich bin cholerisch und fühle mich schnell ungerecht behandelt.“

Der Prozess wird am 10. Februar fortgesetzt. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Paul Zinken/dpa

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