Rolle rückwärts von Kubicki

Wolfgang Kubicki bei Markus Lanz (ZDF) geoutet: FDP-Mann ganz aus dem Corona-Häuschen – „Hobby-Epidemiologen“

  • Yannick Hanke
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Bunte Themenvielfalt in der Hamburger Runde von ZDF-Moderator Markus Lanz. Es wird über das Coronavirus-Sars-Cov-2, Rassismus im Allgemeinen und die gegenwärtige Situation in den USA gesprochen. Meinungsverschiedenheiten garantiert.

  • Markus Lanz*: Talk über Rassismus und Pandemie.
  • ZDF-Star versus FDPler Wolfgang Kubicki.
  • Schadet Donald Trump sich selbst?

Hamburg/Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe von Mittwoch, 3. Juni 2020 sind FDP-Politiker Wolfgang Kubicki, Filmemacherin Mo Asumang, die Journalistin Melinda Crane und Physiker Dirk Brockmann im Studio in Hamburg-Altona zu Gast. Thematisiert werden das Coronavirus-Sars-Cov-2*, die bürgerkriegsähnlichen Zustände in den USA und Rassismus. Im Fokus: der 68-jährige Kubicki.

Mitglied des Deutschen Bundestages:Wolfgang Kubicki
Geboren:3. März 1952 (Alter 68 Jahre), Braunschweig
Ehepartnerin:Annette Marberth-Kubicki (verh. 1997)
Partei:Freie Demokratische Partei
Amt:Mitglied des Deutschen Bundestages seit 2017
Vorherige Ämter:Mitglied des Deutschen Bundestages (2002 bis 2002)

Markus Lanz: ZDF-Moderator hat FDP-Politiker Wolfgang Kubicki auf dem Kieker – Hitziger Coronavirus-Sars-Cov-2-Talk

Der FDP-Vize Wolfgang Kubicki wird direkt zu Beginn in der kurzen Vorstellungsrunde von ZDF-Moderator Markus Lanz als „sympathischer Hobby-Epidemiologe“ vorgestellt. Von da an hat der italienische Talkmaster den 68-Jährigen auch auf dem Kieker und versucht ihm im Verlauf der Sendung immer wieder aus der Reserve zu locken. Denn egal ob Coronavirus-Sars-Cov-2-Krise oder die Polizeigewalt in den USA - Kubicki hat zu jedem Thema etwas zu sagen. Sehr zur Freude von Lanz.

Nachdem über mehrere Wochen hinweg die aktuelle Pandemie das bestimmende Thema in nahezu jeder Talkshow war und sich so langsam, aber sicher mediale Eintönigkeit einzustellen drohte, gibt es nun neues „Futter“ für die hiesigen Maischbergers, Wills und natürlich auch Lanz‘. Denn mit den Protesten gegen die rassistische Polizeigewalt in den USA, hervorgerufen durch den brutalen Mord am Afroamerikaner George Floyd, ist bereits eine neue Debatte entstanden, welche die gesamte Gesellschaft betrifft. Und damit auch den ZDF-Talk im Hamburger* Fernsehstudio. Dieses Mal darf sogar eine schwarze Person zu Wort kommen - das war zuletzt sowohl in der ARD als auch im ZDF nicht der Fall gewesen*.

Rassismus oder Virus? Proteste oder Lockerungen? Diese Entweder-oder-Fragen haben sich der Redaktion von Markus Lanz gar nicht erst gestellt. Stattdessen ist die Sendung am Mittwoch, 3. Juni thematisch zweigeteilt - und hat mit Kubicki einen Mann in der Runde sitzen, der dem Anschein nach Experte für beide Themen ist.

Markus Lanz (ZDF) und Wolfgang Kubicki (FDP): Ziemlich beste Feinde?

Der FDP-Politiker ist vor allem im Kontext der ZDF-Talkshow kein unbeschriebenes Blatt und in der Vergangenheit verbal immer wieder mit Markus Lanz aneinandergeraten. Stets galt: wird Kubicki eingeladen, ist eine hitzige Debatte garantiert - und damit auch gute Quoten. Der gebürtige Braunschweiger ist es auch, der es als Einziger in der Runde vermag, sich sowohl zu den Geschehnissen in den USA als auch zum Stand der Pandemie-Bekämpfung hierzulande zu äußern.

Damit ihm alle Aufmerksamkeit zuteil wird, startet Kubicki mit einem gewaltigen Vergleich. Als Bilder von der Nationalgarde zu sehen sind, die von US-Präsident Donald Trump nach Washington beordert wurde, sagt der Politiker, dass man sowas eher in Lateinamerika vermuten würde. Dies sorgt für Erleichterung bei US-Journalistin Melinda Crane. „Danke, dass Sie das sagen, ich dachte es wäre politisch inkorrekt!“.

Mit seiner Reaktion würde Trump die US-Wiederwahl gefährden, lautet die Einschätzung des FDPlers. „Trump hat seine Möglichkeiten überschätzt“, stellt Kubicki fest. Und irgendwann würde es den vermeintlich treuen Änhängern des Präsidenten reichen. Sieht Crane jedoch anders. Ihr zufolge würde Trump auch jetzt noch, beispielsweise mit seinem Auftritt inmitte der Aufstände mit einer Bibel in der Hand, zumindest die evangelikalen Wähler erreichen. Diese würden weiterhin zu ihm stehen. Und „das ist die große Tragik“, stellt sie fest.

So etwas „Bigottes und Verlogenes“ hätten viele Amerikaner seit Jahren nicht erlebt. Die Proteste seien „ein historischer Einschnitt“ - vor allem, da sie heterogener seien als in der Vergangenheit. Zudem würde die Ungleichheit zwischen Schwarzen und Weißen durch die Coronavirus-Sars-Cov-2-Krise „mehr denn je aufgezeigt“ werden. Die Polarisierung der Gesellschaft „saugt alles auf wie ein schwarzes Loch“, malt Crane ein düsteres Bild.

Kubichi spricht bei ZDF-Moderator Markus Lanz von Flüchtlingskrise und Coronavirus-Sars-Cov-2

Jetzt darf auch mal wieder Kubicki ran. Er pflichtet der Einschätzung Cranes bei und warnt vor ähnlich polarisierten Verhältnissen in Deutschland. Und das, obwohl er sich erst zur These hat hinreißen lassen, dass derlei Ausschreitungen hierzulande nicht möglich seien. Nun also die Rolle rückwärts: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht die Diskursfähigkeit verlieren“, mahnt der FDPler. In diese Richtung habe sich die Debatte nämlich bereits in der Flüchtlingskrise und nun auch in der Gesundheitskrise durch das Coronavirus-Sars-Cov-2 bewegt.

Sichtlich gelangweilt von den Fragen des ZDF-Moderators Markus Lanz: FDPler Wolfgang Kubicki. Nur bei einem Punkt wacht der Liberale auf ... (Screenshot)

Dies bietet Lanz die Steilvorlage für den zweiten Themenabschnitt der Sendung. Der bereits als „Hobby-Epidemiologe“ vorgestellte Politiker soll sich auch noch zur Pandemie, zum Robert-Koch-Institut (RKI) und dem R-Wert äußern. Kein Problem für den Bundestagsvizepräsidenten, der sich aber nicht so leicht von Lanz aus der Reserve locken lassen will.

„Sie diskreditieren die Politik und die Wissenschaft“, heißt es vonseiten des ZDF-Moderators. Der mitunter leicht zu provozierende Politiker behält jedoch die Ruhe. „Ich sage nicht, dass die Präsentation der Zahlen politisch motiviert ist“, stellt Kubicki mit Blick auf seine einstige Kritik am RKI klar. Es würde aber „politisch Interessierte [geben], die diese Zahlen nutzen“, sagt der 68-Jährige.

Ungleiches Trio: ZDF-Star Lanz, Kubicki und Physiker Brockmann mit Konsens über R-Wert

Die Vorstellung von Personen in weißen Kitteln, die sich überlegen würden, „welche Zahlen Frau Merkel denn gerne hätte“, hält Physiker Dirk Brockmann für absurd und „abwegig. Das ist so weit weg von der Realität, dass es mich amüsiert“. Richtig lachen will darüber aber niemand. Immerhin herrscht am Ende der Sendung ein Konsens über den R-Wert zwischen dem ungleichen Trio, bestehend aus Kubicki, Lanz und Brockmann.

Dieser ominöse Wert gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter durchschnittlich ansteckt. Die Bedeutung sei jedoch übertrieben. Kubicki betont nicht nur mehrfach, dass er den R-Wert einmal selbst nachgerechnet und nach unten korrigiert habe, sondern hält auch daran fest, dass dieser Wert allein „niemals Grundlage freiheitseinschränkender Maßnahmen“ sein dürfe.

Konfrontiert mit den Bildern feierwütiger Raver in Berlin-Kreuzberg am Pfingstwochenende, kann aber selbst der FDP-Mann nur mit dem Kopf schütteln: „Das erschreckt mich auch“. Er ist der Ansicht, dass das Verbot von Massenveranstaltung richtige Maßnahmen seien, denn: „Massenrudelbildung ist kontraproduktiv“. Ähnlich kontraproduktiv wie das „Auseinandernehmen“ von Politiker Bodo Ramelow durch Markus Lanz*?

Quelle: 24hamburg.de-MarkusLanz

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Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz

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