Fleischbusiness-Bashing

Markus Lanz (ZDF) krisiert blutigen Fleischer-Beruf: „Will keiner mehr machen“

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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In der ZDF-Talkshow von TV-Moderator Markus Lanz geht es blutig und tierisch zur Sache: Im Fokus stehen die Fleischindustrie und damit verbundenen Schlachtbetriebe. Die renommierte Journalistin Elisabeth Raether berichtet live über diverse Missstände.

  • Markus Lanz*: Fleischindustrie polarisiert.
  • ZDF-Moderator fasziniert von Schlachtabläufen.
  • Walter Kohl (CDU) schildert Zukunftsvisionen.

Hamburg/Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Mittwoch, 8. Juli 2020 sind Unternehmer Walter Kohl, Journalistin Elisabeth Raether und Regisseur Gero von Boehm zu Gast im Studio in Hamburg-Altona. Während das Coronavirus-Sars-CoV-2* dieses Mal nur einen Randaspekt der ZDF-Talkshow darstellt, wird inhaltlich vor allem über die unzureichenden Zustände in der Fleischindustrie im Allgemeinen und in Schlachtbetrieben im Speziellen diskutiert. Zudem skizziert der Sohn von Helmut Kohl seine Deutschland-Visionen für das Jahr 2030.

Unternehmer:Walter Kohl
Geboren:16. Juli 1963 (Alter 56 Jahre), Ludwigshafen am Rhein
Ehepartnerin:Kyung-Sook Kohl
Kinder:Johannes Volkmann
Geschwister:Peter Kohl
Ausbildung:Harvard University, Insead, Universität Wien

Markus Lanz (ZDF): Hamburger Moderator fasziniert von Abläufen in Schlachtbetrieben - „Zeit“-Journalistin enthüllt Erschreckendes

Direkt zu Beginn erzählt ZDF-Talkmaster Markus Lanz, dass er etwas gelernt habe. „Jedes Mal, wenn wir in ein Stück Fleisch beißen, muss vorher ein Tier sterben“, sagt der 51-jährige Hamburger*. Keine wirklich neue Erkenntnis, in seinem Kern aber auch definitiv nicht falsch. Die Aussage dient als Einstieg bzw. Überleitung zum erste Thema in seiner gleichnamigen Talkshow, der Fleischindustrie. Dafür wird „Zeit“-Journalistin Elisabeth Raether auf ihren Artikel „Tiere töten“ angesprochen, der ihr viel positive Resonanz einbrachte.

ZDF-Moderator Markus Lanz spricht mit „Zeit“-Journalistin Elisabeth Raether über die Zustände in Schlachtbetrieben - und zeigt sich zunehmend faszinierter davon. (Screenshot)

Die Reporterin hatte sich im Zuge ihre investigativen Recherche mit Menschen getroffen, die täglich zig Tiere schlachten. Bevor sie in der Hamburger Runde aber darlegen kann, dass eine Ausbildung zum Metzger drei Jahre dauert, während in Großschlachtereien meist nur ein zweitägiger Lehrgang zum Anlernen angeboten wird, muss Lanz das Rede-Zepter ergreifen. „Das sind Berufe, die will keiner mehr machen“, bilanziert der Moderator. Warum das aber so sei, möchte er von Raether wissen.

Ihre Antwort: „Das liegt daran, dass es einfach unangenehm und belastend ist“. Dies sei auch ein Grund, weshalb immer weniger Tierärzte Schlachthöfe bei Verbesserungen beraten wollen. Mit ihren immer tiefergehenden Schilderungen weckt die Journalistin zunehmend das Interesse von Lanz, dessen Gesicht eine Faszination sondergleichen ausstrahlt. Das Leben müsse gewaltsam aus den Tieren entfernt werden, merkt Raether an. Dies würde auch die Frage aufwerfen, inwiefern und ob überhaupt solch ein Gewaltakt mit Genuss in Verbindung gebracht werden könnte.

Die 41-Jährige würde selbst Fleisch essen und könne es auch verstehen, dass oftmals nicht hinterfragt wird, wie beispielsweise ein Rumpsteak produziert wurde. Was nun folgt, ist nicht für schwache Nerven gedacht und enthält detaillierte Berichte über einen größeren Zeitraum - angefangen bei der Ankunft der Tiere beim Schlachthof, bis hin zu den für manch einen abschreckend wirkenden Bildern von hängenden Schweinehälften. Letztere werden in der medialen Berichterstattung oft als Symbol verwendet, um über den Fall von Ex-Schalke Boss Clemens Tönnies* zu berichten. Doch die Menschen setzen sich nicht nur dem Coronavirus-Sars-CoV-2 aus. Auch multiresistente Keime werden zunehmend zu einem Problem*. Auch Udo Lindenberg hat sich mittlerweile mit deutlichen Worten gegen die Billigfleisch-Industrie* positioniert.

Markus Lanz (ZDF): Von Fleisch zu Kohl - Altkanzler-Sohn skizziert Hamburger Runde seinen „Zukunftsfonds Deutschland“

Über diesen hatte sich bereits Grünen-Politiker Anton Hofreiter bei Markus Lanz echauffiert*, wie 24hamburg.de-MarkusLanz zu berichten weiß. Doch zurück zu Raether, die darauf verweist, dass viele Menschen kein Fleisch mehr essen würden, wenn sie wüssten, wie die Produktion abläuft. Zudem sei es ihr wichtig zu betonen, dass die Arbeiter in den kleinen und großen Schlachthöfen in Deutschland nicht alles traumatisierte, gebrochene Menschen seien. „Aber mit allen macht es was“.

Nach dem Fleisch ist vor dem Kohl und damit wechselt Markus Lanz das Thema. Nun liegt der imaginäre Redeball beim Sohn vom ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl. Volkswirt und Unternehmer Walter Kohl soll über die Coronavirus-Sars-CoV-2-Folgen im Kontext der Wirtschaft sprechen - und beginnt mit einer Frage. „Wie viele Krisen haben wir?“, möchte der 56-Jährige wissen. Nach der medizinischen Krise sieht er eine Wirtschaftskrise aufkommen und prognostiziert letztendlich auch eine dritte Stufe, die sich in Form einer Finanz- und Währungskrise äußern würde.

Damit nicht allzu viel Stille aufkommt und der ZDF-Talkmaster gekonnt einen seiner regelmäßigen Monologe halten kann, plädiert Walter Kohl für einen „Zukunftsfonds Deutschland“. Eine zunächst sperrig wirkende Formulierung, die der Unternehmer jedoch auch präzise zu erläutern vermag. Der Sohn des verstorbenen Altkanzlers versteht hierunter eine privatwirtschaftlich verwaltete Geldanlage mit einer staatlich garantierten, steuerfreien Verzinsung. Deren Geld soll in diverse Zukunftsbereiche investiert werden, beispielsweise in Digital- und Biotechnologie ode Material Sciences.

Auch der von Vox bekannte „Höhle der Löwen“-Star Frank Thelen hatte in der Hamburger Runde von Markus Lanz über seine Zukunftsvisionen gesprochen*. Das weiß 24hamburg.de-MarkusLanz zu schildern. Die Parallele zum Kohl-Sohn: beide beschäftigen sich mit Start-ups, also mit Unternehmensgründungen, die für innovative Geschäftsideen und hohe Renditen stehen. Walter Kohl spricht in diesem Kontext von „jungen Unternehmen“ und wird flugs vom Moderator unterbrochen. Denn dieser sei, ähnlich wie der Rest der Gäste, bei Investitionen in Start-ups raus.

Markus Lanz (ZDF): Uneinigkeit über Start-ups in Hamburger Runde - Walter Kohl präsentiert seine Zukunftvisionen für Deutschland

Im Folgenden muss sich Kohl gegen diverse Argumente zur Wehr setzen und untermauert vehement seinen Vorschlag. Er kontert Lanz mit einer Gegenfrage und möchte von diesem wissen, welche Technologie nach dessen Ansicht für „unsere Kinder“ zukünftig relevant sein wird. „Künstliche Intelligenz“, schießt es sofort aus dem Moderator heraus. „Ohne Start-ups?“, entgegnet der Unternehmer. Daraufhin ist der ZDF-Talkmaster sprachlos.

Kohl hingegen kann munter weiterreden. Im Rahmen der Krise sei eine „gutgemeinte Konjunkturspritze“ zwar hilfreich, doch sei die eigentliche Frage eine andere. Nämlich, wo Deutschland im Jahr 2030 stehen wolle und wie das Land sich aus seiner Exportabhängigkeit befreien wolle. Auf einen gemeinsamen Nenner kommen Lanz und Kohl schlussendlich nicht mehr. Kein Einzelfall, ist der ZDF-Moderator doch oft anderer Ansicht als seine Gäste. Das zeigt auch die jüngere Historie der Talkshow, die 24hamburg.de chronologisch aufgelistet* hat. Zum Finale vor der Sommerpause zeigte sich Star-Koch Tim Mälzer mal wieder ziemlich emotional* Und auch nach der Pause ging es mit zwei SPD-Politikern munter weiter*. * 24hamburg.de und wa.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz

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