Diskussionsrunde spricht über Corona

Markus Lanz (ZDF): Kubicki teilt aus – Spahns Corona-Debakel

  • Jan Knötzsch
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Beim Talk von ZDF-Moderator Markus Lanz flippt FDP-Politiker Wolfgang Kubicki verbal aus. Ein Medizinhistoriker warnt unterdessen vor einer Corona-Dauer-Welle.

  • Der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki ist in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz zu Gast.
  • Die Runde debattiert über den Kurs in der Coronavirus-Krise und die Wirksamkeit des Lockdowns.
  • Medizinhistoriker Prof. Karl-Heinz Leven mahnt vor einer dauerhaften Corona-Welle.

Hamburg-Altona – Neue Sendung, altes Thema: ZDF-Talker Markus Lanz und seine Gäste widmen sich auch am Donnerstag, 4. Februar 2021, wieder einmal der Coronavirus-Krise. Ins Studio eingeladen hat Lanz dafür Wolfgang Kubicki, den stellvertretenden Vorsitzenden der FDP, Physiker Prof. Dirk Brockmann vom Robert-Koch-Institut (RKI), den Medizinhistoriker Prof. Karl-Heinz Leven und die Physiotherapeutin Katharina Blach, die selbst Corona hatte. Zudem ist der Ökonom Clemens Fuest zugeschaltet. FDP-Mann Kubicki spart in der Sendung nicht mit Schuldzuweisungen.

Politiker:Wolfgang Kubicki
Geboren:3. März 1952 (Alter 68 Jahre) in Braunschweig
Ehepartnerin:Annette Marberth-Kubicki (verheiratet seit 1997)
Partei: Freie Demokratische Partei
Amt:Mitglied des Deutschen Bundestages seit 2017, stellvertretender FDP-Vorsitzender

Markus Lanz (ZDF): FDP-Politiker Wolfgang Kubicki kritisiert volle Kanne Jens Spahn

Im Mittelpunkt der Kubicki-Kritik dabei: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Der sei, so Kubicki, nun einmal laut des Pandemieschutzgesetz II der Bundesminister, der in der Verantwortung steht – und habe seiner Ansicht nach versagt: Es gebe nicht genug FFP2-Masken, zu wenige Schnelltests – und zudem sei auch der Impfstoff-Vorrat zu gering, zählt Kubicki, der bei Lanz schon mal ganz aus dem Corona-Häuschen geriet, auf und spricht davon, dass „die Planbarkeit des Lebens nicht mehr möglich“ sei.

FDP-Politiker Wolfgang Kubicki (re.) nutzte die Show von ZDF-Talker Markus Lanz für Schuldzuweisungen an Gesundheitsminister Jens Spahn. (24hamburg.de-Montage)

Man müsse, so Kubicki weiter, zudem auch die Kollateralschäden betrachten, die bisherige Maßnahmen angerichtet hätten. Die Corona-Warn-App bezeichnet der stellvertretende FDP-Vorsitzende als „totalen Flopp“, für das Impfstoff-Dilemma, das in der vergangenen Woche schon den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) in einer Lanz-Sendung in Rage brachte, macht der FDP-Mann, der in einer früheren Lanz-Sendung mächtig Stress mit Sänger Campino hatte, „die EU-Kommission, Frau von der Leyen und die Bundesregierung“ verantwortlich.

Aufruf zur Zensur? ZDF-Talker Marcus Lanz provoziert Kubicki

Scharfe verbale Schüsse von Wolfgang Kubicki, der in der Folgezeit der Diskussion zwischen Physiker Prof. Dirk Brockmann vom RKI und dem Medizinhistoriker Prof. Karl-Heinz Leven aufmerksam zugehört haben dürfte – vor allem, weil er die Meinung seines Parteifreundes Joachim Stamp teilt. Der NRW-Familienminister hat in einem Zeitungs-Interview jüngst angemahnt, Virologen sollten sich mit Auftritten in Talkshows zurückhalten. Diskussionen dieser Art würden in der Pandemiebekämpfung nicht helfen.

Für Markus Lanz ein gefundenes Fressen. „Das ist ein Aufruf zur Zensur“, provoziert er Kubicki, der ihm mit einem energischen „Jetzt kommen Sie mal ein bisschen runter“ antwortet. Zwar würde auch er sich der Meinung anschließen, dass unterschiedliche Virologen sich nicht in einer Talkshow streiten müssten. Andersherum aber würde das bedeuten, dass man keine öffentlichen Debatten und mehrere Meinung toleriere.

RKI-Professor Brockmann widerspricht bei Markus Lanz Medizinhistoriker Leven

Wie so eine Debatte laufen kann, zeigten dann die beiden Professoren in der Sendung. „Die ganze Diskussion, ob es 10- oder Zero-Inzidenz heißt, läuft völlig an der Realität vorbei“, sagte Prof. Karl-Heinz Leven, Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin der Universität Erlangen-Nürnberg. Aus seiner Sicht seien „die Absperrungs-Maßnahmen, die wir heute haben aus dem 16. Jahrhundert.“ Damit ließen sich die Inzidenzzahlen nicht senken: „Das ist völlig irreal. Karl Lauterbach sagte hier kürzlich: Wir kriegen die dritte Welle. Ich sage: Wir kriegen die Dauer-Welle.“

„Ich sage: Wir kriegen die Dauer-Welle“

Prof. Karl-Heinz Leven, Medizinhistoriker

Eine Argumentation, die bei RKI-Vertreter Prof. Dirk Brockmann auf direkten Widerspruch stieß: „Wir sind heute sehr viel besser vernetzt und können viel schneller auf Entwicklungen reagieren“, konterte er den Versuch Levens, das 16. Jahrhundert mit der Gegenwart zu vergleichen. Er belegte dies am Beispiel der australischen Stadt Perth. Hier war bei einer einzelnen Infektion ein kompletter Shutdown für fünf Tage verhängt worden: „Wenn man schnell, stark, kurzzeitig und automatisch reagiert, stabilisiert sich die Lage auch wieder.“ *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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