Corona-Tests zu uneffektiv?

Markus Lanz (ZDF): SPD-Politiker Karl Lauterbach übt Kritik an Coronavirus-Regeln – „wir laufen der Pandemie hinterher“

  • Yannick Hanke
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Die ZDF-Talkshow von Markus Lanz und das Coronavirus-Sars-CoV-2 sind seit einigen Monaten unzertrennlich miteinander verbunden. Dieses Mal gibt SPD-Politiker Karl Lauterbach seine Ansichten zum Besten und spricht vehement von einer „zweiten Infektionswelle“.

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Donnerstag, 13. August 2020 sind SPD-Politiker Karl Lauterbach, Virologe Jonas Schmidt-Chanasit, Elternvertreterin Claudia Pick und der Meteorologe Mojib Latif zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Der Fokus liegt auf dem Gesundheitsökonomen der Sozialdemokraten, der seine Ansichten zum Umgang mit Coronavirus-Sars-CoV-2 mitteilt und mit düsteren Prognosen aufwartet. Wie auch Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD)*.

Mitglied des Deutschen Bundestages:Karl Lauterbach
Geboren:21. Februar 1963 (Alter 57 Jahre), Düren
Ehepartnerin:Angela Spelsberg (verh. ?-2010)
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Amt:Mitglied des Deutschen Bundestages seit 2005
Ausbildung:Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf u.v.m.

Markus Lanz (ZDF): SPD-Politiker Karl Lauterbach prognostiziert eine „zweite Infektionswelle“ – Coronavirus-Sars-CoV-2 beschäftigt Hamburger Talkshow-Runde

In Zeiten der Pandemie gibt es zahlreiche Personen, die in aller Regelmäßigkeit im Rahmen der ZDF-Talkshow von Markus Lanz zu sehen sind. Forscher, Gesundheitsexperten, Virologen – ihr Wort zählt bzw. wird zumindest gerne gehört. Dies gilt auch für Karl Lauterbach, SPD-Politiker, Mediziner und Gesundheitsökonom in Personalunion. Gäbe es eine Startelf an Gästen, die von Mitte März 2020 an für einen fiktiven Kader der Markus Lanz-Fußballmannschaft nominiert werden müsste, der 57-Jährige hätte seinen Platz sicher.

SPD-Politiker Karl Lauterbach prognostizierte in der Hamburger Runde von ZDF-Moderator Markus Lanz eine zweite Infektionswelle. (Screenshot)

Lauterbach zeichnet seine zumeist besonne Art aus, er spricht in aller Gelassenheit über diskussionswürdige Themen* und schafft es, komplexe Sachverhalte adäquat zu veranschaulichen. Nicht zuletzt deswegen scheint der Hamburger* Moderator den Sozialdemokraten immer wieder gerne in seine Runde zu begrüßen. Auch in der neuesten Ausgabe der ZDF-Talkshow gibt es wieder allerhand Themen, über die gesprochen werden soll.

Ob die Erfahrungen nach dem Start des Regelschulbetriebs, die bevorstehende Winterzeit oder die damit einhergehende Situation rund um das Coronavirus-Sars-CoV-2 – an Gesprächsbedarf mangelt es wahrlich nicht. Nach einem etwas längeren Klima-Exkurs vom Meteorologen Mojib Latif, der US-Präsident Donald Trump und das brasilianische Staatsoberhaupt Jair Bolsonaro hart kritisiert, kommt es zum ersten Redebeitrag von Lauterbach.

Geht mit gutem Beispiel voran: SPD-Politiker und Gesundheitsökonom Karl Lauterbach weiß, seine Atemschutzmaske zu tragen.

Moderator Markus Lanz verweist auf dessen Twitter-Aktivitäten und sagt, dass der SPD-Politiker seit sechs Monaten immer wieder auf die große Gefahr der Pandemie aufmerksam machen würde. Daraufhin wird Lauterbach ziemlich deutlich: „Ich mahne nicht nur, sondern mache auch Vorschläge. Wir sind aus meiner Sicht klar am Beginn der zweiten Welle. Der R-Wert* liegt bei 1. Die Fälle sind auf ganz Deutschland verteilt. Das bedeutet aber nicht, dass wir wieder zum Lockdown zurückmüssen“.

Markus Lanz (ZDF): SPD-Gesundheitsökonom Lauterbach und Virologe Schmidt-Chanasit diskutieren über Coronavirus-Tests und „AHA-Regel“

Flugs wird der imaginäre Redeball an Jonas Schmidt-Chanasit weitergegeben, Virologen vom Bernhard-Nocht-Institut. Seiner Ansicht nach würde sich die Gesellschaft in einer Phase der stabilen Kontrolle befinden. Seit Monaten würde versucht werden, die Fallzahlen in Deutschland möglichst gering zu halten. Dieses kühne Bestreben weiß der Experte entsprechend zu kommentieren und einzuordnen.

„Wenn ich eine massive Überforderung des Gesundheitssystems sehe, dann würde man davon sprechen. Wenn wir 10.000 Infektionen pro Tag hätten, wäre das eine andere Situation. An dem Punkt sind wir noch nicht. Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Abstandsregeln wichtig. Es gibt sehr viel zu tun“, heißt es von Schmidt-Chanasit. Die Begrifflichkeit einer „zweiten Infektionswelle“ vermeidet der Virologe konsequent.

Im Gegensatz zu Lauterbach. „Ich glaube, dass der Begriff hilfreich ist. Die Fallzahlen steigen wieder. Je früher ich einwirke, desto bessere Möglichkeiten habe ich. Ohne Lockdown kann ich das jetzt noch gut beherrschen. Der Aufwand ist aber gigantisch. Mit einer klugen Strategie dürfen die Zahlen nicht wachsen“. Nun schwenkt die Kamera wieder zum Virologen. Für ihn sei es wichtiger, die „AHA-Regel“ zu verinnerlichen. Das bedeutet, auf Abstand, Hygiene und die Alltagsmasken zu achten.

Kurze Pause, durchschnaufen, dann folgt der Monolog des SPD-Politikers. „Ich will die Dinge beim Namen nennen und sagen, wie ich die zweite Welle definiere. Beim jetzigen R-Wert habe ich nach vorne gerechnet, um zu sehen, was passiert, wenn wir so weiter machen. In wenigen Wochen sind wir in einem Wachstum, das wir seit Monaten aufgebaut haben. Die Frage ist, reicht das, was wir jetzt machen? Nein, sonst würden die Zahlen nicht steigen“, skizziert Lauterbach ziemlich konkret.

Markus Lanz (ZDF): Konzert von Popsängerin Sarah Connor sorgt für Unverständnis – SPD-Mediziner Lauterbach nennt „Strategie der Gesundheitsämter eine Sysyphusarbeit“

„Es gibt die Gruppe, die glaubt, das Problem ist hinter uns. Jüngere schätzen die Gefahr als geringer ein. Solange es uns nicht so schwer betrifft, verhalten wir uns anders. Meine Position ist, dass die ´AHA-Regel‘ nicht reicht“, platzt es aus dem 57-Jährigen heraus. Hitzig diskutiert wird auch das geplante Großkonzert von Sarah Connor. Wie „nordbuzz“ berichtet, will die Popsängerin aus Delmenhorst (bei Oldenburg) vor bis zu 13.000 Zuschauern auftreten*. Für Unverständnis sorgen aber auch Ausschreitungen von Coronavirus-Demonstranten in Berlin, für die Wolfgang Schäuble klare Worte findet*.

Das sorgt für Unverständnis bei Schmidt-Chanasit, der sagt: „Ich kann mir das Konzert, so wie es geplant ist, nicht vorstellen. Wir wollen keinen zweiten Lockdown. Wir können schauen, welche spezifischen Regeln wir ermitteln“. Dementsprechend würden Massenveranstaltungen wie die Raves auf der Hasenheide in Berlin-Neukölln* mit den Verboten in den Bereich der Illegalität abrutschen. „Ein pauschales Nein ist für die Politiker einfacher, sie müssen sich nicht mit einem Hygienekonzept auseinandersetzen“, mahnt der Virologe. SPD-Mann Stephan Weil tut aber genau dies und führt eine Maskenpflicht in den Schulen ein*.

Lauterbach wiederum sieht das große Problem vor allem bei den Testungen. Hätte man schnelle Ergebnisse, könnten grundsätzlich auch noch mehr Tests durchführen. Dies sei in Deutschland aktuell aber nicht der Fall. „Wir sind, was Teststrategien angeht, noch nicht so weit, wie man sein könnte. Wir verlassen uns in Deutschland sehr stark auf den klassischen Test und der ist sehr teuer“, merkt der SPD-Politiker an.

Der Knackpunkt bzw. die Krux läge darin, dass die Tests sehr genau seien. Deshalb würde es oftmals einige Tage dauern, bis das Ergebnis vorliegt. Praktischerweise hat Lauterbach direkt einen Lösungsansatz parat: „Wir müssen mehr Tests für die Bevölkerung zulassen, die schneller sind. Schnelligkeit ist wichtiger als Genauigkeit“. Zudem bemüht der Mediziner einen interessanten Vergleich: „Wir laufen derzeit der Pandemie hinterher. Die Strategie der Gesundheitsämter ist eine Si­sy­phus­ar­beit“.

Markus Lanz (ZDF): Virologe mit düsterer Prognose – „wir müssen die nächsten Jahre mit dem Virus leben“

Grundsätzlich werden in der Runde von Markus Lanz reichlich Probleme erörtert, die für Kopfschütteln sorgen. „Mit einem viel zu präzisem Test fährt man quasi mit einem Panzer einem Kaninchen hinterher, das schon weg ist“, heißt es von Lauterbach. Hiermit ist gemeint, dass ein Betroffener seine Testergebnisse oft erst dann erhalten würde, wenn die Phase schon wieder vorbei ist. Virologe Schmidt-Chanasit spricht daraufhin erneut über illegale Veranstaltungen, die in ihre Häufigkeit zunehmen würden.

Dies wird von Lanz kommentiert, der anmerkt, dass sich die Leute langsam weigern würden, die geltenden Maßnahmen zu befolgen. Denn pauschale Verbote hätten erst dazu geführt, dass Entscheidungen hinterfragt werden. Die düstere Prognose des Virologen: „Wir müssen die nächsten Jahre mit dem Virus leben“. Bilder vom überfüllten Timmendorfer Strand, zu denen sich CDU-Politiker Daniel Günther in der ZDF-Talkshow äußern musste* (siehe auch 24hamburg.de-Twitter-Tweet oben), lassen dies vermuten Annalena Baerbock hingegen wurde von Lanz als Kanzlerkandidatin ins Spiel gebracht*. * 24hamburg.de, fr.de, merkur.de und nordbuzz.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz

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