Streit um Kanzlerkandidaten

Markus Lanz (ZDF): Schulz beleidigt Söder – „Provinzpolitiker“

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
    schließen

Martin Schulz (SPD) ist Gast in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz und ätzt gegen Söder. Das Thema: die Corona-Impfstoffe und die anstehenden Bundestagswahlen.

  • Martin Schulz (SPD) war bei Markus Lanz in der ZDF-Talkshow zu Gast.
  • Der ehemalige Europapolitiker und SPD-Kanzlerkandidat sprach über die Kritik an der Impfstoff-Beschaffung.
  • Bei der Debatte über das SPD-Umfragetief platzte Schulz der Kragen.

Hamburg – Erst zum Schluss wurde es emotional: Mit scharfen Worten hat der ehemalige SPD-Kanzlerkandidat und Europapolitiker Martin Schulz (SPD) in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz den Bundestagswahlkampf angeheizt. Angesprochen auf die schlechten Umfragewerte des sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten Olaf Scholz schrieb Schulz dessen mögliche Konkurrenten, die beiden Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) und Markus Söder (CSU), als „Provinzpolitiker“ ab. Das erhitzte dann doch die Gemüter der anderen Gäste.

Deutscher Politiker:Martin Schulz (SPD)
Geboren:20. Dezember 1955, Hehlrath bei Eschweiler
Wohnort:Würselen bei Aachen
Ämter: Präsident des Europaparlaments a.D.

Neben Schulz waren in der Sendung am Donnerstag, 28. Januar 2021, auch „Welt“-Journalistin Dagmar Rosenfeld, Intensivmedizinerin Viviane Zotzmann, ZDF-China-Korrespondentin Stefanie Schoeneborn und der rheinland-pfälzische CDU-Politiker Christian Baldauf zu Gast. Weit über eine Stunde hatte Schulz zuvor mit Moderator Markus Lanz und den anderen Teilnehmern vor allem nur über ein Thema diskutiert: Corona.

Corona-Debatte: Zuerst geht der Blick nach China und Europa

Nach einem Blick nach China, wo die Corona-Pandemie vor mehr als einem Jahr ihren Anfang genommen hatte, ging es über zur deutschen und europäischen Corona-Politik. Vor allem die Beschaffung des Impfstoffs, der derzeit in Deutschland große Probleme macht und in der kommenden Woche Thema bei einem Bund-Länder-Gipfel wird, stand im Mittelpunkt der meist sachlichen Debatte. Schulz riet allen Beteiligten zu einer verbalen Abrüstung und bat sogar um Verständnis für mögliche Probleme. Man sollte keine Schuldzuweisungen machen, sagte Schulz. Derzeit treffe er nur „Pandemie-Experten“, was komisch sei. Denn: „Für mich ist es die erste Pandemie. Und ich denke, für alle anderen auch“, sagte der Sozialdemokrat und erläuterte im Anschluss die Mechanismen der europäischen Politik. Diese kennt er als ehemaliger Präsident des Europaparlaments wie kein Zweiter in Deutschland.

Wer ist hier ein Provinzpolitiker? Martin Schulz (re., SPD) griff Markus Söder (li., CSU) in der Sendung von Markus Lanz (Mitte) scharf an. (24hamburg.de-Montage)

Dennoch ließ sich nicht verhindern, dass die Debatte dann irgendwann von dem heraufziehenden Bundestagswahlkampf überschattet wurde. Immer wieder hakten Talkmaster Lanz und Journalistin Rosenfeld nach und wollten wissen, wer in der Bundesregierung die größere Schuld an dem Impf-Debakel trägt: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) oder Bundesfinanzminister Scholz? Fast die gesamte Sendung blockte Schulz ab und versuchte, der Union den Schwarzen Peter zuzuschieben.

Das kommt nicht von ungefähr. Scholz tritt für die SPD bei der Wahl im September als Kanzlerkandidat an. Sein Herausforderer bei der CDU? Steht noch nicht fest. Aber die größten Chancen werden Bayerns Ministerpräsidenten Söder und NRW-Regierungschef Laschet eingeräumt. Beide liegen in Umfragen deutlich vor Scholz. Als Moderator Lanz dann wissen wollte, ob das Impf-Thema die SPD nicht noch weiter in den Umfragen nach unten drückt, platzte Schulz schließlich der Kragen.

Söder besser als Scholz? Schulz wettert los

Natürlich seien 15 Prozent in den Umfragen zu wenig, um Kanzler zu werden, räumte Schulz ein. Aber das seien nur Momentaufnahmen. Am Ende würden sich die Wähler fragen, wer nach Angela Merkel (CDU) am besten die Interessen Deutschlands auf internationaler Bühne verteidigen könne. „Da glaube ich, dass Olaf Scholz mit seiner Erfahrung gute Chancen hat, gegen die Provinzpolitiker aus Aachen und München zu bestehen“, wetterte Schulz plötzlich mit Blick auf Laschet und Söder, der noch einen Tag zuvor in der Sendung zugeschaltet war.

Das löste bei Lanz und Rosenfeld Erstaunen aus. Schließlich sind beide Unionspolitiker Ministerpräsidenten. Rosenfeld wies Schulz daraufhin und holte sich gleich eine spitze Bemerkung ab. „Jetzt regen Sie sich nicht so auf“, blaffte Schulz zunächst, erkannte dann aber, dass er womöglich übers Ziel hinausgeschossen war. „Sie haben recht“, räumte er ein. „Provinzpolitiker nehme ich jetzt mal zurück, sagen wir jetzt mal Landespolitiker.“ Er käme ja schließlich selber aus Würselen – und das sei kleiner als Aachen.

Ein Fauxpas, an dem Schulz noch ein wenig zu knabbern hat. Immerhin versteht er sich mit dem Aachener Laschet eigentlich ganz gut. Es tue ihm leid, gestand Schulz später noch ein, dass er den NRW-Politiker beleidigt habe. Der sei eigentlich ganz sympathisch. Aber er glaube trotzdem, dass er gegen Scholz keine Chance habe. Das klang dann schon etwas diplomatischer. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Peter Knefeld/dpa/picture alliance & Kay Nietfeld/dpa/picture alliance & Markus Hetrich/dpa/picture alliance

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare