„Lerngruppen“ gegen Corona-Ausbreitung

Markus Lanz (ZDF): Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) für Maskenpflicht in Schulen

  • Yannick Hanke
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Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) präsentiert bei Markus Lanz (ZDF) die neuen Pläne für Schulen. Auf eine Maskenpflicht wird strikt beharrt.

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Mittwoch, 19. August 2020 sind Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Meteorologe Sven Plöger, Pneumologin Jördis Frommhold und Physiker Christian Kähler zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Der Fokus liegt auf dem Politiker in der Hamburger Runde, der sich zu den Schulöffnungen in seinem Bundesland äußern muss.

Ministerpräsident von Niedersachsen:Stephan Weil
Geboren:15. Dezember 1958 (Alter 61 Jahre), Hamburg
Ehepartnerin:Rosemarie Kerkow-Weil (verh. 1987)
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Ausbildung:Georg-August-Universität Göttingen (1978-1983)
Amt:Mitglied des Bundesrates seit 2013
Bücher:Das EXPO-Projekt: Weltausstellung und Stadtzukunft u.v.m.

Markus Lanz (ZDF): Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) setzt auf Maskenpflicht in Schulen

Zunächst einmal redet ZDF-Moderator Markus Lanz mit dem Meteorologen Sven Plöger über die extreme Hitzewelle*, die Deutschland im August 2020 heimgesucht hat. „Wir sind im dritten Jahr dieser Dürre“, heißt es vom Wetter-Experten. „Noch vor Jahren haben wir gesagt, dass wir kein Wasser sparen müssen. Wir müssen sogar viel Wasser durch die Leitungen pumpen, damit die schön ausgespült sind. Das würde heute keiner mehr machen“, sagt der 53-Jährige. Zwei bis drei Jahre Dürre am Stück könnten gar fast zu etwas „Normalem“ werden.

Markus Lanz (ZDF): Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) muss sich in der Talkshow vom Hamburger Moderator zu seinem Konzept hinsichtlich der Schulöffnungen äußern. (24hamburg.de)

Also quasi zum Alltag der Sommermonate. Ähnlich verhält es sich mit Coronavirus-Sars-CoV-2, das laut Ansicht zahlreicher Virologen als „endemisch“ zu bezeichnen ist. Das bedeutet, die Pandemie wird fester Bestandteil der Gesellschaft, es gehe nur darum, wie dem tödlichen Virus begegnet wird. Strategien in der Krise entwickeln, präventive Maßnahmen durchführen, nicht in Panik verfallen – die Möglichkeiten sind zahlreich. Oder nicht, Herr Weil?

Der Ministerpräsident von Niedersachsen und SPD-Politiker muss sich in der Runde von Markus Lanz natürlich auch zur Coronavirus-Sars-CoV-2-Krise äußern. Ein „Schicksal“, das zuletzt keinem politischen Amtsträger erspart wurde, der in der ZDF-Talkshow weilte. Kann nicht zuletzt Daniel Günther*, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, bestätigen. Der CDU-Mann musste sich für die proppevollen Strände in seinem Bundesland verantworten*.

Geht mit gutem Beispiel voran: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zeigt sich in der Öffentlichkeit mit einem Mundschutz.

Doch zurück zu Stephan Weil. Der 61-Jährige wird mit dem Touristikkonzern TUI konfrontiert, dessen Konzernverwaltung in der niedersächsischen Hauptstadt Hannover ansässig ist. Was es bedeuten würde, wenn Menschen von dort aus in den Urlaub fliegen und beispielsweise Mallorca somit wieder zum Risikogebiet wird, will Lanz vom SPD-Politiker wissen. Seine Antwort bzw. Reaktion: „Ja, das ist schon eine große Industrie, wo durch die Pandemie die Grundlagen infrage gestellt sind. Es ist ein Beispiel dafür, dass man ein an sich gesundes Unternehmen durch die Krise tragen muss“.

Markus Lanz (ZDF): Coronavirus-Sars-CoV-2-Krise beschäftigt Hamburger Runde – Gütersloh als mahnendes Beispiel

Auf einmal zeigt sich der gebürtige Hamburger in bester Redelaune. „Ich habe den Eindruck, dass die Wissenschaft, aber auch die gesamte Gesellschaft in den letzten sechs Monaten viel dazugelernt hat. Was mir auch einleuchtet, denn wir reden von einem unbekannten Virus. Dass man daran lernen muss, halte ich für sehr plausibel. Es gibt kein Patentrezept für die Bekämpfung vom Coronavirus, aber wir haben schon dazugelernt“, heißt es von Stephan Weil. Im Gegensatz zu manchen Demonstranten, die sich mit den Pandemie-Maßnahmen nicht anfreunden können und die deswegen von Grünen-Politiker Cem Özdemir kritisiert werden*.

Schnell kommt der Ministerpräsident Niedersachsens auch auf die aktuelle Schulsituation in Deutschland* zu sprechen. Ihm zufolge könne es passieren, dass sich ein Hotspot bildet, da nicht zuletzt in seinem Bundesland zahlreiche Schüler wieder die Lehranstalten betreten dürfen. „Das muss aber nicht heißen, dass auf einmal alle Schulen in meinem Land eingeschränkt sind. Aber beispielsweise in einer Stadt oder in einem Landkreis. Es kann aber auch passieren, dass die Situation noch schlimmer wird. Dann müssen wir zum Homeschooling zurückkehren“.

Moderator Markus Lanz möchte an dieser Stelle mögliche Gründe für die flächendeckende Schließung von Schulen hören. SPD-Politiker Stephan Weil verweist auf das Beispiel Gütersloh. Die Großstadt in Nordrhein-Westfalen sah sich einem Lockdown ausgesetzt*, nachdem massive Coronavirus-Sars-CoV-2-Ausbrüche in den Schlachtbetrieben von Ex-Schalke 04-Boss Clemens Tönnies* festgestellt wurden. Ein Extremfall, aus dem es zu lernen gilt, merkt der niedersächsische Ministerpräsident an. Und auch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) spricht mit Markus Lanz über gewisse Lernerffekte*.

Markus Lanz (ZDF): Physiker nennt drei Optionen, um Coronavirus-Sars-CoV-2-Überträger zu bekämpfen

In seinem Bundesland würde es „Lerngruppen“ geben, „das sind die Klassen. Die bleiben zusammen und unter sich. Wenn aber das Risiko besteht, das unterschiedliche Klassen aufeinandertreffen und sich vermischen, gilt die Maskenpflicht. Schulhof, Flur, Bus, Hin- und Rückweg – überall dort“, führt Stephan Weil aus. Und wie schaut der angemessene Umgang mit Aerosolen aus? Das möchte der Hamburger Talkshowmaster von seinem Gegenüber wissen.

Gemeint ist hiermit ein heterogenes Gemisch aus festen oder flüssigen Schwebeteilchen in einem Gas. Diese sollen den Erreger auch über längere Strecke transportieren und verbreiten können. Dementsprechend stellen Aerosole laut aktuellen Studien die größte Ansteckungsgefahr dar. Nun ist der Punkt erreicht, an dem Physiker Christian Kähler mit seiner Expertise glänzen darf. Er ist der Meinung, dass es im Grunde drei Möglichkeiten gibt, um sich zu schützen.

„Die erste ist, man muss quasi sehen, dass man die Viren aus dem Raum herausbringt oder sie irgendwo deponiert, wo sie keinen Schaden mehr anrichten können“, sagt Kähler. Hierfür könne man das Fenster öffnen, jedoch wird ein recht großer Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen benötigt. Die zweite Variante: ausreichend Wind vor dem Fenster, beispielsweise durch Querlüftung. Zu guter Letzt könne auch auf eine „raumlufttechnische Anlage“ zurückgegriffen werden, bei der die Frischluftzufuhr auf 100 Prozent gestellt wird. An Schulen sei dies gemäß Kähler die beste Option.

Markus Lanz (ZDF): Experte schwört auf FFP2-Masken im Kampf gegen Coronavirus-Sars-CoV-2

Der Physiker entpuppt sich aber auch als großer Verfechter der sogenannten „FFP2-Masken“. Seit Mitte März 2020 würde er diese schon tragen. Kähler ist sich sogar sicher, dass wenn vier Wochen lang weltweit Masken getragen werden, das Coronavirus-Sars-CoV-2 weg sei. „Natürlich könnte man das Virus so besiegen, aber es ist natürlich stückweise illusorisch so zu denken“, räumt der Physiker ein. Das weiß auch Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), der seine Pandemie-Maßnahmen verteidigt*.

Seine These könnte aber auch SPD-Gesundheitsökonom Karl Lauterbach gefallen, der sich bei Markus Lanz über die aktuellen Coronavirus-Sars-CoV-2-Regeln harsch echauffierte*. Harmonischer ging es mit Grünen-Chefin Annalena Baerbock zu, für die der Moderator einen überraschenden Vorschlag parat hatte*. * 24hamburg.de, fr.de, kreiszeitung.de, ruhr24.de und wa.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: ©  ZDF Mediathek/Markus & Mohammed Talatene/dpa & Johannes A. Rosenburg/24hamburg.de

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