Bundestagswahl 2021

Markus Lanz (ZDF): Peter Tschentscher mit Plädoyer für SPD-Kanzlerkandidat Scholz

  • Yannick Hanke
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Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) zu Gast bei ZDF-Moderator Markus Lanz: Parteikollege und Kanzlerkandidat Olaf Scholz wird in den Himmel gelobt.

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Donnerstag, 3. September 2020 sind der Politiker John Bolton, Peter Tschentscher (SPD), der Erste Bürgermeister Hamburgs, die Journalistin Anja Maier, Moderator Frank Elstner und Psychologe Thorsten Kienast zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Im Fokus der ZDF*-Talkshow steht Tschentscher, der mit Moderator Markus Lanz über den Zustand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und die Kanzlerkandidatur von Olaf Scholz spricht.

Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher
Geboren:20. Januar 1966 (Alter 54 Jahre), Bremen
Ehepartnerin:Eva-Maria Tschentscher (verh. 1998)
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Amt:Bürgermeister von Hamburg seit 2018
Ausbildung:Universität Hamburg (1995), Universität Hamburg

Markus Lanz (ZDF): Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) verteidigt Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU)

Peter Tschentscher ist seit März 2018 Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg. Ein Amt, das der SPD-Politiker mit Leib und Seele ausfüllt, allen Widerständen zum Trotz. Auch Kritik wegen Verstößen gegen die eigenen Coronavirus-Sars-CoV-2-Regeln* können dem gebürtigen Bremer* nichts anhaben. Dementsprechend muss sich der Sozialdemokrat gut gewappnet gefühlt haben, als er der Einladung zur ZDF-Talkshow von Moderator Markus Lanz zugesagt hat. Wie auch Parteikollege Lars Klingbeil, der Kanzlerkandidat Olaf Scholz in Schutz nimmt*.

Markus Lanz (ZDF): Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister Hamburgs, macht sich für den Kanzlerkandidaten Olaf Scholz stark. (Screenshot)

Ob Tschentscher der Unnachgiebigkeit des Talkmasters tatsächlich Stand hält, soll die neueste Ausgabe der populären ZDF-Produktion zeigen. Zunächst einmal möchte Markus Lanz von seinem Gast wissen, ob dieser bereits ähnliche Situationen wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erlebt hat, der in aller Öffentlichkeit bespuckt und beleidigt wurde*. Tschentschers Antwort: „Ich habe solche Situationen wie Herr Spahn auch schon erlebt. Im Wahlkampf, dass Leute gezielt kommen, die ein bestimmtes Thema haben und eigentlich nicht reden wollen. Sie wollen vielmehr ihren Protest dokumentieren“.

Doch ist der 54-Jährige auch der Ansicht, dass solche Situationen nicht verallgemeinert werden dürfen. „Ich bin mir sicher: Wenn wir uns auf einen Samstag in die Hamburger Innenstadt stellen würden, dann würden ganz wenig Menschen brüllen. Die haben Fragen, die haben Meinungen – aber wir dürfen das nicht verallgemeinern“, nennt Peter Tschentscher ein fiktives Beispiel. Das genügt Moderator Markus Lanz vorerst. Doch möchte der ZDF-Star daraufhin, dass der SPD-Politiker eine Bewertung der Aussagen von Spahn vornimmt.

Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister Hamburgs, muss sich immer wieder für die Coronavirus-Maßnahmen in der Hansestadt rechtfertigen.

Dieser hatte sich Fehler eingestanden, nicht zuletzt in der ZDF-Talkshow. Wie von 24hamburg.de-MarkusLanz berichtet, diskutierten Spahn und Lanz intensiv über die zu spät erfolgte Beschaffung von Mund-Nasen-Schutzmasken für die Bundesrepublik*. Tschentscher wiederum findet „es richtig, wenn Jens Spahn sagt, dass wir mit dem Wissen von heute Entscheidungen der Vergangenheit anders getroffen hätten“. Ebenso stimmt der SPDler dem Gesundheitsminister hinsichtlich der Schließungen von Friseur-Salons und des Einzelhandels zu – denn diese hätten nicht erfolgen dürfen.

Doch gibt der Erste Bürgermeister Hamburgs auch zu bedenken, dass Deutschland mit dieser Strategie „sehr viel besser durch die Pandemie gekommen [ist] als andere Länder“. Also doch alles richtig gemacht? Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Nachdem Tschentscher eine kurze Redepause vergönnt ist, spricht Lanz den Politiker auf die „spezielle“ Rhetorik der Sozialdemokraten an. Der 54-Jährige ist seit 1989 Mitglied der Partei und findet es beispielsweise „unglücklich“, wenn Menschen als „Idioten“ bezeichnet werden.

Markus Lanz (ZDF): Peter Tschentscher (SPD) warnt vor Coronavirus-Infektionszahlen in Hamburg

Wäre das auch geklärt. Weiter geht es mit Coronavirus-Sars-CoV-2 und den Infektionszahlen in Hamburg. „Wie viele aktive Fälle haben wir hier im Moment?“, fragt Lanz Peter Tschentscher. Der sichtlich überfordert wirkende SPD-Mann sagt: „Das ändert sich jeden Tag. Vielleicht sind es derzeit 200 Personen, ich weiß es nicht genau“. Kein Problem, hat der ZDF-Talkmaster die Antwort doch auf einer seiner Moderationskarten stehen. „In den letzten sieben Tagen haben sich in Hamburg 231 Menschen infiziert. Das sind 30 am Tag, bei zwei Millionen Einwohnern“, lässt Lanz verlauten.

„Ja, das ist richtig. Aber wir wissen ja auch, wie schnell aus 200 Infizierten 2.000 werden können. Diesen Anstieg haben wir bereits im März gesehen. Und da darf man sich eben nicht zu sicher fühlen. Es funktioniert ja mittlerweile nur deswegen so gut, weil wir alle disziplinierter geworden sind. Und im März hatten wir noch keine Masken“, lautet Tschentschers Plädoyer für die aktuellen Regeln und Maßnahmen, die das Coronavirus-Sars-CoV-2 unumgänglich macht.

Beim reinen Blick auf die Zahlen könne laut Lanz aber auch gesagt werden: „Wir haben es im Griff“. Ein Trugschluss, wird den Ausführungen von Hamburgs Bürgermeister Glauben geschenkt. „Wir müssen vorsichtig bleiben. Sehen Sie mal, wir kommen jetzt in die kalte Jahreszeit. Die Leute werden sich nicht unter freiem Himmel begegnen, sondern sich wieder in die Innenräume zurückziehen. Zudem kommen die normalen Grippeviren hinzu“, skizziert Peter Tschentscher „eine sehr komplizierte Lage“. Wie auch die Integration von türkischen Mitbürgern in Deutschland, geht es nach Herbert Kreul (CDU)*.

Markus Lanz (ZDF): Peter Tschentscher (SPD) stärkt Kanzlerkandidat Olaf Scholz – „durchsetzungsstark und erfahren“

Nach weiteren Diskussionen um Coronavirus-konforme Maßnahmen, die von den 16 Bundesländern jeweils unterschiedlich ausgelegt werden und düsteren Aussichten für die Veranstaltungsbranche im Herbst und Winter, muss natürlich auch über den vermeintlichen Heilsbringer der SPD geredet werden. Dieser hört auf den Namen Olaf Scholz und war auch schon Erster Bürgermeister Hamburgs.

Wie von 24hamburg.de-Politik berichtet, ist der Sozialdemokrat von den Vorsitzenden seiner Partei als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2021 nominiert worden*. Ob Olaf Scholz das Potenzial hat, dieses immens wichtige Amt auszufüllen und damit Bundeskanzlerin Angela Merkel* zu beerben? Darüber unterhält sich Markus Lanz nun mit Peter Tschentscher. Der SPD-Mann möchte, ganz der Politiker, keine Zweifel an seiner Integrität aufkommen lassen und fällt Scholz natürlich nicht in den Rücken. Weniger harmonisch ging es bei Markus Lanz mit Peter Altmaier (CDU) zu*.

„Ich habe gesagt: Alle in Deutschland wissen, dass der Kanzler kann. Alle wissen ja, dass der durchsetzungsstark ist, dass er sich mit den Themen auskennt und politische Erfahrung hat. Und darauf wird es bei der Bundestagswahl ankommen“, macht sich Tschentscher für Olaf Scholz stark. (Ehemalige) Bürgermeister von Hamburg müssen schließlich zusammenhalten. Doch klingt das in den Ohren von Markus Lanz nach zu viel Harmonie, die der Moderator in diesem Moment nicht haben möchte.

Markus Lanz (ZDF): Peter Tschentscher (SPD) hält Linkspartei in Hamburg für nicht „regierungsfähig“

Es folgen kritisches Nachfragen und Spitzfindigkeiten gegenüber Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken, den Bundesvorsitzenden der SPD. Der routinierte Peter Tschentscher lässt sich aber nicht aus der Reserve locken und bewahrt die Contenance. Auch, als Lanz ihn mit der politischen Vergangenheit von Olaf Scholz konfrontiert, der 2011 eine Koalition mit der Linkspartei ausgeschlossen hätte. Aktuell hingegen wird vermehrt über ein mögliches Bündnis von Sozialdemokraten und Linken diskutiert. Aber auch über die Flüchtlingspolitik von Horst Seehofer (CSU)*.

Auch Walter-Borjans hatte im Rahmen des ZDF-Polit-Magazins Berlin direkt*“ die Linkspartei nicht kategorisch als Koalitionspartner ausgeschlossen*. Dazu muss Peter Tschentscher nun Stellung beziehen. Eine Zusammenarbeit mit den Linken in Hamburg sei deswegen ausgeschlossen worden, da diese in der Hansestadt nicht „regierungsfähig“ sei.

„Auf Bundesebene wird aber mit Sicherheit darüber diskutiert werden, ob Rot-Grün nicht eine sinnvolle Alternative zu CDU/FDP sein kann. Letztendlich geht es aber darum, dass wir als stärkste Alternative zur Union aus der Bundestagswahl hervorgehen möchten. Alles andere wird dann ein Kanzlerkandidat Olaf Scholz sehr, sehr verantwortungsvoll entscheiden und durchsetzen“. Da ist er wieder, der Heilsbringer. Amen. Ob auch Thüringens Ministerpräsident sich als solcher sieht? Linken-Politiker Bodo Ramelow hat sich zumindest für einen Fehler entschuldigt*. * 24hamburg.de, merkur.de und nordbuzz.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz

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