Coronavirus-Diskussion

Virologe Streeck bei Markus Lanz (ZDF): Lockdown alternativlos

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Virologe Hendrik Streeck spricht in der ZDF-Talkshow von Moderator Markus Lanz über einen Impfstoff gegen das Coronavirus – und den „Lockdown light“.

  • Markus Lanz* (ZDF*): Virologe Hendrik Streeck ist zu Gast.
  • Coronavirus*-Krise steht im Fokus.
  • Berliner Bürgermeister skizziert Impf-Pläne.

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Dienstag, 10. November 2020, sind der Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD), Virologe Hendrik Streeck, Ärztin Carola Holzner, Journalist Johannes Hano (zugeschaltet) sowie Politiker John Bolton zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Der Fokus liegt vor allem auf Müller und Streeck, die sich vermehrt zur Coronavirus-Krise äußern müssen.

Regierender Bürgermeister von Berlin:Michael Müller
Geboren:9. Dezember 1964 (Alter 55 Jahre), Berlin
Ehepartnerin:Claudia Müller
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Amt:Regierender Bürgermeister von Berlin seit 2014
Eltern:Jürgen Müller, Margrit Müller
Vorherige Ämter:Präsident des Bundesrates (2017–2018), Mitglied des Bundesrates (2011–2014)

Markus Lanz (ZDF): Virologe Hendrick Streeck spricht über Corona-Impfstoff – „vorsichtig optimistisch“

Die Wahl in den Vereinigten Staaten hatte zuletzt die ZDF-Talkshow von Moderator Markus Lanz dominiert. Der abgewählte, sich noch bis Mitte Januar 2020 im Amt befindliche US-Präsident Donald Trump* erhitzt nach wie vor die Gemüter. Mitunter streitet sich der Hamburger Talkmaster gar mit einem Republikaner* und Trump-Fan. Um auf den neuesten Stand zu kommen, wird direkt zu Beginn der Sendung nach New York geschaltet. ZDF-Korrespondent Johannes Hano informiert pflichtgemäß über die innenpolitischen Entwicklungen in den USA, die Zerrissenheit des Landes wird schnell deutlich.

Virologe Hendrik Streeck hält den Coronavirus-Lockdown für alternativlos. (24hamburg.de-Montage)

Ein Bild, das sich auch auf die Bundesrepublik übertragen lässt – nicht zuletzt hinsichtlich der Diskussion über einen Impfstoff gegen das Coronavirus. Der Virologe Hendrik Streeck merkt an, dass es „irre schnell gegangen“ sei und bezieht sich damit auf die Entwicklung des besagten Mittels. „Die Ergebnisse, soweit man sie denn gesehen hat, können einen vorsichtig optimistisch stimmen. Aber man weiß noch gar nichts und hat keine Daten gesehen“. Daten hat auch SPD-Politiker Franz Müntefering parat – und kritisiert den Umgang mit Senioren*.

Markus Lanz (ZDF): Virologe Streeck mit Exkurs in Impfkunde

Bei Testpersonen für etwaige Placebos würde „nach symptomatischen Erkrankungen“ geschaut werden, also ob „jemand auch wirklich Symptome entwickelt. Wir wissen aber beispielsweise noch gar nicht, ob dieser Impfstoff vor der Infektion oder der Erkrankung schützt. Diese Daten liegen noch gar nicht vor. Und wir wissen auch noch nicht, ob das Placebo jetzt bei jungen oder älteren Menschen getestet wurde. Und das sind doch alles entscheidende Daten, die wir brauchen, um das besser verstehen zu können“, heißt es von Hendrik Streeck.

Zum Stand der Dinge: Am Montag, 9. November 2020, hatte das Mainzer Unternehmen Biontech ihrer Ansicht nach gute Ergebnisse zu einem Impfstoff gegen das Coronavirus* präsentiert. Wie gut, dass Moderator Markus Lanz mit Streeck einen der renommiertesten Virologen des Landes in seiner Talkshow weiß. Denn flugs gibt der Mediziner einen kurzen Exkurs in Sachen Impfkunde für Anfänger. „Der Zelle wird quasi ein Kochrezept gegeben: Produziere diese Proteine mal, koch mal diese Proteine nach. Das macht die Zelle ganz brav“, erläutert der 43-Jährige.

Markus Lanz (ZDF): Berlins Bürgermeister Müller (SPD) verspricht Corona-Impfzentren

Daraufhin würde das Immunsystem eine Abwehr entwickeln, was deshalb mehr als geschickt sei, da die erforderlichen Proteine nicht mehr in einem komplexen Prozess entwickelt werden müssten. Zudem verweist Streeck darauf, dass die Produktion sehr schnell stattfinden würde. Doch kommt der Virologe auch auf einen Nachteil zu sprechen. Dieser bezieht sich auf Kühlketten, die zwingend notwendig seienm, da die RNA-Wirkstoffe bei minus 70 Grad Celsius gelagert werden müssen.

Den Ausführungen des Virologen kann Berlins Regierender Bürgermeister nur gespannt lauschen. Die Reaktion Michael Müllers: „Ich finde atemberaubend, wie schnell die Wissenschaft ist, und wie gut da zusammengearbeitet wird“. Der SPD-Politiker kündigt in der Hamburger* Runde an, dass es bereits im Dezember 2020 in Berlin eine Infrastruktur geben würde, die es ermöglicht, täglich 20.000 Menschen zu impfen. Darüber hinaus seien mehrere dezentrale Impfzentren in der Planung.

Markus Lanz (ZDF): Lockdown alternativlos – sagt Virologe Hendrick Streeck

Einmal im Redefluss, will Michael Müller nicht mehr aufhören, über das konkrete Vorgehen und die Steuerung der Impfvergabe zu sprechen. „Wir planen im Moment mit denen, die besonders gefährdet sind: Ältere, Menschen mit Vorerkrankungen oder Berufsgruppen aus der Medizin“, führt der 55-Jährige aus. Zudem fordert der SPD-Politiker, dass Polizei, Feuerwehr und andere, die Menschen schützen, Impfangebote bekommen: „Da wird es eine Prioritätenliste geben“. Übrigens: Bei Lanz ist Michael Müller schon mal gehörig ins Schwimmen geraten*.

Nun möchte ZDF-Moderator Markus Lanz aber auch mal wieder etwas sagen. „Wie geht es uns nach einer Woche im leichten Lockdown?“, fragt der Talkmaster den Bürgermeister Berlins. Dieser macht keinen Hehl daraus, dass ihm mit Blick auf Kultur und Gastronomie zum Heulen zumute ist. Doch betont Müller auch, dass dieser Schritt alternativlos gewesen sei. „In diesem System robben wir uns immer wieder an Lösungen heran“, heißt es vom Sozialdemokraten. Dem kann Streeck nur beipflichten: „Der Lockdown war jetzt gut und richtig, er war das einzige Mittel, das wir in der Situation hatten“.

Markus Lanz (ZDF): Virologe Streeck wünscht sich Langzeitstrategien – Lob für Bundesbürger

Im Kontext dieser Sichtweisen würde SPD-Gesundheitsökonom Karl Lauterbach* den beiden wohl entschieden zustimmen. Der Mediziner hatte in der Talkshow von Markus Lanz immer wieder auf die extreme Gefahr der Pandemie hingewiesen und entsprechende Regeln und Einschränkungen sogar als zu lasch empfunden*. Eine Aussage, die Lauterbach vor allem mit Blick auf steigende Infektionszahlen im Herbst und Winter dieses Jahres getätigt hatte. Auch Hendrik Streeck wünscht sich, dass verstärkt über Langzeitstrategien nachgedacht wird, darüber, „wie man auch im nächsten Jahr damit umgehen kann“.

Der Virologe, der sich vor laufender Kamera auch schon mal mit Lauterbach zofft*, lobt die Einsicht der Bürger in der Bundesrepublik. „Die Menschen haben schon mitbekommen, dass es wieder ernster wurde, haben sich zurückgenommen“. Für den Mediziner läge es auf der Hand, dass vor allem das persönliche Verhalten während der Pandemie entscheidend ist. „Es funktioniert nur, wenn wir alle an Bord haben, wenn jeder von uns auch sagt, okay, ich möchte dazu beitragen, möchte, dass die Infektionen gestoppt werden“. Dies sei laut Streeck machbar, jedoch „besser langfristig über Gebote als über Verbote und Verordnungen“. 24hamburg.de, fr.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz (Screenshot) & Oliver Berg/dpa

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