Privatsphäre ade

Markus Lanz (ZDF): SPD-Gesundheits-Guru Lauterbach will mehr Corona-Kontrollen

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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SPD-Politiker und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist in der ZDF-Talkshow von Moderator Markus Lanz dafür, dass private Treffen polizeilich kontrolliert werden.

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Mittwoch, 28. Oktober 2020, sind Grünen-Politiker Winfried Kretschmann (zugeschaltet), SPD-Gesundheitsökonom Karl Lauterbach, Journalistin Christiane Hoffmann, Arzt Stefan Kluge sowie Wirtschaftsexperte Clemens Fuest zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Im Fokus stehen vor allem die Politiker in der Hamburger* Runde, die sich zu den neuen Coronavirus-Regeln äußern müssen.

Mitglied des Deutschen Bundestages:Karl Lauterbach
Geboren:21. Februar 1963 (Alter 57 Jahre), Düren
Ehepartnerin:Angela Spelsberg (verh. 1996–2010)
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Amt:Mitglied des Deutschen Bundestages seit 2005
Ausbildung:RWTH Aachen University (1982–1989) u.v.m.

Markus Lanz (ZDF): SPD-Gesundheitsökonom Karl Lauterbach erklärt „Wellenbrecher-Shutdown“

Direkt zu Beginn der ZDF-Talkshow konfrontiert Moderator Markus Lanz den SPD-Politiker Karl Lauterbach mit dem Begriff „Wellenbrecher-Lockdown*“ und möchte, dass sich der Gesundheitsökonom zu den Beschlüssen der Ministerkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel* vom Mittwoch, 28. Oktober 2020, äußert. „Ich glaube, das ist ein ganz großer Erfolg, das muss man wirklich sagen. Deutschland ist durch die erste Welle besser gekommen als viele andere europäische Länder“, heißt es zunächst einmal vom 57-Jährigen. Oder auch als die USA, deren Präsident Donald Trump bei Markus Lanz scharf kritisiert* wird. Und auch mit Trump-Wählern geht Lanz hart ins Gericht*.

ZDF-Moderator Markus Lanz spricht mit SPD-Gesundheitökonom Karl Lauterbach über Polizei-Kontrollen in privaten Haushalten – um Coronavirus-Verstöße festzustellen. (24hamburg.de-Montage)

„Und die Frage ist ja jetzt: Können wir das wiederholen? Denn wir stehen ja noch etwas besser da als die umliegenden Länder. Und mit dem Ergebnis von heute, glaube ich, wird uns das gelingen. Das war ja auch das Ziel. Wellenbrecher-Shutdown bedeutet im Prinzip, dass man die anflutende zweite Welle, also dieses exponentielle Wachstum, dass man das noch bricht, solange wie es geht. Und dann darf das exponentielle Wachstum noch nicht so weit sein“, geht Karl Lauterbach weiter ins Detail. Virologe Hendrik Streeck hält den derzeitigen „Lockdown light“ gar für alternativlos*.

Markus Lanz (ZDF): SPD-Gesundheits-Guru Lauterbach überzeugt Kanzlerin Merkel mit Corona-Konzept

Es wird explizit darauf verwiesen, dass streng nach einem Konzept gehandelt wird, das von der renommierten, britischen Universität in Warwick unlängst mitentwickelt wurde. Die Anwendung dieses Konzepts hätten Lauterbach, aber auch Star-Virologe Christian Drosten schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt vorgeschlagen. Es würde nämlich nur dann effektiv sein, „wenn man es ganz früh macht“, merkt der SPD-Politiker an. Auch Parteikollege Peter Tschentscher betont bei Markus Lanz die Wichtigkeit präventiver Maßnahmen*.

„Wir haben jetzt, quasi wie im Lehrbuch, kann man sagen, beim aufsteigenden Ast des exponentiellen Wachstums sehr früh sehr konsequent gehandelt“, erklärt Lauterbach. Er betont vehement, dass es bemerkenswert und auch etwas Besonderes sei, dass Kanzlerin Angela Merkel sich schnell hinter das besagte Konzept gestellt habe. Denn dieses sei zum Zeitpunkt der Vorstellung lediglich „ein paar Tage alt“ gewesen.

Markus Lanz (ZDF): Winfried Kretschmann (Grüne) will „Vertrauen“ schaffen – Schulen bleiben offen

Daraufhin will ZDF-Moderator Markus Lanz von seinem Gegenüber wissen, ob er persönlich den Lockdown härter gestaltet hätte. Dies kann Karl Lauterbach nur verneinen. Im ursprünglichen Konzept sei es sogar die Intention gewesen, die Schulen erneut zu schließen. Dafür hätten sich laut dem Gesundheitsökonomen einige Experten, die nicht namentlich genannt werden, entschieden ausgesprochen. Doch sei Lauterbach immer der Ansicht gewesen, dass die Lehranstalten nicht mit in das Maßnahmenbündel mit hereingenommen werden sollen. Das überrascht, hatte Lauterbach die Coronavirus-Regeln in der ZDF-Talkshow doch sogar schon als zu lasch bezeichnet*.

Nach all seinen Ausführungen ist dem Mediziner vorerst eine Redepause vergönnt. Gedanken sammeln und fix die Ohren spitzen, denn es folgt der Auftritt vom zugeschalteten Winfried Kretschmann. Der Grünen-Politiker und Ministerpräsident von Baden-Württemberg äußert sich gegenüber der Hamburger Runde von Markus Lanz zu den getroffenen Maßnahmen und der Frage von Schulschließungen. Für den 72-Jährigen sei es enorm wichtig gewesen, einheitliche Coronavirus-Regeln zu formulieren. Ich hoffe, das schafft Vertrauen, denn das Ganze hat ja nur einen Sinn, wenn die Leute auch mitmachen. Wir können da viel beschließen - der allermeiste Teil muss sich dann auch daran halten. Nur dann klappt das“, appelliert der Politiker an die Vernunft der Menschen.

Markus Lanz (ZDF): Kretschmann (Grüne) setzt auf Impfstoff – „dann hört das auf“

Einen zweiten Lockdown zu beschließen sei nach Ansicht von Winfried Kretschmann deutlich schwerer gewesen als beim ersten Mal. „Nach den Lockerungen dann nochmal ganz hart hereingehen zu müssen, das ist sehr viel härter“, merkt der Ministerpräsident Baden-Württembergs an. Darüber hinaus weiß sich der Grünen-Politiker auch zum Umgang mit den Schulen zu äußern. „Wir wissen, das hat die Familien enorm unter Stress gesetzt. Enorm. Wir haben das kaum mehr organisiert bekommen“, zeigt sich Kretschmann selbstkritisch und nimmt seine Ministerpräsidenten-Kollegen mit ins Boot.

Energisch, völlig aus sich herauskommend, unterstreicht Kretschmann, dass die getroffenen Maßnahmen und Einschränkungen natürlich nur zeitlich limitiert seien. „Die Sachen sind begrenzt. Das hört auch mal wieder auf. Spätestens, wenn der Impfstoff kommt und wir alle geimpft sind, dann hört das auf“, ist sich der Grünen-Politiker ziemlich sicher. Der 72-Jährige schwört auf Zuversicht, die auch „ein bisschen beleben“ könne. „Und dann können wir auch eine Zeitlang mal auf Dinge verzichten, die wir sonst gerne machen“, schiebt der baden-württembergische Ministerpräsident hinterher. Damit stößt er wohl auf keine positive Resonanz bei TV-Koch Tim Mälzer, der die Coronavirus-Sperrstunde nicht akzeptieren kann und will*.

Markus Lanz (ZDF): Lauterbach (SPD) fordert Kontrollen in Privathaushalten

Nun ist es aber auch mal wieder an der Zeit für einen Redebeitrag von Karl Lauterbach. Dieser wird von ZDF-Moderator Markus Lanz auf die umstrittene Aussage angesprochen, in der aktuellen Notlage dürfe die Unverletzbarkeit der Wohnung und damit der Privatsphäre kein Argument mehr hinsichtlich ausbleibender Kontrollen sein. An dieser Stelle führt sich Lauterbach falsch verstanden und bezieht Stellung: „Ich habe damit nicht gemeint, dass man die Wohnung betreten kann“. Der SPD-Politiker zieht das Beispiel Ruhestörungen heran und meint, dass bei Lärmbelästigungen im privaten Raum des Öfteren auch schon die Polizei und das Ordnungsamt an die eigene Tür klopfen würden. Übrigens: Bei Markus Lanz zeigt sich Lauterbach mitunter auch im Angriffsmodus*.

„Das bedeutet nicht, dass die Polizei die Wohnung stürmen darf. Aber dass die dort hinkommen, und treten vor die Tür und sagen, da muss jetzt Schluss sein“, bezieht sich Karl Lauterbach auf ein Szenario, in dem private Partys im Lockdown gefeiert werden. Zu guter Letzt darf sich auch Winfried Kretschmann noch einmal äußern. Er betont, dass Deutschland durch die Pandemie kein Überwachungsstaat werden würde: „Wir sind doch selber freiheitliche Menschen! Wir sind stolz drauf, dass wir in einem freien Staat leben“. Worte, an denen sich die politischen Entscheider in näherer Zukunft messen lassen müssen. * 24hamburg.de und fr.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz (Screenshot) & ZDF Mediathek/Markus Lanz (Screenshot) & Paul Zinken/dpa-Zentralbild

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