Hamburgs Bürgermeister in der Kritik

Markus Lanz (ZDF): Tschentscher (SPD) gibt Corona-Lockdown-Fehler zu

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
    schließen

Die erste Ausgabe der ZDF-Talkshow von Moderator Markus Lanz im neuen Jahr startet mit einem Knaller. Hamburgs Bürgermeister Tschentscher über Corona-Fehler.

  • Markus Lanz (ZDF): Peter Tschentscher (SPD) rechtfertigt Corona-Maßnahmen.
  • Kritik an Sozialdemokraten: Journalistinnen sehen Profilierungswahn.
  • Coronavirus-Impfstoff: Zögerliche Beschaffung an den Pranger gestellt.

Hamburg-Altona – Für Peter Tschentscher ist es derzeit kein Leichtes, das Amt des Ersten Bürgermeister Hamburgs zu bekleiden. Der SPD-Politiker muss sich für bundesweit geltende Beschlüsse und Einschränkungen rechtfertigen, welche die Coronavirus-Krise unumgänglich macht. Im Gespräch mit ZDF-Talkmaster Markus Lanz muss Tschentscher die neuen Regeln von Kanzlerin Angela Merkel sowie den 16 Länderchefs verteidigen. Die anderen Gäste nehmen ihn intensiv unter Beschuss.

Bürgermeister von Hamburg:Peter Tschentscher
Geboren:20. Januar 1966 (Alter 54 Jahre), Bremen
Ehepartnerin:Eva-Maria Tschentscher (verh. 1998)
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Amt:Bürgermeister von Hamburg seit 2018
Ausbildung:Universität Hamburg (1995)
Eltern:Wolfgang Tschentscher, Helga Tschentscher

Markus Lanz (ZDF): Peter Tschentscher (SPD) verteidigt neue Corona-Beschlüsse

„Wir lernen nun so hässliche Wörter wie Bewegungsradius“, heißt es zu Beginn der Talkshow von Moderator Markus Lanz am Dienstag, 5. Januar 2021. Der „Journalist des Jahres“ hält dies in Bezug auf die neuen Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern fest. Dies kann und will SPD-Politiker Peter Tschentscher in dieser Form nicht unkommentiert stehen lassen. Der Bürgermeister Hamburgs zeigt sich energisch und hält ein Plädoyer für die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit der Bürger in Hotspot-Gebieten.

Der Blick geht nach untern: Hinsichtlich des Corona-Lockdowns gesteht sich Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) Fehler ein. (24hamburg.de-Montage)

Darüber hinaus weiß Tschentscher auch die Schulschließungen zu verteidigen. Denn der 54-Jährige ist sich sicher: „Jeder kleine Beitrag zum Infektionsgeschehen ist in dieser Situation jetzt ein Problem.“ Das mag stimmen, Journalistin Cerstin Gammelin möchte aber direkt einmal Kritik üben. Ihrer Ansicht nach kommt der härtere, bundesweit geltende Lockdown entschieden zu spät. „Die Beschlüsse, die heute gefasst worden sind, die hätten im November gefasst werden müssen“, sagt Gammelin. Doch damit nicht genug: Ihrzufolge würden sich die Maßnahmen in Deutschland „hinziehen wie ein lang gezogener Kaugummi.“

Hamburgs Bürgermeister unter Beschuss – Tschentscher (SPD) von Journalisten angegangen

Ein Bild, dem die anderen Gäste der Hamburger Runde, Infektiologe Peter Kremsner sowie die Journalistinnen Claudia Kade und Diana Zimmermann, wohl zustimmen können. Ihre Gesichter sprechen zumindest Bände. Nun ergreift auch Kade das Wort und pflichtet ihrer Kollegin bei. Auch sie bemüht eine Metapher und spricht von „Salami-Entscheidungen, die alle mürbe machen.“ Dies ruft Peter Tschentscher auf den Plan, der Fehler hinsichtlich des Lockdown lights zugibt. „Das kam als Empfehlung vom Bund und wir haben das so gemacht“, will der SPD-Mann die Schuld aber bei anderen suchen.

Das sorgt für Unverständnis bei Gammelin und Kade, die dem Bürgermeister Hamburgs an dieser Stelle entschieden widersprechen. Kade ruft in Erinnerung, dass Kanzlerin Merkel sich einen strikteren Lockdown bereits für den November gewünscht hätte. Letztendlich sei sie aber am Widerstand der Länder gescheitert. Nun darf auch der letzte Gast in der Talkshow seine Meinung kundtun. „Richtig harte Maßnahmen bringen ganz sicher mehr“, heißt es vom Infektiologen Peter Kremsner.

Corona-Impfstoffbeschaffung hitzig diskutiert – SPD-Politiker Tschentscher gibt Fehler zu

Ein Konsens wird aber auch in versammelter Mannschaft erreicht: Sowohl die Gäste als auch ZDF-Moderator Markus Lanz sind sich darüber einig, dass es richtig war, den Corona-Impfstoff innerhalb der Europäischen Union zu bestellen. Und eben nicht im Alleingang zu handeln. Nichtsdestotrotz muss auch die ernüchternde Bilanz gezogen werden, dass der Impfstart bundesweit eher schleppend anlief. Diverse Erfahrungsberichte, die medial die Runde machen, zeugen von fehlenden Impfdosen und einem großen Chaos hinsichtlich der Terminvergabe.

Das hat auch Peter Tschentscher registriert, der kurz und bündig festhält: „Wir hätten uns natürlich sehr gewünscht, dass wir gerade zum Impfstart mehr Impfstoff bekommen.“ Doch da das Leben bekanntlich nicht im Konjunktiv stattfindet, muss mit dem Status quo adäquat umgegangen und aus Fehlern gelernt werden. Wie auch seine Partei fordert Sozialdemokrat Tschentscher eine schnelle Aufklärung hinsichtlich begangener Fehler bei der Impfstoffbeschaffung. Generell wünscht er sich in diesem Kontext auch mehr Transparenz. Ob dies auch in Richtung von Gesundheitsminister Jens Spahn, der ebenfalls Fehler zugibt, geht?

Betreibt SPD Corona-Wahlkampf? Sozialdemokrat Tschentscher muss sich wehren

Fehlende Transparenz ist in jedem Fall auch ein Aspekt, denn sich Journalistin Claudia Kade in ihrer Generalkritik herausgepickt hat. Sie äußert ihren Unmut in Bezug auf „die Intransparenz auf EU-Ebene und in Deutschland“ bei den Verhandlungen über die Impfstoffbeschaffung. Zudem sieht sie Fehler aufseiten der Bundesregierung, die sich in der entscheidenden Phase der europäischen Verhandlungen nicht intensiver auf den Biontech-Impfstoff fokussiert hätte.

Cerstin Gammelin wiederum spricht von „Angriffen, die waren einfach unanständig“ und bezieht sich damit auf reichlich Kritik von der Opposition. „Zum Jahresanfang ist nicht nur die Impfkampagne gestartet, sondern auch der Wahlkampf“, merkt Gammelin an und will einen Zusammenhang sehen. Ihrer Ansicht nach würde die SPD sich aktuell nur profilieren wollen. Das weist Peter Tschentscher direkt von sich und seiner Partei, in diesem Fall will er die Verantwortung beim Gesundheitsministerium wissen. Kein Novum: Schon im Gespräch mit Star-Koch Tim Mälzer suchte Tschentscher die Schuld bei anderen. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz (Screenshot) & Christian Ohde/imago images

Kommentare