Bundestagswahl 2021

Markus Lanz (ZDF): SPD-Chef stärkt Hamburger Kanzlerkandidat Olaf Scholz

  • Yannick Hanke
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TV-Moderator Markus Lanz (ZDF) ist zurück aus der Sommerpause und spricht in seiner Late-Night-Show über den Hamburger SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz.

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Dienstag, 11. August 2020 sind SPD-Chef Norbert Walter-Borjans, der Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD), Marlis Tepe, Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie der Virologe Martin Stürmer zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Im Fokus stehen die Politiker der Runde, die sich zum Coronavirus-Sars-CoV-2 und der Kanzlerkandidatur von Olaf Scholz äußern.

Politiker:Norbert Walter-Borjans
Geboren:17. September 1952 (Alter 67 Jahre), Krefeld
Aubildung:Rheinische Friedrich-Wilhems-Universität Bonn
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Bücher: Steuern - Der große Bluff: Der frühere NRW-Finanzminister berichtet von seinem Kampf gegen Steuerhinterziehung und widerlegt die Mythen, die über unser Steuersystem verbreitet werden

Markus Lanz (ZDF): SPD-Vorsitzender Norbert Walter-Borjans verteidigt Kanzlerkandidatur von Hamburger Ex-Bürgermeister Olaf Scholz – dieser sei ein „standhafter Sozialdemokrat“

Zunächst einmal begrüßt Markus Lanz zum wiederholten Male den Virologen Martin Stürmer, der seit dem Ausbruch der Pandemie als Stammgast in der Hamburger Runde* bezeichnet wird. Das Gespräch mit dem Doktor kann als munteres Vorgeplänkel aufgefasst werden, in dem über die Tests von möglichen Impfstoffen gegen das Coronavirus-Sars-CoV-2* diskutiert wird. „Letztlich reden wir ja über einen Impfstoff, der möglicherweise Millionen bis Milliarden von Menschen verabreicht werden soll, der die klinische Prüfung überhaupt nicht vollständig abgeschlossen hat“, erklärt Stürmer.

SPD-Politiker Norbert Walter-Borjans musste sich im Rahmen der ZDF-Talkshow von Markus Lanz für die Kanzlerkandidatur von Olaf Scholz rechtfertigen. (Screenshot)

„Der ist an ein paar mehr oder weniger freiwilligen Personen getestet worden. Man schwankt zwischen 50 und 100 Soldaten, die diesen Impfstoff bekommen haben“, fügt der Virologe hinzu. In diesem Kontext spricht der ZDF-Moderator ziemlich treffend von einem „heiklen Spiel“. Eine Formulierung, mit der auch die Nominierung von SPD-Politiker Olaf Scholz als Kanzlerkandidat bezeichnet werden könnte. Wie von 24hamburg.de-Politik berichtet, wurde der Ex-Bürgermeister Hamburgs* auf Vorschlag der Parteivorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans für die Bundestagswahl 2021 ins politische Rennen geschickt*.

Wie passend, dass letzterer an diesem Dienstagabend zugeschaltet ist, um die Beweggründe für diese Entscheidung zu erläutern. Ob Olaf Scholz einst zu schlecht für die SPD gewesen sei, mittlerweile aber gut genug für Deutschland ist, fragt Markus Lanz in ziemlich provokanter Manier nach. „Nein, das wird aber gerne daraus gemacht“, heißt es von Walter-Borjans. Auch wenn es in der Vergangenheit zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden gekommen ist, halte der SPD-Vorsitzende Olaf Scholz für einen guten, regierungserfahrenenen Politiker. In dieselbe Kerbe schlägt auch Parteikollege Peter Tschentscher bei Markus Lanz*.

Sehen so Sieger aus? Hamburgs Ex-Bürgermeister und SPD-Politiker Olaf Scholz wurde von seiner Partei als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2021 ins Rennen geschickt.

In seiner Partei sei er „fest verankert“ und zudem ein „standhafter Sozialdemokrat“. Diskussionsbedarf sei gegeben, doch könne dies natürlich auch konstruktiv sein. Seine klaren Aussagen sind insofern bemerkenswert, als in früheren TV-Runden, beispielsweise auch bei Markus Lanz im November 2019, SPD-Vorsitzende Saskia Esken die „Standhaftigkeit“ und generell die Qualitäten von Olaf Scholz angezweifelt hatte*.

Markus Lanz (ZDF): Hamburger TV-Moderator vergleicht Olaf Scholz (SPD) mit gescheitertem Kanzlerkanditaten Peer Steinbrück

Saskia Esken hätte sich für diese Diffamierungen von Olaf Scholz im Nachhinein entschuldigt, lässt Walter-Borjans verlauten. Zudem wird der Politiker auf Umfragewerte angesprochen, die ihn „alles andere als erfreuen“ und die es nach oben hin zu korrigieren gilt. „Wir müssen besser und stärker werden“, wird der SPD-Politiker ziemlich deutlich. Mit gängigen Floskeln wird ein wenig die Werbetrommel gerührt, bis Lanz nochmal kritisch nachfragt. Ähnlich wie auch bei Katja Kipping (Linke), die kein großer Fan von Olaf Scholz ist*.

Ob es möglich wäre, dass der Grünen-Politiker Robert Habeck Kanzler wird und die SPD als erster Junior-Partner in dieser Koalition bereitstehen würde. Walter-Borjans Antwort: „Wir arbeiten nun intensiv daran, Olaf Scholz zum Kanzler zu machen. Es könnte auch sein, dass die Grünen oder andere Parteien Forderungen stellen, mit denen wir nicht zufrieden sind“. Recht hat er, ein klares Dementi sieht aber auch anders aus.

Olaf Scholz sei der zweitbeliebteste Politiker Deutschlands, merkt Lanz nun an. Ob ihm nicht das gleiche Schicksal wie beispielsweise Peer Steinbrück drohen könnte, der bei der Bundestagswahl im Jahr 2013 gegen die nach wie vor amtierende Kanzlerin Angela Merkel* angetreten war. Diesen Vergleich will Walter-Borjans nicht verstehen, windet sich um eine klare Antwort und verabschiedet sich daraufhin. Übrigens: am Sonntag, 16. August 2020 ist der SPD-Politiker im Rahmen des Polit-Magazins Berlin direkt*“ zu sehen. Ab 19:10 Uhr sendet das ZDF sein Sommerinterview, in dem es mit Sicherheit auch um Olaf Scholz gehen wird.

Auch der Bürgermeister Berlins, Michael Müller, äußert sich zum SPD-Kanzlerkandidaten und verteidigt die Auswahl von Walter-Borjans und Esken energisch und vehement. Er sei mit seinen beiden Vorsitzenden zufrieden, gibt aber zu, dass manche Aussagen auch hätten glücklicher formuliert werden können. Doch der Hauptstadt-Politiker, der sich im Juni 2020 gegenüber Markus Lanz für seinen Umgang mit dem Coronavirus-Sars-CoV-2 rechtfertigen musste*, wurde nicht eingeladen, um ausschließlich über Olaf Scholz zu reden. Ebenso wenig wie Grünen-Chefin Annalena Baerbock, die von Lanz als Kanzlerkandidatin ins Spiel gebracht wurde*.

Markus Lanz (ZDF): Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD) schließt bundesweite Maskenpflicht in Schulen nicht aus – Coronavirus-Sars-CoV-2 bleibt dominantes Thema in Hamburger TV-Runde

Denn auch die Rückkehr zahlreicher Kinder in die Schulen verschiedener Bundesländer steht auf dem Tagesordnungspunkt vom Hamburger Moderator. Michael Müller verweist darauf, dass die Charité erst vor 14 Tagen dem Kabinett beratend zur Seite stand, als es um das Thema Schulen ging. Die Umsetzung des gemeinsam erarbeiteten Konzepts stößt jedoch vielerorts auf negative Resonanz. Vor allem Marlis Tepe hat viele Kritikpunkte, die sie in der Runde von Markus Lanz vorträgt.

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Für mich als Politiker war das heute ein besonderer demokratischer Moment. Auf Vorschlag unserer Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans haben mich Präsidium und Vorstand der @spdde heute einstimmig als Kanzlerkandidaten nominiert. Wir wollen eine Regierung anführen. Das kann nur gemeinsam gelingen, deshalb freue ich mich, dass wir so ein starkes Team sind. Wir alle teilen die Vision einer gerechten Gesellschaft. Wir wollen einen Sozialstaat, in dem die BürgerInnen merken: es geht um sie. Wir sind nicht bei den Leuten, die sich für was Besseres halten. Wir sind bei denjenigen, die den Laden am Laufen halten! Es geht uns um Respekt, gerechte Löhne und sichere Arbeitsplätze. Es geht uns um eine seriöse Finanzpolitik und eine solidarische EU. Für mich ist heute ein besonderer Moment. Ich bin bereit, was draus zu machen. #SPD #Solidarität #Respekt #gerechteLöhne #Arbeitsplätze #Sozialstaat #Finanzpolitik #EU

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Die Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft teile denselben Standpunkt wie Stephan Wassmuth, Vorsitzender des Bundeselternrates. So hätte die Politik „aus unserer Sicht eher falsch entschieden. Wir hätten uns gewünscht, dass die Abstände eingehalten werden“, heißt es von Tepe. Sie erklärt, dass es vor allem gegenüber dem Tragen von Masken innerhalb der Lehrerschaft viel Skepsis gegeben habe, denn gerade beim Sprache lernen in Grundschulen oder auch beim Fremdsprachenunterricht sei nicht nur die richtige Aussprache, sondern auch die Mimik sehr wichtig.

Mittlerweile allerdings höre sie von immer mehr Kollegen, dass sie sich angesichts von Klassen mit bis zu 30 Schülern, die in geschlossenen Räumen unterrichtet werden müssen, doch einen Schutz durch die Maske wünschen würden. „Da haben die Kollegen Angst, das muss man doch verstehen“, merkt Tepe an. Dementsprechend hält Michael Müller die Einführung einer Maskenpflicht, wie es sie beispielsweise schon in Nordrhein-Westfalen gibt, auch für Berlin oder andere Bundesländer nicht ausgeschlossen.

Gegenwärtige Verordnungen und Konzepte seien nämlich nicht bis Jahresende in Stein gemeißelt, sagt der SPD-Politiker. Wenn festgestellt werden würde, dass mit Maske im Unterricht adäquat gearbeitet werden kann und es natürlich auch hilft und schützt, „dann wird es kommen“. Aussagen, an welchen sich der Berliner Bürgermeister zukünftig messen lassen muss. Vielleicht auch im Rahmen der ZDF-Talkshow von Markus Lanz, die er mit Sicherheit nicht zum letzten Mal beehrt hat.

Genauso wenig wie CDU-Politiker Daniel Günther, der sich für seine Politik verantworten musste*. Und auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zeigte klare Kante und sprach über eine Maskenpflicht in deutschen Schulen*. * 24hamburg.de, fr.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz

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