Hartz IV weg

Markus Lanz (ZDF): SPD-Kanzlerkandidat lässt Kinder in Deutschland hungern?

  • Yannick Hanke
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Linken-Chefin Katja Kipping kritisiert den hochgelobten SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz. Sie spricht ihm bei Markus Lanz im ZDF seine Kompetenzen ab.

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Mittwoch, 23. September 2020, sind Linken-Chefin Katja Kipping, Ex-US-Sicherheitsberater John Bolton, Journalist Georg Streiter, Bergsteiger Reinhold Messner sowie dessen Bruder, Arzt Hubert Messner, zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Im Fokus stehen eine mögliche Koalition der Linkspartei mit der SPD und deren Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2021, Olaf Scholz.

Mitglied des Deutschen Bundestages:Katja Kipping
Geboren:18. Januar 1978 (Alter 42 Jahre), Dresden
Ehepartner:Kolja Möller (verh. 2011)
Partei:Die Linke
Ausbildung:Technische Universität Dresden
Amt:Mitglied des Deutschen Bundestages seit 2005
Bücher:Neue linke Minderheiten: Eine Einladung. u.v.m.

Markus Lanz (ZDF): Katja Kipping (Linke) kein Fan von SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz

Katja Kipping ist seit 2012 Bundesvorsitzende der Linken. Die 42-Jährige gilt als Frau der klaren Worte und stellt sich nur allzu gerne schier unlösbaren Aufgaben. Ob hierzu auch ihr Besuch in der ZDF*-Talkshow von Markus Lanz zählt? Die gebürtige Dresdnerin wird vom Moderator auf den „neuen linken Traum“ angesprochen. Gemeint ist hiermit eine Koalition der Linkspartei mit SPD und Grünen. Wie von 24hamburg.de-MarkusLanz berichtet, hält auch Norbert Walter-Borjans, Bundesvorsitzender der Sozialdemokraten, diese Möglichkeit für grundsätzlich umsetzbar*.

Linken-Chefin Katja Kipping sieht in SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz keinen Heilsbringer. Zumindest nicht, wenn es um Armutsbekämpfung und Hilfe für Hartz IV-Familien geht. (24hamburg.de-Montage)

Und wie steht Katja Kipping dem gegenüber? Die Politikerin lässt zunächst einmal verlauten, dass Olaf Scholz, Ex-Bürgermeister von Hamburg und SPD-Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl 2021, nicht ihr „Lieblings-Sozialdemokrat“ sei. „Er hat in der Vergangenheit jede Menge politische Fehler gemacht und war für die Agenda 2010. Man kann aber sagen, dass er sehr eng mit seiner eigenen Partei verbunden ist“. Wie auch Karl Lauterbach, der Markus Lanz mit einer ganz bestimmten Aussage schockt*.

Markus Lanz (ZDF): Linken-Chefin Katja Kipping kritisiert CDU – keine Verbesserung für Arme unter Union

Mit Sicherheit nicht die Antwort, die ZDF-Moderator Markus Lanz erwartet hat. Der 51-Jährige zeigt sich unnachgiebig und will erneut auf Olaf Scholz zu sprechen kommen. „Wenn Sie sagen, dass Olaf Scholz in der Vergangenheit viele Fehler gemacht hat, dann ist doch eine Koalition mit der SPD und diesem möglichen Kanzler nicht denkbar?“, fragt Lanz Katja Kipping. Ihre Reaktion: „Ich bin ja nicht die Anwältin von Olaf Scholz. Eines nehme ich aber schon zur Kenntnis: Die SPD-Spitze hat klar gesagt, dass sie Hartz IV hinter sich lassen will. Und jegliche Verbesserung für die Ärmsten wird es mit der CDU nicht geben“.

Ob sich die Situation sozial schwacher Menschen aber mit einem Kanzler Olaf Scholz ändern würde, will Markus Lanz daraufhin von seiner Gesprächspartnerin wissen. „Scholz ist nicht der Garant dafür, aber eine kämpferische Linke an der Regierung. Wir werden natürlich dafür sorgen“, erklärt Katja Kipping. Heißt das etwa im Umkehrschluss, dass Olaf Scholz nichts zu sagen hätte? „Nein, das heißt, dass ich mich hier nicht an ihm als Person abarbeiten will. Eine Zusammenarbeit würde professionell erfolgen, wir werden hart verhandeln“, kündigt die Linken-Politikerin forsch an.

Markus Lanz (ZDF): Katja Kipping präsentiert Linken-Ziele – keine Kriege, nur noch Frieden

Was würde denn aber ohne eine Katja Kipping gar nicht gehen? Welche Forderungen müssen umgesetzt werden? Fragen, mit denen Lanz die Bundesvorsitzende der Linkspartei konfrontiert. „Ich wäre eine schlechte Verhandlungsführerin, wenn ich meine Verhandlungstaktik vor laufender Kamera verkünden würde. Ich glaube aber, dass es mehrere gefährliche Entwicklungen in der Welt gibt. Es geht mir unter anderem darum, den prognostizierten Klimakollaps aufzuhalten“, benennt die 42-Jährige eines ihrer Ziele.

„Wenn wir alle vor Armut schützen, die Mitte besser stellen sowie Klima- und Friedenspolitik absichern wollen, sodass es eine bessere Zukunft gibt – dann lohnt sich auch so eine Regierung“, merkt Kipping an. Das muss ZDF-Moderator Markus Lanz erst einmal sacken lassen und das Gehörte in fast schon gewohnter Manier für sich und den Rest der Hamburger* Runde übersetzen. „Das heißt, Auslandseinsätze der Bundeswehr wird es mit Ihnen geben, oder nicht?“, fragt der neugierige Talkmaster die Linken-Politikerin.

Markus Lanz (ZDF): Katja Kipping auf Stimmenfang für Linkspartei

„Die Position der Linkspartei ist klar: Kriegseinsätze wird es mit uns nicht geben. Die letzten Jahre haben doch gezeigt, dass die bisherige Außenpolitik die Welt nicht sicherer gemacht hat. Wir kritisieren alle jetzigen Auslandseinsätze, wollen diese beenden und keine Neuen anfangen. Dafür wird man hart verhandeln müssen. Aber wir haben gute Argumente auf unserer Seite“, betont Katja Kipping vehement. Die hatte auch Markus Lanz, um als Moderator von „Wetten, dass..?“ anzuheuern*.

Wie von 24hamburg.de-Politik in aller Ausführlichkeit geschildert, hat die Linken-Chefin schon im Rahmen des ZDF-Polit-Magazins Berlin direkt*“ versucht, mit ähnlichen Argumenten potenzielle Wähler für die Linkspartei zu gewinnen*. Ob dies mit Erfolg gekrönt ist, wird die nähere Zukunft zeigen. Die Gegenwart heißt für Katja Kipping nach wie vor Markus Lanz. Und dort muss sich die 42-Jährige reichlich Kritik an der Politik der Linken gefallen lassen. Kritik gibt es auch für Donald Trump – vom Grünen Jürgen Trittin*.

Markus Lanz (ZDF): Linke wollen Nicht-Wähler überzeugen – CDU-Absturz nach Merkel-Abgang?

Immerhin: Über die Umfragewerte ihrer Partei scheint die Ostdeutsche besten informiert zu sein. Dem Journalisten Georg Streiter entgegnet Katja Kipping Folgendes: „Sie wissen doch auch, dass die Parteien links von der Union vor der Coronavirus*-Krise bei fast 50 Prozent gewesen sind. Und wenn uns die letzten Jahre eins gezeigt haben, dann dass es sehr schnelle Dynamiken geben kann. Ich sage Ihnen eines: Die jetzigen 37 Prozent der CDU sind 37 Prozent Angela Merkel*. Wenn entschieden ist, wer bei der Union auf die Bundeskanzlerin folgt, wird diese Person diesen Wert mit großer Wahrscheinlichkeit nicht halten“. Auch der Wert hinsichtlich steigender Coronavirus-Infektionen ist Thema bei Markus Lanz*.

Die abgewanderten CDU-Wähler würden sich in diesem Fall der SPD oder den Grünen anschließen, die Linken müssten sich auf die Nicht-Wähler konzentrieren. Dies wird zumindest von Katja Kipping prognostiziert. Um bei ihrer Rhetorik zu bleiben: Eines ist im Verlauf der ZDF-Talkshow deutlich geworden – der größte Fan vom SPD-Spitzenkandidaten Olaf Scholz scheint Katja Kipping wahrlich nicht zu sein. Im Gegensatz zum Sozialdemokraten Lars Klingenbeil, der Scholz entschlossen in Schutz nimmt*. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Carsten Koall/dpa & Odd Andersen/AFP & Jens Kalaene/dpa

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